Im Dialog: Jessie Brinkman Evans und Steve McCurry
Im Dialog: Jessie Brinkman Evans und Steve McCurry
18. August 2025
Mother and Child at Car Window (Bombay, Indien, 1993) © Steve McCurry
Jessie Brinkman Evans: „Ich erinnere mich, dass ich zum ersten Mal die Arbeiten von Steve McCurry in meinen späten Teenagerjahren studierte, daher ist es surreal, heute darüber zu schreiben. Abgesehen von der offensichtlichen Schönheit in Komposition, Licht und Farbe besitzt sein Werk die angeborene Fähigkeit, unser menschliches Miteinander zu dokumentieren. Diese Fähigkeit verbindet uns alle auf eine Weise, die nur aus echter Neugier für Kultur, Sprache und Menschlichkeit entstehen kann. Während ich meinen eigenen Weg als Fotografin fand, war das eine konstante Inspirationsquelle und eine Erinnerung daran, dass Bildgestaltung ein Tanz ist – zwischen dem Menschen oder der Landschaft vor mir und dem Licht, das sie umgibt.
Eines meiner Lieblingsbilder von McCurry ist Mother and Child at Car Window (Bombay, Indien, 1993). Die Trennung durch das Autofenster, die Emotion der Mutter und die Unschuld des Kindes überbrücken die Kluft zwischen ihrer Erfahrung und der unseren. Das Wasser auf dem Fenster, die Hand der Mutter und der kleine Blick in ihre Augen durch das gesprungene Glas – all das fügt sich zusammen und erzählt eine Geschichte, mit der sich Menschen auf der ganzen Welt identifizieren können.
Mit meiner Fotografie thematisiere ich die Beziehung zwischen Kultur und Ort innerhalb der arktischen Gemeinschaften Grönlands, mit einem Fokus auf Personen, deren Leben eng mit dem Land verbunden ist. Allgemein liegt mein fotografischer Schwerpunkt stark auf Licht und Raum – insbesondere darauf, die einzigartigen Farbtöne der Arktis einzufangen. Obwohl sich diese Farbpaletten deutlich von denen McCurrys unterscheiden, verbindet uns eine gemeinsame Neugier, was die Menschheit betrifft. Ich glaube, wir beide möchten erforschen, wie Menschen miteinander und mit ihrer Umgebung verwoben sind. Der verbindende Faden unserer Werke ist die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen Menschen – und der Versuch, den Kern der menschlichen Erfahrung durch Fotografie einzufangen.“
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Die Ausstellung ist vom 1. August bis 31. Oktober in der Leica Galerie Melbournezu sehen.
Jessie Brinkman Evans+-
Jessie Brinkman Evans hat ihre Wurzeln in Südkalifornien und Australien und lebt heute zwischen Melbourne (Australien) und St. John’s (Kanada). Sie ist bekannt für ihre Arbeiten mit Fokus auf den Schnittstellen von Kultur und Lebenssinn. Meist arbeitet sie dokumentarisch, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Licht und Farbgebung – sowohl technisch als auch ästhetisch. Seit geraumer Zeit dokumentiert sie regelmäßig die Arktis. Außerdem war sie bereits als Stills- und Set-Fotografin tätig. 2023 zeigte Brinkman Evans ihre erste Soloausstellung in der No Vacancy Gallery in Melbourne.
Steve McCurry+-
Steve McCurry, geboren 1950 in Philadelphia (USA), studierte Film und Theaterkunst an der Pennsylvania State University. Der Fotograf und Fotojournalist ist vor allem bekannt für das ikonische Porträt Afghan Girl (1984), das auf dem Cover des National Geographic veröffentlicht wurde. Seit 1986 ist er Mitglied der renommierten Fotoagentur Magnum. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem war er viermal Erstplatzierter beim World Press Photo Contest. McCurry veröffentlichte über 20 Bildbände mit seinen Werken.
Mother and Child at Car Window (Bombay, Indien, 1993) © Steve McCurry