Stadt als Beute

Chris Yan

26. Mai 2025

In seinem Projekt Beijing Story begibt sich der Fotograf auf die Straßen der chinesischen Hauptstadt und fängt in seinen intensiven, eindrucksvollen Bildern die lebendige und farbenprächtige Atmosphäre seiner Umgebung ein.
Seine Heimatstadt Peking ist für den LFI.Gallery User Chris Yan ein stetig zu erkundendes, lebendiges Konglomerat aus Farbe, Menschen und Bauten. Die Aufnahmen bringen die Stadt in ihrer Vielfalt zum Leuchten - und erzählen von dem einen wichtigen Moment, den es festzuhalten gilt.

LFI: Was fasziniert Sie an der Street Photography?
Chris Yan: Street Photography ist für mich eine Art, die Welt zu beobachten. Sie weckt mein Interesse an allem, was mich umgibt. Sie ermöglicht es mir, mit schärferen Augen zu sehen, mit einem leidenschaftlicheren Herzen zu fühlen und die Freude am Leben wiederzuentdecken. Was mich an der Street Photography am meisten reizt, ist das Unbekannte und die Ungewissheit.

Inwieweit ist Peking die perfekte Stadt für Sie als Fotografen?
Peking bietet eine reiche Vielfalt an Motiven. Einerseits hat es eine mehr als 3000-jährige Geschichte und ist eine der Städte mit dem größten kulturellen Erbe der Welt. Andererseits ist es als Hauptstadt Chinas eine Stadt mit rasanter Entwicklung und schnellem Wandel. In Peking gibt es alte Straßen und neue Viertel, historische Gebäude und moderne Bauten, traditionelle Gegenden und Geschäftsareale. Gleichzeitig hat Peking eine große Fläche und eine Bevölkerung von mehr als 20 Millionen Menschen. Auf den Straßen Pekings kann man alle möglichen Leute treffen.

Wie entscheiden Sie sich für Ihre Motive?
Ich berücksichtige zwei Fragen, wenn ich die Motive auswähle. Erstens: Habe ich ein Interesse und eine starke Leidenschaft, dieses Motiv zu fotografieren? Zweitens: Ist dieses Motiv umfassend, und erlaubt es mir, es lange zu erforschen? Wenn ich fotografiere, bin ich wie ein Jäger, der auf der Straße nach Beute sucht. Normalerweise plane ich eine Route, bevor ich mich auf den Weg mache, und suche entlang dieser Route nach ihr. Manchmal ergreife ich die Initiative, unterhalte mich mit Leuten, die ich treffe, und halte sie dann fest. Manchmal verstecke ich mich und fotografiere unauffällig, ohne die Person zu stören. Und mitunter lauere ich und warte, bis eine interessante Person an einem bevorzugten Ort und in einer bevorzugten Umgebung auftaucht.

Wie ist es für Sie, mit der Leica-Kamera (M11, M-P) zu arbeiten?
Leica hat mein Verständnis von Fotografie und die Art, wie ich fotografiere, verändert. Eine Leica-Kamera kann alle meine Bedürfnisse erfüllen: Sie ist schnell, genau, hat eine hohe Qualität und bezaubernde Farben. Verschiedene Leica-Modelle und -Objektive bringen unterschiedliche Erfahrungen mit sich, was wirklich toll ist. Für mich ist das Besondere an der Leica-Kamera, dass sie wie ein Freund ist, mit dem ich mich sehr wohlfühle. Ich nehme sie immer mit, wenn ich ausgehe.
Katja Hübner
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Chris Yan
EQUIPMENT: Leica M11, Leica M-P (Typ240), Summilux-M 1:1.4/35 Asph., Summilux-M 1:1.4/50

Chris Yan+-

Portrait(Photo by Joyce Jiang)
© Joyce Jiang

1981 in Peking, China, geboren. Nach seinem Abschluss in Kunst und Design an der Communication University of China begann Chris Yan, in internationalen Werbeagenturen wie Dentsu, JWT und Leo Burnett als Art-Direktor und Creative Director zu arbeiten. Im Jahr 2013 gründete er sein eigenes Unternehmen, das sich auf kommerzielles Design und künstlerische Gestaltung konzentriert, und begann mit der Fotografie. In den letzten zehn Jahren hat er in verschiedenen Ländern fotografiert. Derzeit lebt und arbeitet er in Peking. Mehr

1/8
1/8

Stadt als Beute

Chris Yan