Das Leben am Meer

Dan Baker

24. April 2026

In seinem atmosphärischen Küstenprojekt bewegt der Fotograf sich an britischen Stränden und fängt die Routinen und Fragmente des Alltags ein.
Dan Baker verbringt seine Zeit im britischen Seebad Cleethorpes und den umliegenden Gemeinden. Dort sind über ein Jahrzehnt hinweg die Serien Bright Dull Days, By the Sea und Summer of Distance als Teil eines fortlaufenden Projekts entstanden. Im Interview spricht er über seine Faszination für Strände und das Leben an der Küste.

LFI: Wie fangen Sie menschliche Interaktionen fotografisch ein?
Dan Baker: Ich arbeite stets mit verschiedenen Perspektiven. Manchmal bin ich eher ein passiver Beobachter und warte darauf, dass sich zufällige Kompositionen ergeben. In anderen Momenten bin ich aktiv im Zentrum des Geschehens, in der Hoffnung, die Essenz des Chaos einzufangen. Auch Porträts fertige ich ungestellt und aus der Situation heraus an. Viele dieser Momente sind flüchtig, daher reagiere ich ad hoc.

Wie würden Sie das Leben an der Küste beschreiben?
Es hat etwas Freies und ist gleichzeitig repetitiv – dieses Wechselspiel begeistert mich sehr. Die gleichen Routinen spielen sich immer wieder ab, geprägt vom Wetter, den Jahreszeiten und den verschiedenen Generationen von Besuchern, die alle ihre eigenen Emotionen mitbringen. Britische Küstenstädte tragen oft sehr sichtbare Spuren der Vergangenheit, gezeichnet durch die Witterung, die die Fassaden der Gebäude verändert – wie ein verblasster Glamour, der zugleich widerstandsfähig ist. An der Küste findet sich eine Mischung aus Vergnügen, Ausdauer und Nostalgie.

Was ist Ihnen am wichtigsten, wenn Sie am Meer fotografieren?
Ich fotografiere lebendig und atmosphärisch. Licht, Farbe, Abstände und Timing spielen dabei eine große Rolle. Ich möchte Bilder schaffen, die eine Stimmung tragen und die Betrachtenden dazu einladen, etwas länger bei ihnen zu verweilen. Ich möchte, dass sich die Fotografien visuell durchdacht anfühlen. Selbst wenn der Bildausschnitt sorgfältig komponiert ist, sollte er dennoch die Lockerheit und Unvorhersehbarkeit des echten Lebens beibehalten. Ich greife dabei auf viele Inspirationen zurück, beziehe mich aber oft auf einen abstrakten Expressionismus – wie den von Helen Frankenthaler. Sie hat mit sanften, ineinander übergehenden Farbtönen gearbeitet. So hat selbst ein überquellender Mülleimer Potenzial als Motiv – wenn man ihn richtig in Szene setzt.

Welches Equipment haben Sie verwendet?
Ich habe dieses Projekt überwiegend mit der Leica M10 fotografiert, kombiniert mit Festbrennweiten, insbesondere einem Summicron-M 1:2/35 Asph, das meinen eigenen Blick stärkt und mir hilft, direkt und intuitiv zu arbeiten. Ich schätze den Purismus des Systems und die Möglichkeit, nah am Akt des Beobachtens zu bleiben.
Eliza Trapp
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Dan Baker
EQUIPMENT: Leica M10, Summicron-M 1:2/35 Asph, Summilux-M 1:1.4/35 Asph, Elmarit-M 1:2.8/28 Asph

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Dan Baker
© Dan Baker

Der britische Fotograf befasst sich mit Atmosphäre, Erinnerung und dem Alltagsleben entlang der Küste. Seine Langzeitprojekte im Bereich der Küstenfotografie konzentrieren sich auf die subtilen Rhythmen britischer Städte am Meer und balancieren Nostalgie, Stille und menschliche Präsenz. Neben persönlichen fotografischen Projekten arbeitet er professionell in der kommerziellen Fotografie und bringt in beiden Bereichen ein starkes Gespür für Farbe, Licht und visuelle Tonalität ein. Er strebt danach, filmische Bilder zu schaffen, die die Realität widerspiegeln. Mehr

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