Im Dialog: Tori Ferenc und René Burri

4. November 2025

Als Autodidaktin lernte Tori Ferenc das Fotohandwerk unter anderem durch das Studieren der Werke bekannter Fotogrößen. Ein Bild aus René Burris Serie Les Allemands geht ihr dabei nicht aus dem Kopf.
Mit ihrer Serie Borderlands knüpft die polnische Porträt- und Dokumentarfotografin Tori Ferenc an das Werk des Schweizer Fotografen René Burri an. Trotz der Jahrzehnte, die ihre Arbeiten zeitlich trennen, verbindet beide ein meisterhafter Umgang mit Licht und Schatten sowie eine tiefe Wertschätzung für ihre Motive. Im Interview erzählte die Autodidaktin über prägende Einflüsse und bewundert Burris Talent, immersive Werke zu schaffen. Der bildliche Dialog wird in der Leica Galerie London anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Leica I präsentiert.

Tori Ferenc: „Ich habe keine formale Ausbildung in der Fotografie absolviert, daher habe ich immer durch das Studium der Werke anderer gelernt. Ich habe mich intensiv mit ihren Bildern beschäftigt, analysiert, was sie auszeichnet, und versucht, die Geschichten zu verstehen, die sie erzählen. Ein Fotograf, dessen Arbeit ich besonders bewundere, ist Joel Meyerowitz. Die Art und Weise, wie er Farben einfängt und die Wärme, die seine Bilder ausstrahlen, sind etwas, das ich in meiner eigenen Arbeit anstrebe. Auch der Humor in Elliott Erwitts Fotografien hat mich schon immer fasziniert. Seine Bilder sind voller Leichtigkeit und Freude. Und dann ist da noch René Burri. Seine Fotografie hat etwas Klares, fast Grafisches und ist dennoch voller Tiefe.

Es gibt viele Arbeiten von Burri, die ich liebe. Seine Fotografien sind so vielschichtig, reich an Kontext und immersiv. Ich denke, meine Lieblingsserie ist Les Allemands, ein Projekt, das das Leben im Nachkriegsdeutschland dokumentiert. Eines der Bilder, das mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist das eines Mannes, der ein kleines Kind durch eine neblige Straße trägt. Es ist eine ganz gewöhnliche Szene, aber ich konnte meinen Blick nicht davon abwenden. Was ich an Burris Arbeit bewundere, ist sein Talent, den Alltag einzufangen, ohne besonders grandiose oder entscheidende Momente zu zeigen. Und doch hat man beim Betrachten seiner Bilder das Gefühl, mit ihm dort zu sein.“
Text: © Tori Ferenc; Bild: © René Burri / Magnum Photos

Im Dialog+-

Die Ausstellung ist im November in der Leica Galerie London zu sehen.

Tori Ferenc+-

1989 in Polen geboren. In ihrer Arbeit konzentriert sich die Porträt- und Dokumentarfotografin auf die Themen Identität, Gemeinschaft und Familiendynamik. Sie ist Mitglied von Women Photograph und Equal Lens. Ihre Bilder wurden international veröffentlicht und ausgestellt. Sie lebt in London. Mehr

René Burri+-

Rene Burri_© Claire Yaffa
© Claire Yaffa

1933 in der Schweiz geboren. Er gehörte zu den begabtesten Fotografen und Bildjournalisten seiner Generation. Sein Werk ist vielschichtig – berühmt wurde er mit ikonischen Porträts von Che Guevara, Le Corbusier und Pablo Picasso. Bereits 1959 wurde er Mitglied der Fotoagentur Magnum. 2013 erhielt Burri den Leica Hall of Fame Award, ein Jahr, bevor er im Alter von 81 Jahren verstarb. Mehr

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