Café du Cycliste
Café du Cycliste
Anja Niemi
27. März 2026
LFI: Können Sie uns Einblick geben, wie Sie Ihre persönlichen Arbeiten gestalten?
Anja Niemi: Filme waren für mich schon immer eine Quelle der Inspiration und haben meine Herangehensweise an das Geschichtenerzählen mitgeprägt. Ich verwende oft Erzählweisen, die bewegten Bildern ähneln, aber keinen klaren Anfang oder kein Ende haben und in der Regel ohne Dialoge oder Musik auskommen – ähnlich wie ein langsamer Stummfilm. Am Anfang steht immer die erste Idee, die ich erst einmal skizziere. Dann beginne ich, Requisiten zu sammeln und Drehorte zu suchen, die für die Umsetzung der Figur unerlässlich sind. Ich habe einen kleinen Schuppen neben unserem Haus, den ich zu einem Studio umgebaut habe. Er ist voller alter, geschichtsträchtiger Gegenstände, die alle auf die eine oder andere Weise in eine Story einfließen oder einfließen könnten. Dort sammeln sich dann immer mehr Kleidungsstücke, Gegenstände und Stoffe an, und der Ort näher sich langsam meiner Figur. Sobald alles fertig ist, nehme ich alles mit, um die Fotos zu produzieren.
Welche Idee steckt hinter der Serie für Café du Cycliste?
Sie hatten das Konzept Play für ihre SS25-Linie, bei der spielerische Elemente in den Kontext der Fahrradbekleidung integriert wurden. Sie wollten, dass die Bilder verspielt sind und sich nicht nur um das Radfahren drehen, was mich auf die Idee brachte, Pferde mit in die Produktion zu nehmen.
Wie bereiten Sie sich im Gegensatz zu Ihren persönlichen Projekten auf Auftragsarbeiten vor; und wie entwickeln Sie dafür Ihr Konzept?
Jedes Projekt und jeder Kunde ist anders. Momentan arbeite ich an einem Auftrag für einen Schmuckkünstler – eine sehr persönliche Zusammenarbeit, bei der wir versuchen, unsere beiden visuellen Welten miteinander zu verschmelzen. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, mehr über jemanden zu erfahren, indem man sich die Objekte ansieht, die er liebt, und lernt, was hinter seiner Arbeit steckt, was in der Regel viel mehr ist, als das, was sich auf den ersten Blick erschließt. Kürzlich habe ich auch eine Kampagne für die Norwegische Nationaloper produziert, wobei ich die Vorgaben sehr frei interpretieren konnte. Sie kannten meine Arbeit und wollten, dass ich etwas aus meiner Perspektive für sie schaffe. Andere Kunden haben schon vor Beginn einen festeren Plan. In diesem Fall versuche ich, ihren Ausgangspunkt zu verstehen. Dann dreht sich alles um Gespräche und den Austausch von Ideen.
LFI 2.2026+-
Das Portfolio A Naturalist Guide to Magic der Fotografin finden Sie im LFI Magazin 2.2026. Mehr
Anja Niemi+-
Geboren 1976 in Haugesund, Norwegen. Die visuelle Künstlerin studierte am London College of Printing und an der Parsons School of Design in New York. Ihre Werke wur-den international ausgestellt, darunter bei Photo London, -AIPAD, Fotografiska, Stockholm und Tallinn, MAAT, Lissabon, Musée des Arts Décoratifs, Paris, und Des Moines Art Center, Iowa. Kürzlich erschien ihre fünfte Monografie A Naturalist Guide to Magic. Mehr