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PORTFOLIO

07.05.2020

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Im Río Magdalena tauchen immer wieder Leichen auf, die die Fischer der nahegelegenen Dörfer mit ihren Netzen aus dem Fluss ziehen. Die Menschen in den Dörfern mussten sich mit diesem Phänomen, das nicht enden will, arrangieren und begannen, letzte Ruhestätten für die Toten zu errichten. In ruhigen und dennoch eindringlichen Bildern dokumentiert der Fotograf Felipe Romero Beltrán das Schicksal der Menschen am Fluss.

Man sagt, dass der Río Magdalena der „größte Friedhof in Kolumbien“ ist. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?
Felipe Romero Beltrán: Ich hörte diese Redewendung beinahe jeden Tag, als ich ein Kind war: in den Nachrichten, in meiner Familie, im Radio … Damals verstand ich noch nicht genau, was es bedeutete. Jahre später, im Jahr 2016, als das Friedensabkommen mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) unterzeichnet wurde, kam mir diese Wendung wieder in den Sinn; also begann ich einige Jahre lang zu recherchieren, was sich dort wohl zugetragen hat. Zunächst tat ich das, ohne Fotos zu machen, denn das Thema ist wirklich heikel und es ist schwierig, die Gegenden zu besuchen, in denen die FARC operierte. Im Jahr 2018 begann ich schließlich zu fotografieren.

Hatten Sie einen bestimmten fotografischen Ansatz im Sinn?
Ja, ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, wie ich mit diesem Thema umgehen soll. Es ist ein heikles Thema, nicht nur in der Region selbst, sondern im ganzen Land. Mit dem Guerillakrieg wollte ich mich zunächst gar nicht beschäftigen, aber das Friedensabkommen war ein historischer Moment speziell für meine Generation. Fotografisch gesehen wollte ich also ein sanftes Projekt machen, das sich damit beschäftigt, aber ohne all die expressiven Ausdrucksmittel des klassischen Fotojournalismus.

Was ist das Wichtigste, was Sie bei diesem Projekt gelernt haben?
Zunächst einmal habe ich viel über mein eigenes Land gelernt, und ich verstehe nun ein bisschen mehr von der Komplexität des Kriegs. Fotografie ist immer eine großartige Möglichkeit, um Themen tiefer zu ergründen. Das Projekt hat mich auch eine andere Herangehensweise an Gewalt und Krieg gelehrt. Ich bin mir der Krise des dokumentarischen Geschichtenerzählens in diesem Zusammenhang bewusst und konnte damit eine andere Sichtweise erscließen.

Interview: Danilo Rößger
Alle Bilder auf dieser Seite: © Felipe Romero Beltrán

Equipment: Leica Q2, Summilux 1:1.7/28 Asph

Mehr Informationen und ein ausführliches Portfolio finden Sie in der aktuellen LFI 4/2020.
© Felipe Romero Beltrán

Felipe Romero Beltrán

1992 in Bogotá geboren, lebt der Fotograf mittlerweile in Madrid und ist als Dokumentarfotograf tätig. Beltrán hat sich auf soziale, politische und zwischenmenschliche Themen spezialisiert, denen er neue Erzählperspektiven geben möchte. Aktuell arbeitet Beltrán an der Universität Madrid an seiner Doktorarbeit, die sich mit Dokumentarfotografie befasst.

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