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15.05.2016

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Eine Stadt droht zu verschwinden. Einst hat die Mine hoch in den Anden der spanischen Krone Silber geliefert, nun vergiftet sie die Bewohner von Cerro de Pasco und reißt ihnen den Boden unter den Füßen weg. Tomas van Houtryve hat die Ausmaße dieser Katastrophe festgehalten. Ein Blick auf die Situation in der 70.000-Einwohner-Stadt, von deren Existenz bald nur noch Bilder zeugen werden.

Die ganze Reportage sehen Sie im M Magazin No. 4.


Wie haben Sie die Stimmung in Cerro de Pasco wahrgenommen? Waren die Menschen verzweifelt aufgrund der sich ausbreitenden Mine oder froh darüber, Arbeit zu haben?

Die Beziehungen der Menschen zur Mine sind sehr komplex und vielseitig. Allgemein kann man sagen, dass junge Männer es schwer haben, einen Job zu finden und die Mine ist ein großer Arbeitgeber. Wie überall auf der Welt sind die Menschen von ihrem Lohn abhängig und gerade in den ländlichen Gebieten Perus sind Arbeitsplätze selten. Auf der anderen Seite sind besonders Mütter um das Wohl ihrer Kinder besorgt. Das Bewusstsein über die Gefahren von Bleivergiftungen setzt sich aber nur langsam durch, während die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, allgegenwärtig ist. Schwangere Frauen hören oft erst während der Arztbesuche von den Gefahren oder sie erkennen erst, dass es ein Problem mit ihrem Kind gibt, wenn es in der Schule zurückfällt. Die Auswirkungen betreffen nicht jedes Kind gleichermaßen. Manche Kinder sind nicht betroffen. Einige Eltern denken, dass das Geld es Wert ist und hoffen zu den Glücklichen zu zählen, deren Kinder keine Probleme bekommen. Bei anderen Familien wurden gefährlich hohe Bleiwerte festgestellt und erst das hat zu einem Umdenken über die Mine und die Stadt geführt.


Warum nehmen die Menschen es in Kauf, in Cerro de Pasco langsam vergiftet zu werden, anstatt in die neue Siedlung Villa Pasco umzuziehen?

Die Häuser, die in Villa Pasco für die Umsiedlung der Bevölkerung von Cerro de Pasco gebaut wurden, sind extrem klein und schlecht gebaut. Die Menschen nennen sie Rattenlöcher. Für die meisten Bürger würde ein Umzug nach Villa Pasco bedeuten, in ein kleineres Haus umzuziehen. Und da die Siedlung nie wirklich fertig gestellt wurde, sind viele der Häuser verlassen und es gibt weder Handel noch Handwerk. Schon etwas zu Essen zu kaufen oder einen Nebenjob zu finden ist schwierig.


Wie haben die Menschen es aufgenommen, fotografiert zu werden? Waren sie offen und froh darüber, dass ihre Geschichte erzählt wird? Oder verschlossen und peinlich berührt?

Viele Menschen fühlen sich von der Bergbaugesellschaft eingeschüchtert und fürchten Repressalien, wenn sie über die Probleme sprechen, die die Mine mit sich bringt.
Wandgemälde thematisieren die Feinstaubbelastung. In Cerro de Pasco ist die Bedrohung durch die Mine allgegenwärtig
Kinder auf einem Spielplatz im Stadtteil Paragsha. Die Nachbarschaft grenzt direkt an die Deponie der Mine. Meterhoch türmen sich die Berge von kontaminierten Grubenabfällen. Der Wind trägt den Feinstaub in die Stadt, viele Bewohner leiden an Bleivergiftungen
Nelsi Nieto Aguirre lebt mit ihrer Familie in Villa Pasco. Sie sind einige der wenigen, die dem Aufruf zur Umsiedlung in den Ort gefolgt sind. Ihr Vater pendelt täglich die 15 Kilometer zur Mine
© Brian Sokol

Tomas van Houtryve

Tomas van Houtryve studierte zunächst Philosophie. Nach seinem Abschluss wandte er sich dem Fotojournalismus zu. 2010 wurde er Mitglied der Agentur VII. 2012 erschien sein erstes Buch: Behind the Curtains. 2013 begann van Houtryve das Projekt Blue Sky Days. Für diese Arbeit wurde van Houtryve 2015 u. a. mit dem ICP Infinity Award ausgezeichnet und belegte einen zweiten Platz beim World Press Photo Award. Van Houtryve lebt in Paris.

www.tomasvh.com
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