Buchtipp: Marilyn Monroe 100
Buchtipp: Marilyn Monroe 100
1. Juni 2026
Elliott Erwitt: Marilyn Monroe, New York 1954, © Elliott Erwitt LLC
Am 1. Juni jährt sich ihr Geburtstag zum 100. Mal – begleitet von unzähligen Büchern, Ausstellungen und Dokumentationen. Das Interesse am Phänomen MM scheint ungebrochen und wird bis heute mit immer neuen Aspekten befeuert. Selbst der Schmuck oder die Kleider leben von der Aura ihrer ehemaligen Trägerin, etwa wenn Kim Kardashian das „wohl berühmteste Kleid der Welt“ bei der Met Gala 2022 für ein paar Minuten vorführt, rauscht diese Geschichte durch alle medialen Kanäle. Handelte es sich doch um eine körperbetonende Hülle, die Marilyn Monroe am 19. Mai 1962 trug, als sie dem damaligen Präsidenten John F. Kennedy zu seinem Geburtstag gratulierte – wenige Monate vor ihrem Tod. Die erhaltenen Filmsequenzen dieses Auftritts – schwarzweiß, unscharf – ließen auch dieses Ereignis ikonisch werden. Und das Kleid zu einem für Millionen auktionierten Sammlerobjekt aufsteigen.
Um nachzuvollziehen, warum Marilyn Monroe noch heute diese mediale Präsenz hat, lohnt sich ein Blick in den aktuellen Bildband. Bevor der Bildteil die Entwicklungsgeschichte Monroes und unterschiedliche fotografische Wahrnehmungsweisen aufschlüsselt, bereiten drei einführende Texte grundsätzliche Fragestellungen zum Verhältnis von Bild, Öffentlichkeit und Wirkung erhellend auf. Es folgen 17 Portfolios von 16 Fotografen und nur einer Fotografin – auch das ein nicht zu übersehener Aspekt der Medien- und Rezeptionsgeschichte.
Mit den frühen Serien von André de Dienes und Joseph Jasgur beginnt der Bilderreigen, der mit den folgenden Serien von Bruno Bernard und John Florea die Perfektionierung eines Images vorführt und aus dem ambitionierten Nachwuchstalent die ikonische Figur – blondiert, sexualisiert, omnipräsent – werden lässt. Mit Eve Arnold wird dann eine Bildjournalistin präsentiert, die sich in ihren Porträts bewusst mit der Gratwanderung zwischen medialem Phänomen und verletzlicher Privatperson beschäftigt. Es folgen die Porträts, Celebrity-Motive und Bildinszenierungen von Philippe Halsman, Alfred Eisenstaedt, Elliott Erwitt, Milton Greene, Sam Shaw, George Barris, Cecil Beaton, Richard Avedon, Henri Cartier-Bresson, Bruce Davidson, Bert Stern und Allan Grant. Allein diese Aufzählung verdeutlicht das Who’s who berühmtester Fotografen des 20. Jahrhunderts, die mit ihren Aufnahmen die Karriere Monroes begleiteten, befeuerten und befragten.
Abgesehen von einem Wiedersehen mit großen Bildmotiven eröffnet der golden eingefasste Jubiläumsband eine überblicksartige Zusammenschau auf das kurze Leben Monroes, lässt umso mehr über die Macht von Bildern nachdenken und Fragen nach dem Wechselspiel von Öffentlichkeit, scheinbar intimen Fotoshootings, Klischees, Selbstermächtigung, Tragödie und Vermarktung aufscheinen. Mit fast 350 Seiten ein kompaktes Stück Foto- und Mediengeschichte, das eindrücklich belegt, warum Marilyn Monroe noch immer für Aufsehen sorgen kann.
Marilyn Monroe 100+-
Texte von Rachel Syme, David Wills, Louie Conway, Christian Siriano
Bildserien von 17 Fotografinnen und Fotografen
348 Seiten, 170 Schwarzweiß- und 88 Farbabbildungen
27 × 33 cm, Deutsch, Prestel
Elliott Erwitt: Marilyn Monroe, New York 1954, © Elliott Erwitt LLC
Joseph Jasgur fotografiert die jungen Norma Jeane für ihr erstes Modelportfolio, 1946, Joseph Jasgur © The Estate of Marilyn Monroe LLC
Sam Shaw: Marilyn Monroe in Roxbury, Connecticut 1957, © Shaw Family Archives Ltd
Cecil Beaton: Porträt Marilyn Monroe mit einem Vogel auf ihrer Hand, Cecil Beaton Archive © Condé Nast
John Florea: Ein Werbefoto von Marilyn Monroe als Lorelei Lee in Blondinen bevorzugt (1953), © Melanie Martinez Florea Trustee for John Florea Estate
Eve Arnold: Marilyn Monroe liest Ulysses von James Joyce, Mt. Sinai, New York 1952, © Eve Arnold Estate
Allan Grant: Marilyn Monroes letztes Fotoshooting, veröffentlicht in Life am 3. August 1962, dem Vorabend ihres Todes, © 1962 MM LLC