The Strangers

Bas de Graaf

6. Dezember 2024

Über den Rock ’n’ Roll in Tokios Straßen:In Japan hat der Fotograf Angehörige der Rockabilly-Szene porträtiert.
Der niederländische Fotograf fotografiert seit mehr als 20 Jahren das, was ihm in Japan besonders ins Auge sticht. Im Stadtteil Harajuku waren das tanzende und feiernde Rock ’n’ Roller, die sich The Strangers nennen und sich immer sonntags im Yoyogi Park in der Nähe der U-Bahn-Station Harajuku treffen. Für seine Serie The Strangers wählte de Graaf einen konzeptuellen Ansatz. Er fotografierte die Protagonisten immer mit dem selben Ausschnitt.

LFI: Verraten Sie uns, welche Art von Leuten Sie dort fotografiert haben?
Bas de Graaf: The Strangers ist eine Rockabilly-Gruppe (Roller-zoku) aus Tokio, Japan. Jeden Sonntagnachmittag treffen sie sich am Eingang des Yoyogi-Parks in der Nähe des Bahnhofs Harajuku und treten dort auf. Es handelt sich um eine eingeschworene Gruppe von Freunden in Rock-’n’-Roll-Kostümen mit Pomade-Frisuren, die Rock ’n’ Roll tanzen, Bier trinken und Spaß haben. Die Gruppe gibt es bereits seit 34 Jahren.

Offensichtlich haben Sie sich auf eine spezielle Kulturszene konzentriert, können Sie diese beschreiben?
Das erste Mal, dass ich The Strangers auftreten sah, war vor 20 Jahren. Jeden Sonntagnachmittag versammelten sich verschiedene Kultgruppen zwischen Harajuku und Shibuya am Yoyogi-Park. Gothic Lolitas (Harajuku-Mädchen), Bands, Solokünstler und Breakdancer kamen und traten auf. So auch die Rock-’n’-Roll-Gruppe The Strangers. In den letzten Jahren sind die anderen Subkulturen verschwunden oder haben sich verlagert, aber die Rockabillies sind jeden Sonntag da, egal ob Regen oder Sonnenschein. Ich habe immer versucht, sonntags dort zu sein, um sie auftreten zu sehen. Ich mag Subkulturen, auch wenn es nicht mein Stil ist. Die Leidenschaft, die sie für etwas haben, ist etwas Besonderes und Einzigartiges.

Im Gegensatz zu Ihrer Reportageserie Blinded by the Sun ist die Serie The Strangers sehr konzeptionell. Alle Bilder sind Dreiviertelporträts. Warum haben Sie dieses Format gewählt?
Da ich aus dem Grafikdesign komme, fotografiere ich gern im Hochformat. Automatisch drehe ich meine Kamera um ein Viertel. Vielleicht denke ich unbewusst bereits in Buchform.

Wo haben Sie die Serie fotografiert?
Auf meinen Reisen nach Japan habe ich mehrere Nebenprojekte in Angriff genommen. Dies war eines davon, inspiriert von Richard Avedons Werk In the American West. Indem man die Figuren aus ihrer Umgebung herauslöst, legt man den Fokus auf Details. Diese Details sind so wichtig. Ein Taschentuch oder ein Kamm in der Tasche, eine Zigarettenschachtel in der Lederjacke. Die Frisur, eine Halskette, solche Bilder kann ich mir eine ganze Weile anschauen. Die Fotos wurden im Yoyogi-Park aufgenommen, an dem Ort, an dem sie sich sonntags treffen. Im Hintergrund spannte ich ein weißes Laken. Innerhalb einer halben Stunde habe ich sie porträtiert, und sie haben gleich weitergetanzt.
Carla Susanne Erdmann
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Bas de Graaf
EQUIPMENT: Leica M10, Summicron-M 1:2/50

LFI 8.2024+-

De Graafs Portfolio Blinded by the Sun finden Sie im LFI Magazin 8.2024. Mehr

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BAS_DE_GRAAF_BW (c) Janine Koopman
© Janine Koopman

Geboren 1968 in Nimwegen. Als Fotograf ist Bas de Graaf Autodidakt, in den 1980er-Jahren assistierte er der Fotografin Suki Langereis. Als hauptberuflicher Grafikdesigner gestaltet er heute Logos und Verpackungen. De Graaf ist großer Manga-Fan und darüber hinaus fasziniert von der japanischen Kultur und den dortigen Trends. Ein Bildband mit dem Titel Blinded by the Sun zum Thema Japan ist in Planung. De Graaf lebt und arbeitet in Amsterdam. Mehr

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