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PORTFOLIO

15.06.2021

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Seit Yaghobzadeh als Elfjähriger eine Kamera in die Hand nahm und ihn sein Vater, der selbst Fotograf war, unter seine Fittiche nahm, beschäftigt er sich bald mit sozialdokumentarischen Themen. Er bereiste intensiv den Nahen Osten, Indien und Europa und arbeitete für unterschiedliche Zeitungen und Magazine. Kürzlich erschien sein neues Buch Territory, sein zweites Buch über die Konflikte in der Ukraine. Hier spricht er darüber, wie sich seine visuelle Ausdrucksweise verändert hat und warum er mittlerweile lieber an eigenen Projekten arbeitet.

LFI: Was ist für Sie die größte Herausforderung beim Fotografieren?
Rafael Yaghobzadeh: Die größte Herausforderung ist es, das beste Licht oder einen guten Winkel einzufangen. Vor ein paar Monaten habe ich angefangen, mit alten Kameras und Filmen zu fotografieren. Die größte Herausforderung bei diesen Geräten ist es, ein effizientes Bild und eine korrekte Entwicklung hinzubekommen.

Was ist Ihr visueller Ansatz für Ihre Themen?
Ich versuche, für jedes meiner Projekte eine eigene visuelle Sprache zu finden. Meine meisten Arbeiten sind Langzeitprojekte – daher habe ich meinen visuellen Ansatz normalerweise über die Jahre hinweg aufgebaut. Ich produziere viel für eine bestimmte Zeit, dann fange ich an, eine visuelle Erzählung aufzubauen, die dann als roter Faden fungiert. Außerdem sammle ich alle Arten von Dokumenten, die mit dem Thema zusammenhängen, und suche nach fehlenden Erzählsträngen in der Geschichte. Wenn ich zufrieden bin, kann ich über ein Protokoll nachdenken, um die verschiedenen Teile zu verbinden, zu kreuzen, zu teilen. Es ist alles eine Frage der Zeit und der Abstimmung.

Welche Art von Recherche betreiben Sie, bevor Sie Ihre Projekte beginnen?
Bevor ich ein Projekt beginne, recherchiere ich viel – ich schaue mir verschiedene Publikationen an und suche Inspirationen um und über das Thema. Ich versuche, die Vor- und Nachteile zu entdecken, um herauszufinden, wie, wofür, für wen und in welcher Zeit ich an diesem Projekt arbeiten möchte. Perfekt wäre es, wenn das Projekt zeitlos und universell sein kann – und wenn dann einige Redakteure daran interessiert sind, um an dem Projekt mitzuarbeiten, ist das ein guter Kickstart.

Welches Leica-System haben Sie verwendet?
Vor ein paar Jahren habe ich die M9 benutzt. Jetzt habe ich eine Leica M10 und eine Q, dazu eine M4 und eine M8. Als Objektive setze ich das Summilux-M 1:1.4/35 und 50 ein sowie das Elmarit-M 1:2.8/90. Diese Objektive sind Geschenke meines Vaters, der Fotograf ist. Er hat sie auf dem Schwarzmarkt in Bukarest gekauft, als er dort 1989 über die Revolution berichtete. Ich verwende Leica-Kameras gern wegen ihrer Diskretion, Einfachheit, Authentizität und Magie.

Was sollen die Betrachter aus Ihrer Arbeit mitnehmen?
Ich erwarte von den Betrachtern, dass sie eine Realität entdecken, die sie nicht jeden Tag sehen oder erleben. Da ich mich mit Geschichte beschäftige, möchte ich eine Erzählung finden, die neben atmosphärischen Aufnahmen und Landschaften auf Daten, Fakten und Porträts basiert, um das Thema besser zu veranschaulichen. Um den Betrachtern eine weitere Dimension zu geben, werden zur Veröffentlichung meines aktuellen Buches einige bedruckte T-Shirts zum Verkauf angeboten und es gibt eine Ausstellung von Fotogravuren.

Wohin geht Ihre nächste Reise?
Im vergangenen April habe ich an Aufträgen für die Zeitung Le Monde und an persönlichen Projekten im Libanon gearbeitet. Im Mai werde ich mein neues Buch Territory vorstellen, das bei Editions Nuit Noire erschienen ist. Es ist mein zweites Buch über meine Arbeit in der Ukraine. Außerdem arbeite ich gerade mit einem Verlag an einem Buch über den Alltag meiner Freunde im Zeitraum von 20 Jahren. Weitere Projekte sind in Arbeit – seit 2015 arbeite ich an einem Armenien-Projekt und seit 2019 an einem Libanon-Projekt. Außerdem möchte ich auf einer griechischen Insel ein neues Projekt beginnen. (Interview: Carla Susanne Erdmann)

Rafael Yaghobzadeh: Territory
Hard cover. Format: 20.5 x 28.5cm, 64 Seiten
Editions Nuit Noire

Alle Bilder auf dieser Seite: © Rafael Yaghobzadeh
Mein Freund Sylvain, 20, während der Silvesterparty am 31. Dezember 2010. Aus meinem persönlichen Projekt über meine Freunde von 2002 bis 2021
Blick aus einem Fenster auf eine Demonstration gegen die libanesische Regierung am 8. August 2020. Aus einer Reportage nach der Explosion im Hafen von Beirut
Tahani, die Frau von Naji Fliti, einem 40-jährigen Steinmetz und Vater von zwei Kindern, der am 1. Dezember 2019 erhängt in der Nähe seines Hauses in Ersal, an der Grenze zu Syrien, gefunden wurde. Aus einer Geschichte über die Witwen der Krisen im Libanon
Stromkabel im Beiruter Stadtteil Geitawi, 27. August 2020. Aus meinem aktuellen Projekt über den Libanon
Pro-russische Soldaten verstecken sich auf einem Friedhof in der Nähe der Stadt Slawjansk, Ost-Ukraine, 19. April 2014. Aus meinem Projekt über den Donbass von 2014 und 2019
Morgenstimmung am Stadtrand von Awdjewka, ein paar Kilometer von der Front entfernt, 16. Januar 2017. Aus einer Reportage über das tägliche Leben in der Nähe der Front in der Ostukraine
Eine Gruppe sudanesischer Migranten steht im Juni 2014 neben der Hafenfähre in Calais. Aus einem persönlichen Notizbuch über die Situation in Calais von 2014 bis 2017
Ein junges Paar tanzt in einer Pariser Bar in der Nacht vor dem ersten Lockdown, der am 14. März 2020 um Mitternacht einsetzte. Aus meinem Projekt über den Corona-Ausbruch in meiner Nachbarschaft
Zivilisten in einem Luftschutzbunker im Kulturzentrum von Martuni in Berg-Karabach am 1. Oktober 2020. Aus einer Reportage während des Konflikts in Berg-Karabach
Berge um den Latchin-Korridor, der Armenien mit Stepanakert in Berg-Karabach verbindet, 30. September 2020. Derzeit ist der Korridor unter Kontrolle des russischen Friedenskontingents. Aus einer Geschichte zum Konflikt in Berg-Karabach
© Michel Slomka

Rafael Yaghobzadeh

Geboren 1991 in Paris. Er studierte Geschichte an der Pariser Sorbonne. Im Jahr 2011 war er bei den arabischen Revolutionen vor Ort, bevor er über Volksaufstände und andere Konflikte in Europa und dem Nahen Osten berichtete. Drei Jahre später begann er, sich mit der Flüchtlingssituation in Calais, Paris und auf der Balkanroute zu beschäftigen. Seit 2014 dokumentiert Yaghobzadeh die Situation in der Ukraine. Zunehmend kombiniert er Formen des Schreibens und Dokumentarfilmprojekte mit der Fotografie. Von Paris aus arbeitet er regelmäßig für Medien wie Le Monde und Associated Press. Seine Arbeiten wurden bereits in Publikationen wie Libération, Der Spiegel, La Repubblica, Fisheye, Polka Magazine und anderen veröffentlicht.

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