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BUCHTIPP

15.09.2020

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Skateboarden verschafft Selbstvertrauen. Eindrücklich vermittelt das der britische Film Learning to Skateboard in a Warzone (!If! You’re a Girl), der 2020 bei der Verleihung der Academy Awards den Oscar für den besten Kurz-Dokumentarfilm gewann. Vorgestellt wird die Arbeit der NGO Skateistan, die an einer Mädchenschule auch Skateboarden unterrichtet. Skateboarden ist populärer denn je und scheint im Mainstream angekommen. So hätten in diesem Jahr erstmals während der Olympischen Spiele in Tokio auch Skateboarder aus der der ganzen Welt um Medaillen gekämpft. Pandemiebedingt werden sie nun vermutlich im nächsten Jahr ihre Fähigkeiten messen.

Dass das Skateboard selbstverständlich durchaus auch weiblich besetzt ist, belegt der beachtliche neue Bildband der US-amerikanischen Fotografin Jenny Sampson und räumt gleichzeitig ein paar Vorurteile zur Seite, die den vermeintlichen Jungs-Sport begleiten. Dass sie für ihre Bilder wieder mit Ferrotypien in alter Nassplatten-Kollodium-Technik arbeitet, verleiht den Motiven gleichzeitig aus fotografiehistorischer Sicht eine zusätzliche spannende Ebene, denn gerade in der Frühzeit der Fotografie galt das neue Medium ebenfalls als rein männliche Angelegenheit.

Bereits vor drei Jahren veröffentlichte die in Berkeley, Kalifornien, arbeitende Fotografin ein Buch über Skater, männliche wie weibliche, nun konzentriert sie ihren Blick ganz auf die Skaterinnen. Die Idee zu Skater Girls entstand schon während der Arbeit am ersten Buch, als Sampson mehr und mehr skateboardende Mädchen in den Parks auffielen. „Ich habe 2010 begonnen, Skateboarder zu fotografieren. Im Laufe vieler Jahre habe ich nur wenige Mädchen und Frauen gesehen. Wenn ich sie traf, war ich so glücklich, es war, als hätte ich einen seltenen Vogel in freier Wildbahn erspäht“, berichtet die Fotografin. „Ich hoffte, ihre Aufmerksamkeit zu erhalten, denn ich dachte ‚Ich bin doch auch ein seltener Vogel, als Frau mit diesem ganzen Foto-Equipment; sie müssen mich bemerken‘.“ Aber es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis ihr Projekt Fahrt aufnahm und sie im Skatepark von Emeryville den richtigen Anschluss fand – und das gleich mit einer erfreulich großen Gruppe von Skaterinnen: „Das war ein Wendepunkt für mich. Ich erlebte eine unerwartete Verwandtschaft. Ich wollte ihre Sichtbarkeit erhöhen und diese Mädchen und nichtbinären Menschen feiern, die beim Skaten Geschlechterrollen niederreißen.“ Über ein gut verzweigtes Netzwerk lernte Sampson immer mehr Skaterinnen kennen und so entstand der Bildband mit lebendiger Skater-Girl-Power: „Ich bewundere ihren respektvollen und klugen Kampf um einen Platz in der Welt“, so Sampson.

Selbstbewusst schauen die Porträtierten in die Kamera der Fotografin. Die Bilder wirken zeitlos, denn obwohl deutlich Logos und Modeaccessoires unserer Tage im Bild sichtbar sind, verschleiert die Technik der Nassplatten-Kollodium-Fotografie die aktuelle Entstehungszeit. Bereits 1851 eingeführt, ist der Herstellungsprozess noch immer enorm aufwendig, müssen die mit Lack- oder Asphalt beschichteten Metallplatten doch unmittelbar nach der Belichtung in einem mobilen Labor fixiert werden. „Das Verfahren und die Eigenschaften des Verfahrens sind magisch und ergeben ein atemberaubend schönes, einzigartiges und manchmal eindringliches Bild“, so Sampson. 60 dieser großartigen Motive sind jetzt in dem Bildband zu entdecken.
(Ulrich Rüter)

Jenny Sampson, Skater Girls, 96 Seiten, 60 Schwarzweißabbildungen, 17,8 x 22,9 cm, englisch, Daylight Books; mit einem Vorwort von Cindy Whitehead und Texten von Becky Beal und Jenny Sampson.
Daylight Books
Amelia, Seattle, 2019
Devan, Los Angeles, 2018
Kandice, Los Angeles, 2018
Yulin, Los Angeles, 2018
Lucia, Oakland, 2018

Jenny Sampson

Jenny Sampson ist in San Francisco geboren und aufgewachsen. 1991 erwarb sie am Pitzer College einen B.A. in Psychobiologie und widmet sich seither ihrer fotografischen Tätigkeit: Nassplatten-Kollodium, traditionelle Schwarzweißfotografie und Auftragsporträts. Sie ist Mitglied des Kollektivs The Rolls and Tubes Collective. Ihre erste Monografie Skaters wurde im Oktober 2017 bei Daylight Books veröffentlicht. Sie lebt in Berkeley, Kalifornien.


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