Blood, Bruises, Broken Bones

John Anthony Rizzo

16. Januar 2026

Vor 50 Jahren begleitete der Fotograf seinen Jugendfreund, den Profi-Wrestler Kevin Sullivan, zu mehreren Kämpfen. Die Atmosphäre dort ließ ihn nicht mehr los und ist in seinen Bildern hautnah spürbar.
Das Wrestling in den 1970er-Jahren sei ein erschwingliches Bingospiel mit Helden gewesen, sagt John A. Rizzo. Seine Schwarzweißaufnahmen von den Kämpfen im Nordosten der USA erzählen von einer rauen, theatralischen Welt und von der Möglichkeit, dem Alltag für einen kurzen Moment ekstatisch zu entfliehen.

LFI: Was fasziniert Sie am Wrestling?
John A. Rizzo: Anfangs kam die Faszination wohl durch die Neugier, die mein Freund Kevin Sullivan, ein Profi-Wrestler, in mir geweckt hat. Ich fragte mich: „Was macht er eigentlich? Worum geht es dabei?“ Es war aufregend, die Wrestler zu treffen, die ich jeden Samstag im Fernsehen gesehen hatte. Kevin stellte mir nicht nur einige der Stars vor, sondern er ermöglichte es mir auch, am Ring zu stehen – so nah wie möglich am Geschehen. Ich war sofort fasziniert von der Choreografie, dem Schweiß, der Action, den Körpern und der Athletik. All das fügte sich zu einem unglaublichen Mosaik zusammen: real, viszeral und abstrakt wie Kunst; alles war so fotogen. Ich wusste, dass ich fotografieren musste! Alles! Von der Action und den Wrestlern bis hin zu den Fans und der Kultur – die Banalität des Sports. Ich liebte es, nah dran zu sein, um die Formen, die durch die Unbeweglichkeit der Körper entstanden, einzufangen. Ich wollte die Fans und ihre Emotionen, Gesichter und Schreie dokumentieren. Ich war süchtig!

Wie war die fotografische Arbeit für Sie?
Es war körperlich anstrengend, manchmal sehr anstrengend und schnell. Fast immer ein Adrenalinstoß und ein Hochgefühl der Zufriedenheit. Die fantastische Kamera, die Leica M, war ein Teil von mir, das perfekte Instrument für diese Aufgabe. Und es gab mir einen Energieschub, sie zu halten und zu fokussieren – es war unglaublich, die Action und den Blitz durch den Sucher zu sehen. Die M2 und das Leitz 28-mm-Objektiv bildeten zusammen mit dem zuverlässigen Braun RL 515 Strobe die perfekte Kombination. Die Kamera gab mir Kraft.

Wrestling ist auch heute noch sehr beliebt. Was hat sich seit Ihrer Serie in den 1970er-Jahren verändert?
Heute geht es um das Spektakel, die Unterhaltung und die Verehrung der Stars. Um die Zugänglichkeit für den Normalbürger und den Übergang des Wrestlings in die Filmindustrie mit Stars wie The Rock und John Cena. Damals ging es um Geld! Das hat sich verändert. Wrestling war eine Veranstaltung oder Sportart für normale Arbeiter, erschwinglich und zugänglich auf kleinerer, lokaler Ebene. Ein Bingospiel mit Action und Helden. Einfach gesagt, es war schwarz und weiß, gut und böse, gewinnen oder verlieren: die Banalität des Lebens, angereichert mit Helden und Eroberungen. Für die Fans bot es einfache Spannung und eine Rechtfertigung für das Leben, in dem die Dinge unsicher, sogar schwierig sein können.

Vor welchen Herausforderungen steht ein „Sportfotograf“ bei Motiven, die ständig in Bewegung sind?
Die Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge abspielen. Das Vorausahnen lernen. Ich bin der Meinung, dass die Digitalkamera einige große Vorteile bietet – allein die ISO-Empfindlichkeit und der Dynamikumfang sind bedeutende Verbesserungen.

Was aber bedeutet analoge Fotografie für Sie heute noch, im Zeitalter des digitalen Wandels?
Analoge Fotografie ist wie ein guter, gereifter Wein, ein schöner Barolo oder Pinot Noir, voller Textur und Nuancen. Man könnte sagen, dass Vintage-Arbeiten mit der Zeit immer mehr an Wert gewinnen. Sowohl Wein als auch Vintage-Schwarzweißsilbergelatineabzüge haben etwas Sinnliches an sich. Ich bin dankbar, dass ich mit Film und einer einfachen Kamera gute Arbeit leisten konnte. Trotzdem bin ich ein großer Fan und überzeugter Anhänger der digitalen Ära der Fotografie. Ohne Frage ermöglicht sie die Erstellung der bestmöglichen Bilder. Die Kameras der Leica M-Digitalserie sind die perfekte Verbindung zwischen der analogen und der digitalen Welt – ich liebe es, meine M11 zu benutzen. Ich würde heute nichts anderes für meine Arbeit wählen. Es war eine großartige 50-jährige Verbindung zwischen mir und den Kameras der M-Serie.
Katja Hübner
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © John Anthony Rizzo
EQUIPMENT: Leica M2, Elmarit-M 1:2.8/28 Asph

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© Junius Beebe III

Der Kunst- und Dokumentarfotograf begann seine Karriere in Boston, wo er Fotografie studierte und unterrichtete. Nach seinem Umzug nach Portland, Oregon, arbeitete er als Werbe- und Redaktionsfotograf. Im Laufe der Jahre hat er unter anderem die Massachusetts Artist Residency der Merce Cunningham Dance Company und das professionelle Wrestling fotografisch begleitet. In Portland gründete er die Ars Nova Gallery und war Mitbegründer und künstlerischer Leiter der Obscura Gallery. Seine Fotografien wurden u. a. im Griffin Museum of Photography, in der 555 Gallery und in der Black Box Gallery ausgestellt. Heute lebt Rizzo abwechselnd in Lincoln, Massachusetts, und Barbaresco, Italien. Er unterrichtet, hält Vorträge und ist Jurymitglied bei Ausstellungen. Mehr

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