Im Dialog: Lena Mucha und Barbara Klemm

8. Dezember 2025

Ein letztes Mal in diesem Jahr treten zwei Leica Talente in den fotografischen Dialog: Lena Mucha spricht über die Werke von Barbara Klemm. Die Ausstellung ist von Dezember 2025 bis Februar 2026 in der Leica Galerie Wien zu sehen.
Das Ausstellungsformat Im Dialog: ein fotografisches Gespräch geht mit Lena Mucha und Barbara Klemm in die letzte Runde. Mucha widmet sich in ihren Arbeiten dem sozialen Wandel und gibt Minderheiten, etwa jungen Jesidinnen, eine Stimme. Klemm wiederum gilt als Pionierin der zeitgenössischen Fotografie. Seit mehr als 60 Jahren hält sie gesellschaftliche und politische Stimmungen im In- und Ausland fest. Über den fotografischen Austausch spricht Mucha im Interview.

Lena Mucha: „In meiner Arbeit geht es um junge jesidische Frauen, die in Deutschland leben. Sie sind Aktivistinnen und nutzen ihre Stimme, um über die jesidische Kultur, den Genozid und die aktuelle Lage der Jesiden zu berichten. Sie sind als junge Mädchen aus dem Nordirak geflohen und leben seitdem in Deutschland.

An Barbara Klemms Arbeit hat mich vor allem die Nähe zu den Menschen beeindruckt. Ihre Fotos erzählen Geschichten, und man möchte mehr über die Hintergründe und das weitere Geschehen erfahren. Die respektvolle Darstellung der Menschen und Klemms sensibler Blick auf die Geschehnisse inspirieren, vermitteln ein Gespür für das Wesentliche und regen zum Nachdenken an. Barbara Klemm war in den 1960er- und 1970er-Jahren als Fotojournalistin in einem männerdominierten Beruf tätig und sehr erfolgreich. Ihre Vorbildfunktion für Frauen, ihre Stimme bzw. ihren Blick zu nutzen, um innerhalb patriarchaler Strukturen aufzuklären, hat mich auch in der Themenwahl meines Projekts beeinflusst. 

Sowohl Barbara als auch die jungen jesidischen Frauen, die ich porträtiere, sind Pionierinnen: Klemm in ihrer Rolle als Fotojournalistin in den 1960er-Jahren und die Jesidinnen als Überlebende eines Genozids, die heute als Minderheit in der Diaspora in Deutschland leben. Barbara Klemm hat den Zeitgeist vor allem im öffentlichen Leben dargestellt, wichtige historische Momente eingefangen und Einblicke in die Gesellschaft durch Momentaufnahmen gegeben. In meiner Arbeit tauche ich in die Geschichten meiner Protagonisten ein und komme ihnen dabei sehr nah. Unterschiede zeigen sich auch in der Herangehensweise: Barbara Klemm arbeitet in Einzelbildern, mein Projekt ist seriell aufgebaut. Außerdem fotografierte Klemm in Schwarzweiß und ich in meiner Arbeit in Farbe.“
Text: © Lena Mucha; Bild: © Barbara Klemm

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Die Ausstellung ist von Dezember 2025 bis Januar 2026 in der Leica Galerie Wien zu sehen.

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Lena Mucha

Lena Mucha, geboren 1983, ist eine deutsche Fotografin. 2011 machte sie in Köln ihren Masterabschluss in Politikwissenschaften und Sozialanthropologie. In ihrer Arbeit fokussiert sie sich auf sozialkritische Themen wie Menschenrechte, Gleichberechtigung und Migration. Sie lebte mehrere Jahre in Kolumbien und Guatemala und arbeitete dort für NGOs. Ihre Fotoreportagen brachten ihr unter anderem das „Reporters in the Field“-Stipendium ein. 2016 war sie Stipendiatin für Magnum-Workshops mit Patrick Zachmann und David Alan Harvey. Sie lebt und arbeitet zwischen Berlin und München. 

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Barbara Klemm_© Gustav Eckart

Barbara Klemm wurde 1939 in Münster, Westfalen, geboren und wuchs in einer Künstlerfamilie auf, ihr Vater Fritz Klemm war Professor an der Karlsruher Kunstakademie. Durch ihn machte sie erste fotografische Erfahrungen. 1958 begann sie eine Fotografenlehre in einem Porträtatelier in Karlsruhe und arbeitete ab 1959 im Fotolabor der FAZ. Dort wurden auch ihre erste Arbeiten als freie Mitarbeiterin publiziert. Darauf folgte von 1970 bis 2005 die Festanstellung als Redaktionsfotografin für Politik und Feuilleton. Sie gewann mehrere Auszeichnungen, darunter den Leica Hall of Fame Award 2012. Barbara Klemm lebt in Frankfurt am Main.

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