Von Gott verlassen

14. Mai 2026

Noch bis zum 14. Juni 2026 ist in der Leica Galerie Prag die Ausstellung When God Was Not Watching des Kollektivs 400 ASA zu sehen.
Bevor sich das Kollektiv 400 ASA gründete, fotografierten drei seiner späteren Mitglieder – Karel Cudlín, Antonín Kratochvíl und Jan Mihaliček – Bergkarabach. Ein Land, das es nicht mehr gibt. Jeder von ihnen kam zu einer anderen Zeit, an einen anderen Ort und unter anderen Umständen. Karel Cudlín hielt in seiner charakteristisch einfühlsamen Art die armenischen Bewohner von Karabach fest, die um das Jahr 2008 in einer Phase relativer Ruhe versuchten, ihr Alltagsleben in den Bergen zu führen.

Antonín Kratochvíl, einer der international renommiertesten Fotografen, hielt kurz vor der Jahrtausendwende für den UNHCR das Leben ethnischer Aserbaidschaner fest, nachdem diese aus Dörfern in Karabach geflohen waren, die unter armenische Kontrolle geraten waren. Er fotografierte große Gruppen von Vertriebenen, die ihren Alltag in provisorischen Behausungen verbrachten – verlassenen Güterwaggons. Unter seinen Bildern befindet sich das eines kleinen Bäumchens, das von seinem Pfleger gepflanzt und täglich gepflegt wird, der hofft, eines Tages in dessen Schatten zu sterben, nachdem er gezwungen war, die ausgewachsenen Bäume seiner früheren Heimat zurückzulassen. 

Die ersten Fotos wurden 1992 von Jan Mihaliček während des sogenannten Ersten Krieges aufgenommen. Er kam im Rahmen der ersten Mission der Stiftung Lidové noviny mit dem Titel SOS Karabach in die abgelegene Bergregion. Sie brachten Medikamente, Lebensmittel und unter anderem ein Feldlazarett mit. All dies musste dokumentiert und in der Presse veröffentlicht werden. Dieser humanitären Aktion folgten weitere – es gab keine Möglichkeit, einfach aufzuhören. Für den damals 27-jährigen Mihaliček wurden diese wenigen Tage zu einer prägenden Erfahrung, die seine Sicht auf die Welt grundlegend veränderte.  

In den Werken dieser drei Fotografen – Freunde und Zeitzeugen zugleich – sieht man die Schrecken des Krieges, das Leid der Flüchtlinge, aber auch den fragilen Prozess des Wiederaufbaus. Ein gleichnamiges Buch, das auf den ausgestellten Fotografien basiert, befindet sich derzeit in Vorbereitung. Unterstützung ist möglich unter www.donio.cz. 

Weitere Informationen unter Leica Gallery Prag.
Katrin Ullmann
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