Von Berlin nach New York

25. November 2025

Noch bis zum 15. Februar 2026 ist im Museum für Fotografie in Berlin die Ausstellung Rico Puhlmann. Fashion Photography 50s – 90s zu sehen.
Da sind sie wieder, die deutschen Super-Mannequins der 1950er- und 1960er-Jahre: Gitta Schilling, Gloria Friedrichs oder Bettina Lauer, die in ihrer Zeit vor Berliner Stadtkulissen elegant mit „Berliner Chic“ in Szene gesetzt wurden. Auf den ersten Blick ähnliche Inszenierungen wie die der Berufskolleginnen und -kollegen F.C. Gundlach, Regi Relang, Hubs Flöter oder später Charlotte March oder Helmut Newton. Doch anders als der zuletzt Genannte, ging es Puhlmann (1934–1996) nie um Tabubruch oder Skandal. Seine Aufnahmen sind dynamisch, werden später noch sportlicher und die von ihm fotografierten Models wirken lebensnah realistisch. Das gilt vor allem für die zweite Phase seines Berufslebens: 1970 zog er nach New York City, baute sich auch hier rasch eine neue Karriere auf, fotografierte u.a. Cindy Crawford, Naomi Campell oder Jerry Hall für Magazine wie Vogue, Harper’s Bazaar, Glamour oder fand Bildideen eines neuen Männerbildes für das Magazin GQ.
 
Die Ausstellung zeichnet den Weg Puhlmanns in allen Facetten nach, vom Berliner Mode-Illustrator zum gefragten internationalen Fotografen, der auch Filme drehte und bei seinen Aufenthalten in seiner Heimatstadt beim vom Sender Freies Berlin produzierten Modejournal im Fernsehen als Moderator zu Gast war. Er brachte den „American Look“ nach Europa, präsentierte Einflüsse und Trends von Pop-, aber auch Subkultur. Er blieb ein Mode-Aficionado und Botschafter zwischen den USA und Europa. Tragischerweise verlor der Fotograf bei einem Flugzeugabsturz bei Long Island 1996 sein Leben. Sein Werkarchiv wird seitdem von seinem jüngeren Bruder Klaus Puhlmann betreut, der selbst als Modell auf einigen Exponaten zu entdecken ist. Die bisher größte Ausstellung zum Werk Puhlmanns, fast dreißig Jahre nach seinem Tod, ist mehr als nur Mode- und Fotografiegeschichte: anhand der breiten Palette von ergänzenden Zeichnungen, Presse- und Bildmaterial wird die sorgfältig kuratierte Schau zu einer Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sehr passend zu dem fortwährenden Revival und Retrolooks aktueller Modeinszenierungen.
 
Der umfangreiche begleitende Katalog ist bei Kettler erschienen.
Ulrich Rüter
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