Stadt. Leben. Porträt

Fred Stein

2. Juni 2026

Noch bis zum 14. Juni 2026 präsentiert die Leica Galerie Wetzlar Einblicke in das Lebenswerk des Leica-Fotografen.
„Die Leica brachte mir das Fotografieren bei.“ Mit diesem Satz hat Fred Stein (1909–1967) seine Erfahrungen und seinen Einstieg in die Fotografie knapp zusammengefasst. Der studierte Jurist nutzte seine Leidenschaft für das Medium nach seiner aus antisemitischen und politischen Gründen erzwungenen Emigration aus Deutschland, um sich und seiner Familie eine Lebensgrundlage in Paris zu verschaffen. Die als Hochzeitsgeschenk erworbene gebrauchte Leica wurde das Werkzeug für eine neue Perspektive. Aus dem Amateurfotografen sollte rasch ein hervorragender Vertreter der Street Photography werden, und auch als Porträtfotograf konnte er brillieren. Nach der deutschen Invasion Frankreichs mussten die Steins 1941 weiterflüchten. In New York widmete er sich weiterhin der Street Photography, war von der Architektur fasziniert, entwickelte aber ebenso sozialdokumentarische Serien. Rückblickend wird deutlich, wie es Stein gelang, das Wesen und die Atmosphäre der beiden so verschiedenen Metropolen Paris und New York mit ihren unterschiedlichen Stimmungen herauszuarbeiten.

Sein wichtigstes Porträt: Albert Einstein. Neben der Street Photography erhielt die Porträtfotografie in New York einen noch höheren Stellenwert. Mehr als 1000 Porträts entstanden – das Archiv, das heute von dem 1943 geborenen Sohn Peter gepflegt wird, liest sich wie ein Who’s who prominenter Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Darunter sind neben Albert Einstein unter anderem Hannah Arendt, Marlene Dietrich, Georgia O’Keeffe, Salvador Dalí, Frank Lloyd Wright und Robert Frank. Auch bei seinen Porträts war der Fotograf vor allem an natürlicher Authentizität interessiert und verzichtete daher meist auf Retuschen oder aufwendige Inszenierungen und bevorzugte natürliches Licht. Der bereits mit 58 Jahren verstorbene Fred Stein erhielt trotz seines vielfältigen Werks und vieler Veröffentlichungen zu Lebzeiten nicht die ihm zustehende Anerkennung. Die aktuellen Ausstellungen sind Mosaiksteine, sein Werk wieder in die Geschichte des 20. Jahrhunderts zurückzuholen. Neben der Ausstellung Fred Stein: Stadt. Leben. Porträt in der Leica Galerie Wetzlar präsentiert die Düsseldorfer Galerie Noir Blanche noch bis zum 13. Juni ausgewählte Arbeiten.
Ulrich Rüter
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Fred Stein

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Die LFI-Ausgabe 4.2026 widmet Fred Stein ein Leica Klassiker-Portfolio. Mehr

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© Fred Stein Archive

Am 3. Juli 1909 in Dresden geboren. Der studierte Jurist wurde am 30. Juni 1933 aus antisemitischen Gründen aus dem Justizdienst gedrängt und nicht mehr zum zweiten Staatsexamen zugelassen. Im August 1933 Heirat mit Liselotte „Lilo“ Salzburg (1910–1997). Flucht nach Paris im Oktober 1933. Aufbau einer Existenz als Fotograf. 1938 Geburt der Tochter Ruth-Marion. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs zehnmonatige Gefangenschaft in Internierungs- und Arbeitslagern. Lilo Stein konnte einen Koffer voller Negative und Abzüge aus Paris retten. Über Südfrankreich gelang 1941 die Emigration in die USA. 1943 Geburt des Sohns Peter. 1952 Verleihung der amerikanischen Staatsbürgerschaft. Am 27. September 1967 starb Fred Stein nach kurzer Krankheit in New York. Mehr

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