16° Fische. Retrospektive

Walter Schels

16. Juni 2026

Vom 20. Juni bis zum 2. September 2026 präsentiert C/O Berlin im Amerika Haus die Retrospektive des Hamburger Fotografen.
Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Dokumentation und Transformation, formaler Strenge und Experimentierfreude: in fast sieben Jahrzehnten hat Walter Schels ein vielschichtiges und immer wieder überraschendes Lebenswerk entwickelt. In mehr als 300 Arbeiten sind anlässlich des 90. Geburtstages seine Bildwelten nun in Berlin zu entdecken.

Seit den späten 1960er-Jahren bewegt sich Schels zwischen dokumentarischer und künstlerischer Fotografie. Die Präsentation beginnt mit seinen frühen Leica-Aufnahmen aus dem Alltagsleben New Yorks, die seinen Weg zur Fotografie vorstellen. In der Folgezeit wurde Schels vor allem durch seine Schwarzweiß-Porträts in charakteristisch reduzierter Bildsprache bekannt. In Langzeitstudien und Porträtserien wie Blind, Noch mal leben oder trans* widmet er sich Grundfragen menschlicher Existenz, beschäftigt sich mit Präsenz und Wahrnehmung, mit Identität und existenziellen Übergängen. Schels richtet den Blick auf den unverstellten Ausdruck – von den Gesichtern Neugeborener bis zu Hundertjährigen, von bekannten Persönlichkeiten bis zu unbekannten Menschen, von Tieren bis hin zu Pflanzenstudien. Die Ausstellung lädt ein, die Serien in der Zusammenschau mit dem anderen, parallel entstandenen, jedoch nie gezeigten Werken neu zu lesen.

Der Ausstellungstitel 16° Fische verweist auf Schels’ Geburtskonstellation. Zum Zeitpunkt seiner Geburt stand die Sonne im Tierkreiszeichen Fische bei 16 Grad. Für den Künstler ist dies eine poetische Selbstverortung, die sich mit Eigenschaften wie Sensibilität und Intuition verbindet und sein Interesse am Menschen und an existenziellen Fragestellungen widerspiegelt. Walter Schels versteht seine Arbeit immerals offenen Prozess. Transformation erscheint sowohl als inhaltliches Motiv als auch als künstlerische Methode. Mit Übermalungen, Solarisationen und Collagen überschreitet er die Grenzen der Fotografie ins Malerische – bis hin zu aktuellen abstrakten Arbeiten, in denen er unmittelbar mit Fotochemikalien und Pflanzenfragmenten arbeitet und die Materialität des fotografischen Prozesses selbst zum Bildgegenstand macht.
Ulrich Rüter
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Walter Schels

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© Walter Schels

Wurde am 7. März 1936 als jüngstes von sechs Kindern in Landshut geboren. Nach der Ausbildung zum Schaufensterdekorateur arbeitete er von 1957 bis 1965 in Barcelona, Kanada und Genf, bevor er nach New York zog. 1970 kehrte er zurück nach Deutschland und fotografierte für Illustrierte, Modemagazine und Werbung. Als freier Fotograf wurde Schels vor allem durch seine Charakterstudien bekannt. Mit derselben Intensität porträtierte er viele Jahre lang auch Tiere.  Für die mit seiner Frau, der Journalistin Beate Lakotta, erarbeiteten Serie Noch mal Leben, die Hospizpatientinnen und -patienten vor und nach deren Tod zeigt, gab es zahlreiche Auszeichnungen. Schels lebt und arbeitet seit 1990 in Hamburg. Mehr

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