Im Dialog: Édouard Elias und Thomas Hoepker
Im Dialog: Édouard Elias und Thomas Hoepker
15. September 2025
Blick von Williamsburg, Brooklyn, auf Manhattan, New York, USA, 11. September 2001
Édouard Elias: „Für mich als Fotojournalisten, der sich auf die Berichterstattung über aktuelle Ereignisse spezialisiert hat, findet die Fotografie ihre wahre Bedeutung eher in einer Bilderserie mit Text und Kontext als in einer einzelnen isolierten Aufnahme. Jedes Foto ist Teil eines größeren Ganzen, das eine komplexere und nuanciertere Geschichte erzählt. Die meisten Fotografen in der Leica Hall of Fame inspirieren mich gerade wegen ihrer Fähigkeit, zusammenhängende visuelle Erzählungen zu schaffen, in denen jedes Bild die anderen bereichert und ergänzt. Ein einzelnes Foto kann sehr aussagekräftig sein, aber erst durch eine Serie können wir die Vielfalt menschlicher, sozialer oder politischer Realitäten erfassen. Ihre Arbeit hat mich gelehrt, dass eine Geschichte nicht in einem einzigen Moment erzählt wird.
Ein Bild von Thomas Hoepker, das mich besonders fasziniert, zeigt Kinder, die neben der Berliner Mauer spielen. Was mich daran interessiert, ist weniger das historische Thema als vielmehr die Bildkomposition: Die Mauer wird zu einem einfachen Teil der städtischen Kulisse. Die Spannung zwischen einem stark aufgeladenen Hintergrund und den alltäglichen oder freudigen Aktivitäten im Vordergrund zieht sich durch Hoepkers gesamtes Werk.
Die gleiche visuelle Konstruktion sehen wir in seinem Foto vom 11. September 2001, auf dem das Alltagsleben weitergeht, während sich in der Ferne eine ungeahnte historische Katastrophe abspielt. Diese Art, die Realität zu strukturieren, ohne zu betonen oder zu unterstreichen, spricht mich sehr an.“
Im Dialog+-
Die Ausstellung ist vom 25. September bis 16. Oktober in der Leica Galerie Pariszu sehen.
Édouard Elias+-
Geboren 1991 in Nîmes. Nach zehn Jahren in Ägypten Studium der Fotografie an der École de Condé in Nancy. Nach einer Reportage über ein Flüchtlingscamp in der Türkei begann Elias, den syrischen Bürgerkrieg zu dokumentieren. Dort verbrachte er zehn Monate in Gefangenschaft. Seine Arbeiten erschienen in Der Spiegel, Paris Match und im Sunday Times Magazine. Mehr
Thomas Hoepker+-
wird 1936 in München geboren. Frühe Erfolge und Auszeichnungen. 1960 wird er Bildreporter bei der Münchner Illustrierten, ab 1962 Redaktionsmitglied bei Kristall, ab 1964 für den Stern tätig. Neben Schwarzweißaufnahmen kann Hoepker für die Magazine bereits früh auch Farbbilder realisieren; auch hierbei ist seine Leica ein unentbehrliches Arbeitsinstrument. Ab den 1970er-Jahren arbeitet er auch als Kameramann und realisiert zahlreiche Dokumentar- und Fernsehfilme. 1976 zieht Hoepker nach New York, von 1978 bis 1981 ist er Executive Editor der amerikanischen Geo-Ausgabe. Zurück in Hamburg, ist er als Art Director in der Stern-Chefredaktion tätig. 1989 wird er das erste deutsche Mitglied der renommierten Agentur Magnum Photos; von 2003 bis 2007 ist er ihr Präsident. Mit seiner zweiten Ehefrau, der Filmemacherin Christine Kruchen, entstehen weiterhin Dokumentarfilme. Zahlreiche Auszeichnungen (u. a. 1968 Kulturpreis der DGPh). 2005 Stiftung mehrerer Tausend Fotografien an das Fotomuseum im Stadtmuseum München. 2014 wurde Hoepker mit dem Leica Hall of Fame Award geehrt. Nach langer Krankheit ist er am 10. Juli 2024 in Santiago de Chile, verstorben. Mehr
Blick von Williamsburg, Brooklyn, auf Manhattan, New York, USA, 11. September 2001
Kind mit Roller an der Berliner Mauer, Deutschland, 1963