Authentizität statt Filter

Mathieu Bitton

15. November 2024

Wie fängt man die wahre Seele eines Stars ein? Der Fotograf verrät seine Herangehensweise an Celebrity-Porträts.
Die Verbindung zwischen Fotograf und Model ist entscheidend – das beweist Mathieu Bitton bei jedem seiner Shootings. Seine Kombination aus technischer Präzision und psychologischem Gespür hat ihn zu einem der gefragtesten Celebrity-Fotografen gemacht, dessen Bilder durch ihre besondere Authentizität bestechen. Hier gewährt er Einblick in seine Arbeitsweise.

LFI: Was sind die wichtigsten technischen und kreativen Überlegungen, die Sie anstellen müssen, wenn Sie ein Model bei einem Fotoshooting anleiten?
Mathieu Bitton: Als Erstes muss ich dafür sorgen, dass sich die Person oder das Model bei mir wohlfühlt, also mache ich immer Witzchen und stelle ihr Fragen, stelle sicher, dass die Musik, die ich spiele, zur Stimmung passt, und finde heraus, was ihre Leidenschaften sind. Dann muss ich sicherstellen, dass das Licht und die Umgebung perfekt für die Aufnahme sind. Ich möchte zudem mindestens drei oder vier verschiedene Kameras bei mir haben, um unterschiedliche Looks zu bekommen. Wenn ich nicht im Studio bin und keinen Produktionswagen habe, nehme ich einfach drei Kameras und drei Objektive mit, die ich mir dann um den Hals hänge. Oft sage ich zu Beginn, dass ich erst einmal ein paar Probeaufnahmen mache. Sehr oft sind es dann genau diese, die letztendlich verwendet werden, weil die Person in dieser Situation noch nicht an die „Arbeit“ denkt, also daran, wie sie wann welche Pose einzunehmen hat.

Sie haben bereits zahlreiche Prominente aus der Film- und Musikbranche fotografiert. Wie schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre, die es selbst den meistfotografierten Berühmtheiten ermöglicht, neue Seiten ihrer Persönlichkeit zu offenbaren?
Ich glaube, das hat alles mit meiner Persönlichkeit, meiner Leidenschaft und meiner Bewunderung für wahres Talent und Kunstfertigkeit zu tun. Fast alle Stars geben mir das gleiche Feedback: Meine Leidenschaft für die Fotografie spiegelt sich in den Bildern wider, und sie sehen sich selbst in einem völlig neuen Licht. „Du hast mein wahres Ich eingefangen“ – das höre ich oft. Einige sagen sogar, dass sie sich unwohl damit fühlen, wie roh und echt die Fotos sind. Das liegt daran, dass sich Prominente normalerweise hinter Bildern verstecken und nur eine Persönlichkeit zeigen, die sie vollständig kontrollieren können. Ich bin ziemlich stolz darauf, dass ich diese Barriere durchbrechen kann. Zu guter Letzt neige ich auch generell dazu, mich den Menschen anzunähern, weil ich sie wirklich kennenlernen und verstehen möchte.

Heutzutage werden Promifotos meist stark bearbeitet und inszeniert. Ihre Bilder fallen durch ihre Natürlichkeit auf. Wie überzeugen Sie Ihre Models davon, sich von ihrer ungeschminkten, echten Seite zu zeigen?
Ich habe definitiv schon Situationen erlebt, in denen ein bestimmter Prominenter meine Fotos gepostet und sie mit iPhone-Apps wie Facetune selbst retuschiert hat. Das macht mich wahnsinnig! Wenn einem etwas im Gesicht oder an den Händen nicht gefällt, dann soll man mich einfach bitten, es zu korrigieren, und ich werde es in Betracht ziehen, wenn ich keine aufgeblasenen Filter verwenden muss. Wie Sie auf diesen Fotos hier sehen, verwende ich auch gern natürliche Effekte wie einen Kronleuchter oder ein Prisma, Trinkgläser oder irgendetwas in der Nähe, um einen surrealen oder verträumten Effekt zu erzielen. Ich habe nichts dagegen, offensichtliche Dinge aufzuhübschen, wie beispielsweise ein Haar, das jemandem über dem Auge oder der Nase liegt – das finde ich in Ordnung. Ich will nur nicht, dass die Person plötzlich wie eine Kardashian aussieht. Ich bin ein großer Verfechter der natürlichen Schönheit. Es kann heutzutage wirklich sehr schwer sein, die Leute davon zu überzeugen.

Haben Sie eine Lieblingsausrüstung oder ein Lieblings-Setup, mit dem Sie bei der Modelfotografie besonders gern arbeiten?
Ich habe immer meine M10 Monochrom und das 50er-Summilux oder -Noctliux dabei … für Mode-Editorials habe ich mit einer Kombination aus einer SL3 mit 24–90-mm- oder 50-mm-Objektiv und Profoto-Licht sehr glamouröse Ergebnisse erzielt.
Danilo Rößger
Stills entnommen vom Videomaterial von Gajan Balan

LFI 8.2024+-

Mathieu Bittons Paris Blues-Portfolio finden Sie im LFI Magazin 8.2024. Mehr

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Bitton
Mathieu Bitton

Der Fotograf ist einer der umtriebigsten Vertreter seiner Zunft. Nach der in Paris verbrachten Kindheit zog es ihn bereits im Alter von 14 Jahren in die Vereinigten Staaten, zuerst nach Los Angeles und vier Jahre später nach New York. Seine Leidenschaft für Kunst und Musik hat ihn zur Fotografie gebracht. Zu seinem Œuvre gehören Porträts, Lifestyle- und Reisebilder, doch sein Herz hat er an die Konzertfotografie verloren. Mehr

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