Zwischen Soundcheck, Backstage und Show
Zwischen Soundcheck, Backstage und Show
Klaus Richter
9. Juli 2025
LFI: Was fasziniert Sie persönlich an der Fotografie von Metal-Events?
Klaus Richter: Das Unbekannte übt eine magische Anziehungskraft auf mich aus: das Laute, das Düstere und das Unheimliche. Genau diese Kontraste machen Black Metal für mich faszinierend. Aus fotografischer Sicht stellt einen Black Metal jedoch vor echte Herausforderungen: enge Clubs, rotes Scheinwerferlicht, dicker Nebel und ständig bewegte Musiker.
Wie hat sich Ihr Interesse an der Rock- und Metal-Kultur entwickelt?
Ich bin in der Nähe von Düsseldorf groß geworden – damals wie heute ein Hotspot für gute Musik und ein Tummelplatz verschiedener Musiker. Seit Ende der 1960er-Jahre war ich in kleinen Clubs wie dem Creamcheese, dem Revolution und dem Ratinger Hof unterwegs. Angetrieben durch Jimi Hendrix, Frank Zappa und Kraftwerk erlebte ich hier in Düsseldorf aufregende visuelle Eindrücke. Ich fotografierte zahlreiche Bands in Schwarzweiß. Die Sex Pistols, The Clash, The Stranglers und The Damned erlebte ich in London, Dublin und Amsterdam, laut und voller künstlerischer Energie. Kurze Zeit später, als Metal mit Black Sabbath und Motörhead noch in den Kinderschuhen steckte, entschied ich mich, mich der ethnischen Musik verschiedener kleiner Regionen zu widmen.
Welche Eindrücke haben Sie seit den Sechzigern und im Laufe der Jahrzehnte innerhalb der Rock- und Metal-Szene gesammelt?
Die Sechziger waren geprägt von friedlicher, transzendentaler Hippiemusik sowie von hartem Rock, der mich beeinflusste. 2005 fand ich zum Metal zurück – nun schriller, brachialer und lauter, aber immer noch voller faszinierender visueller Reize. Auch das Publikum war weiterhin friedlich, wenn auch vornehmlich in Schwarz gekleidet. Leder, Nieten und martialisches Zubehör ersetzten die bunten Batikshirts, doch die Intensität blieb dieselbe.
Wie kam es zur Idee, ein umfassendes Buchprojekt über die Metal-Szene zu realisieren?
Die Idee zu diesem neuen Werk entstand, als während der Corona-Pandemie sämtliche Veranstaltungen ausfielen. Statt durch die Republik zu den Bühnen zu reisen, unternahmen wir eine Zeitreise durch die letzten zehn Jahre. Wir sortierten und katalogisierten Tausende Fotos, schwelgten in Erinnerungen, Eindrücken und Geschichten. Aus ursprünglich zwei geplanten Themenbüchern wurden vier Bände, die zusammen einen Würfel von 25 × 25 × 25 cm ergeben. Jeder Band umfasst 666 bebilderte Seiten, gedruckt in hochwertigem Digitaldruck auf leicht mattem Papier und mit robuster Fadenheftung. Der kunstlederne Umschlag mit silbernem Totenkopf verleiht jedem Buch die passende Aura.
Welche Herausforderungen bringt das Arbeiten in dieser energiegeladenen Atmosphäre mit sich – und welche Rolle spielt dabei Ihre Leica?
In entscheidenden Momenten muss die Kamera sofort funktionieren, und ich muss schnell reagieren. Ich studiere die Akteure zunächst genau, um dann vorausschauend eine Bildserie zu fotografieren. Meine Lieblingskamera ist die zuverlässige Q2. Der große Vorteil: Sie wirkt auf die Künstler nicht bedrohlich. Sie lassen mich bis auf wenige Zentimeter an sich heran. Wie der Frontmann von Ellende einmal sagte: „Ich kenne keinen Fotografen, der so nah an mich herankommt.“ Mit meiner SL2 und SL3 bin ich vor oder seitlich von der Bühne unterwegs. Ich bezeichne mich eher als „Foto-Jäger“ denn als „Foto-Grafen“. Ich bin ein stiller Beobachter, der den richtigen Moment abpasst.
Klaus Richter+-
Klaus Richter ist seit den 1960er-Jahren mit seiner Kamera fester Bestandteil der Rock- und Metal-Szene. Seine Leidenschaft für Musik und Fotografie mündete in ein einzigartiges Buchprojekt: vier Bildbände, die bewusst nicht käuflich zu erwerben sind, sondern als persönliches Zeitdokument ein Sammelsurium an Erinnerungen und Momentaufnahmen aus der Geschichte der Rock- und Metal-Welt darstellen. Ab August sind alle vier Bände in einer Ausstellung im Rock’n’Popmuseum in Gronau zu sehen. Mehr