Off-Season

Hannah Agel

30. Mai 2025

Im März 2025 reiste die Fotografin und LFI-Mitarbeiterin Hannah Agel mit einer Leica R6 nach Kreta. Auf Analogfilm fotografierte sie die Ruhe der Insel vor den trubeligen Sommermonaten.
In der Flughafenhalle von Heraklion ist es still, als ich ankomme, nur ein paar Katzen schleichen umher. Die letzten Kilometer meiner Autofahrt auf dem Weg zu meiner Unterkunft entlang einer steilen Serpentinenstraße sind im Dunkeln eine echte Herausforderung. Die Berge hier sind so hoch, dass ich durch die Wolken fahre.

Die Leica R6, die ich für diese Reisereportage vom Leica Store Hamburg ausgeliehen habe, ist eine robuste analoge Kleinbild-Spiegelreflexkamera aus den 1980er-Jahren. Sie ist schlicht in ihren Bedienelementen und verfügt dennoch über alles, was man braucht. Die Kostbarkeit des Analogen und das manuelle Fokussieren sorgen dafür, dass ich besonders konzentriert und ausgewählt fotografiere.

Meine Zeit auf Kreta beginnt mit dem Feiertag Kathara Deftera. Es ist der erste Tag der griechisch-orthodoxen Fastenzeit. Die Geschäfte bleiben geschlossen, die Menschen verbringen den Tag mit der Reinigung ihrer Häuser, mit großen Fastenessen, und sie lassen Drachen steigen: Die fliegenden Chartaetos symbolisieren den Beginn des Frühlings und das Ende des Winters. Auch in Tsoutsouros, einem kleinen Ort am Libyschen Meer südlich von Heraklion, verfolgen ein paar wenige Familien am Strand mit ihren Drachen diese Tradition, und abends schallen bis spät in die Nacht griechische Klassiker in die Berge hinein.

Hier im Süden ist die Insel viel rauer, als ich erwartet hatte. Die meisten Menschen arbeiten als Bauern und Hirten, meist unterwegs in alten Pick-ups. Die einsamen Landstraßen, die sich durch die Landschaft ziehen, haben stets einen schneebedeckten Berg in der Flucht. Ganz Kreta erscheint abseits der Städte geisterhaft leer, Bauarbeiten bereiten die Ferienunterkünfte darauf vor, dass ab April wieder die jährlich rund fünf Millionen Touristen auf die Insel strömen. Ein Eis am Stiel sucht man hier zu dieser Jahreszeit vergebens, die Kühltruhen sind entweder abgeschaltet oder gefüllt mit unterschiedlichen Sorten von gefrorenem Tintenfisch.

Einige Tage sind heiß, andere so stürmisch, dass das Mittelmeer braust. Ständig gibt es Regenbögen zu sehen, und Sprühregen fliegt durch die Luft. Die Naturgewalten sind hier so deutlich spürbar, dass es naheliegend ist, dass viele Mythen und Sagen über Götter und andere magische Geschöpfe auf der Insel entstanden und beheimatet sind. Immer wieder steigt Rauch auf, in großen Feuern werden die Äste der gestutzten Olivenbäume verbrannt, zwischen denen gerade der Raps blüht. Es herrscht eine österliche Stimmung, junge Lämmchen und Zicklein springen umher. Die Wiesen sind bedeckt mit Wildblumen, Tag für Tag erblühen neue Arten und tauchen sie in neue Farben. Nach vier Wochen auf der Insel fliege ich zurück nach Hamburg. Im Gepäck: fünf Überraschungen in Form von Filmrollen und unzählige Eindrücke.

Wieder angekommen, kann ich die Entwicklung meiner Filme kaum erwarten. Als ich die Scans erhalte, freue ich mich sehr, alle Bilder sind korrekt belichtet und scharf – auf die R6 ist Verlass! Die Fotografien erstrahlen in satten Farben und mit einer sanften Wärme, ganz wie Kreta selbst.
Text und Fotos: Hannah Agel
EQUIPMENT: Leica R6, Leica Summicron-R 1:2/35

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Hannah Agel

Geboren 1992 in Bad Oldesloe. 2018 bis 2020 Ausbildung zur Produktfotografin, 2021 Weiterbildung zur Meisterfotografin, ab 2022 Studium des Kommunikationsdesigns an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Seit 2025 Mitarbeiterin bei LFI.
Natur, Stillleben, Stimmung und Atmosphäre sind zentrale Themen in Hannah Agels Arbeit. Oft in sphärischem Licht und satten Farben eingefangen, zeigen ihre Fotografien zarte Momente und formulieren Pathos. Wie auch in der Fotografie arbeitet sie in ihren konzeptionellen, multimedialen Projekten häufig mit analogem Material. Hannah Agel lebt und arbeitet in Hamburg. Mehr

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