Vietnam, Unframed

Phong Nguyễn

24. März 2026

In seiner Serie erforscht der Fotograf den Rhythmus des vietnamesischen Alltags, jenseits stereotypischer Vorstellungen.
Die Arbeiterklasse Vietnams bildete sich ab den 1880er-Jahren im Zuge der kolonialen Industrialisierung unter französischer Herrschaft heraus. Mit der fortschreitenden Modernisierung hat sie sich stetig weiterentwickelt, und eine zunehmend autarke Mittelschicht strebte nach einem urbanen Lebensstil. Phong Nguyễn dokumentiert diesen Wandel, indem er das Leben auf Vietnams Straßen fotografisch festhält – im Mittelpunkt des Geschehens.

LFI: Was definiert Ihrer Ansicht nach den Alltag in Vietnam?
Phong Nguyễn: Das Alltagsleben in Vietnam ist durch einen Rhythmus aus Widerstandskraft und Harmonie geprägt. Es gibt ein Gleichgewicht zwischen zeitloser Tradition und rasanter Modernisierung, wobei der Duft von Räucherstäbchen am Familienaltar mit dem Geräusch der Motorroller koexistiert. Man beobachtet das morgendliche Ritual der Phở-Verkäufer, die noch vor Sonnenaufgang ihre Brühe zubereiten, und sieht konzentrierte Handwerker bei der Arbeit. Die Menschen leben mit Würde und Wärme.

Wie würden Sie die Arbeitsgesellschaft in Vietnam heute beschreiben?
Die Gesellschaft ist vor allem dynamisch, bescheiden und stolz. Sie trägt die kollektive Erinnerung an eine agrarische Vergangenheit und an die Härte des Vietnamkrieges. Beides hat ein außergewöhnliches Maß an Ausdauer und Ehrgeiz hervorgebracht. Heute treibt genau dies die Nation an – vom pulsierenden Rhythmus der modernen Städte bis zu den Kunsthandwerkern, die in Dörfern jahrhundertealte Traditionen bewahren. Es gibt ein Gefühl von Fortschritt, vom Aufbau einer Zukunft, das dennoch tief im Respekt vor Gemeinschaft, Familie und harter Arbeit verwurzelt bleibt.

Wie würden Sie ihren fotografischen Ansatz beschreiben?
Ich begegne den Menschen zuerst ohne Kamera und unterhalte mich mit ihnen. Sobald meine Leica zum Einsatz kommt, ist sie eine Erweiterung der Begegnung. Dazu arbeite ich fast ausschließlich mit vorhandenem Licht, um die Authentizität der Szene zu bewahren.

Was macht die Menschen in Vietnam für Sie so besonders?
Sie alle bilden das unsichtbare Rückgrat der Nation: Straßenverkäuferinnen, Bauern, Handwerker und selbst die spielenden Kinder. Ihre Geschichten erreichen selten die Schlagzeilen. Mit meiner Arbeit würdige ich sie, halte eine verschwindende Lebensweise angesichts der Globalisierung fest und erinnere an unsere gemeinsame Menschlichkeit.

Wie hat Ihre Leica Sie bei diesem Projekt unterstützt?
Ihr unauffälliges, kompaktes Design ermöglicht es mir, diskret zu arbeiten. Die außergewöhnliche optische Qualität der M-Objektive, insbesondere ihre Fähigkeit, Details und Texturen auch bei schwierigen Lichtverhältnissen darzustellen, war entscheidend. Sie ermöglichte es, die nuancierten Atmosphären von Straßenszenen und Innenräumen einzufangen. Meine Leica bringt mich dazu, bewusst vorzugehen und mich auf mein Gegenüber einzulassen – eine Fähigkeit, die für die humanistische Fotografie unerlässlich ist.
Eliza Trapp
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Phong Nguyễn
EQUIPMENT: Leica M11, Summilux-M 1:1.4/35 Asph, Leica Q3 mit Summilux 1:1.7/28 Asph

Phong Nguyễn+-

Der 1982 in Hanoi geborene Phong Nguyễn begann 2008, mit der Leica M8 zu arbeiten. Seit 2017 ist er Geschäftsführer des Leica Stores Vietnam und Leiter der Leica Akademie Vietnam. Als leidenschaftlicher Leica-Enthusiast und engagierter Fotograf verbindet er seine Begeisterung mit professionellem Handwerk. Sein laufendes persönliches Projekt Vietnam, Unframed erforscht den poetischen Rhythmus und den authentischen Geist des vietnamesischen Alltags. Er lebt und arbeitet in Hanoi. Mehr

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