Skulpturale Landschaft

20. März 2026

Die Heuwiesen im Nordosten Rumäniens gehören zu den letzten Orten in Europa, an denen Heu noch von Hand gemäht und mit traditionellen Techniken zu hohen Stapeln aufgeschichtet wird. In ihrer Serie halten die Fotografen Kunst und Schönheit der Tradition fest.
Das gemeinsame fotografische Projekt Rumäniens Heuhaufen – eine verschwindende Landschaft der Artenvielfalt erzählt von einer der letzten Formen der traditionellen Landwirtschaft in Europa: Heuwiesen werden in den Bergregionen im Nordosten Rumäniens von Hand gemäht und zu über drei Meter hohen Heuhaufen aufgeschichtet. Leider jedoch nimmt diese Praxis rapide ab und führt zum Verlust einer Agrarlandschaft, die für den Erhalt von Ökosystemen von Bedeutung ist.

LFI: Was erzählen uns die Heuhaufen über Tradition – und wie sieht ihre Zukunft aus?
Federico Borella/Michela Balboni: Heuhaufen erzählen die Geschichte einer Beziehung zur Landschaft, die auf gemeinschaftlicher Zusammenarbeit basiert – jeder Heuhaufen ist das Ergebnis kollektiver Arbeit. Ob sie überleben werden, hängt davon ab, ob kleine Familienbetriebe auch für die nächste Generation noch sinnvoll sind. In vielen Teilen des ländlichen Rumäniens sind Heuhaufen Teil einer Landschaft, die von Saison zu Saison von Hand gestaltet wird. Seit Jahrhunderten mähen die Menschen das Gras mit Sensen, trocknen es langsam in der Sonne und stapeln es zu skulpturalen Kegeln. Aber wenn junge Leute in die Städte abwandern und die industrielle Landwirtschaft Einzug hält, bricht dieser Rhythmus zusammen.

Inwieweit handelt es sich bei Ihrem Projekt um ein gesamtgesellschaftliches Problem?
Es handelt sich in hohem Maße um ein gesellschaftliches Problem. Was in diesen Dörfern geschieht, spiegelt einen umfassenderen Wandel wider, der das ländliche Europa betrifft. In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der in der Landwirtschaft Tätigen drastisch zurückgegangen, und die jüngeren Generationen verlassen die Berggebiete. Wenn das traditionelle Mähen aufgegeben wird, verfallen die artenreichen Wiesen schnell. Das Verschwinden der Heuhaufen ist ein Zeichen für wirtschaftliche Marginalisierung, demografischen Wandel und eine veränderte Wertschätzung des Bodens.

Sind Ihre Bilder eine Reminiszenz an die Vergangenheit?
Unsere Bilder sollen die Vergangenheit nicht romantisieren, wir wollen die Gegenwart dokumentieren, die noch sichtbar, aber fragil ist. Mit unseren Aufnahmen wollten wir ein lebendiges System von Arbeitsumgebungen zeigen, in denen Menschen, Tiere und Jahreszeitenrhythmen noch einer wechselseitigen Logik folgen, die zunehmend verschwindet. Die Bewahrung eines kulturellen Erbes ist schwierig, weil sie untrennbar mit den wirtschaftlichen Bedingungen verbunden ist. Man kann eine Tradition nicht schützen, wenn diejenigen, die sie pflegen, nicht davon leben können.

Wie war die Arbeit mit der Kamera für Sie?
Wir haben uns mit dem Leica SL-System sehr wohlgefühlt. Seine Zuverlässigkeit im Einsatz war entscheidend, insbesondere in abgelegenen Gebieten, wo ein Ausfall der Ausrüstung keine Option ist. Der elektronische Sucher bot eine klare und präzise Sicht, die es uns ermöglichte, unter wechselnden Lichtverhältnissen präzise zu arbeiten, und die hervorragende Dateiqualität gab uns die Flexibilität und Tiefe, die wir in der Postproduktion benötigten.
Katja Hübner
Alle Bilder auf dieser Seite: © Federico Borella und Michela Balboni
EQUIPMENT: Leica SL2-S, Leica SL, Vario-Elmarit-SL 1:2.8/24–70 Asph

LFI 2.2026+-

Find Borella's Portfolio about Soviet Koreans in Uzbekistan in LFI Magazine 2.2026. Mehr

Federico Borella+-

Federico Borella portrait
© Michaela Balboni

Nach dem Abschluss in Literatur und Mesoamerikanischer Archäologie an der Universität Bologna absolvierte Borella einen Master in Fotojournalismus an der John Kaverdash Academy in Mailand. Er konzentriert sich auf soziale und ökologische Themen und veröffentlichte u. a. in der New York Times, National Geographic und dem Time Magazine. 2024 wurde seine Reportage über Menschen und Elefanten in Sri Lanka mit dem „Picture of the Year“ ausgezeichnet. Mehr

Michela Balboni+-

Die freiberufliche Fotografin untersucht in ihrer Arbeit die Beziehung zwischen Essen, Menschen und Orten; dabei kombiniert sie Auftragsarbeiten mit visuellen Erzählprojekten für u. a. den Spiegel, Politiken, Geo, WePresent und den Michelin Guide. Mehr

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