Lichträume
Lichträume
Torsten Andreas Hoffmann
29. Mai 2026
LFI: Was verbinden Sie mit den Lichträumen, und wie ist die Idee zu diesem Projekt entstanden?
Torsten Hoffmann: Ich interessiere mich schon seit vielen Jahren für die japanische Zen-Philosophie und praktiziere diese Meditation täglich 20 Minuten. Ich wollte einen Weg finden, meine Erfahrungen und Gedanken dazu in Bilder zu übersetzen. Der Kerngedanke ist, dass die Wirklichkeit, wie wir sie mit unseren fünf Sinnen erleben, nur ein kleiner Ausschnitt des großen Ganzen ist. Ich versuche, mit diesen Bildern die sichtbare Wirklichkeit ein Stück weit in Unschärfe aufzulösen und etwas Größeres, Transzendentes zu schaffen.
Ihre farbstarken Arbeiten wirken fast wie Gemälde und unterscheiden sich stark von Ihrer Schwarzweißfotografie. Wie hat sich Ihr Stil in diese Richtung entwickelt?
Ich habe mich nie auf einen einzigen Stil festgelegt. So arbeite ich auch weiter in Schwarzweiß als Street- und Architekturfotograf, oder mit Bildpaaren, wie bei meiner Serie Architecture Follows Nature. Bei der Serie Lichträume ging es mir tatsächlich darum, Malerei mit der Kamera zu entwickeln. Ich habe vor vielen Jahren einmal Malerei studiert und bin heute noch ein „verkappter“ Maler. Schließlich gelten für die Fotografie die gleichen gestalterischen Gesetze wie für die Malerei. Mich reizt es immer wieder, jenseits der klassischen Fotografie etwas Neues auszuprobieren.
Architektur erscheint in Ihren Arbeiten als abstraktes Konzept. Was interessiert Sie an diesem Blick auf Räume und Formen?
Bei dieser Serie nutze ich die Architektur als Grundlage meiner malerischen Gestaltung, meist suche ich Orte mit farbigen Häusern, achte auf besondere Lichtstimmungen und gestalte so im wahrsten Sinne des Wortes Lichträume. Diese Räume sind auch auf der Bildfläche von besonderem Licht durchtränkt. Die Bilder erschließen sich am leichtesten, wenn man sie nicht in Begriffe übersetzt, sondern sie kontemplativ betrachtet.
Wie entstehen Ihre Bilder konkret?
Meist stelle ich mir die Bildkomposition schon bei der Vorbereitung vor. Ich arbeite mit einem Neutraldichtefilter, der das Objektiv abdunkelt und mich zu längeren Belichtungszeiten auch am Tag führt. Dann wähle ich mir einen geeigneten Ort bei möglichst magischem Licht aus und bewege die Kamera auf meine Weise während der Belichtung.
Welches Equipment haben Sie verwendet?
Seit 2018 arbeite ich mit der kleinen Leica CL und seit letztem Jahr mit der Leica SL3 – damit fotografiere ich noch präziser.
Torsten Andreas Hoffmann+-
Der Fotograf ist Autor von mehr als 25 Büchern. Er studierte Kunstpädagogik mit Schwerpunkt Fotografie an der HBK Braunschweig. Fotoreisen führten ihn u. a. nach Indien, Indonesien, Mexiko, Nepal, in die Türkei, die USA, die Sahara und die Vereinigten Arabischen Emirate. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt und errangen zahlreiche Auszeichnungen. Er lebt in Goslar und bei Frankfurt am Main.
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