Entlang der Bruchlinien

12. November 2025

Bis zum 16. November 2025 ist in der vhs-photogalerie in Stuttgart die Ausstellung Mutterland von Michel Kekulé zu sehen.
Die von Bettina Michel kuratierte Ausstellung zeigt eine fragmentarische, dokumentarische Arbeit, in der Michel Kekulé die gesellschaftlichen und persönlichen Bruchstellen erkundet, die die deutsche Wiedervereinigung in der ostdeutschen Provinz hinterlassen hat. Auch mehr als 35 Jahre nach dem Mauerfall sind die Folgen dieses Umbruchs noch spürbar.
 
Die Arbeit nähert sich einem Landstrich, in dem sich Spuren der Transformation eingeschrieben haben – und sucht zugleich in der Vergangenheit nach Antworten. Sie bewegt sich zwischen gesellschaftlicher Aufarbeitung und einer intimen Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte des Fotografen.
 
Mutterland ist keine Verklärung des Vergangenen, keine Romantisierung eines untergegangenen Staates. Es ist der Versuch, das zu fassen, was im Übergang nicht verschwindet, sondern sich verlagert. Eine Spurensuche nach den Frakturen im Osten, deren Nachklang jetzt erst hörbar wird. Was bleibt, ist das Bild: als Beweis, als Behauptung von Gegenwart. Michel Kekulés fotografische Arbeit ist geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen und eröffnet Einblicke in unterschiedliche Lebenswelten.
Katrin Ullmann
© Michel Kekulé
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