Johatsu
Johatsu
Federico Borella
27. März 2019
„Seit 1990 haben fast 100.000 japanische Staatsbürger beschlossen, zu verschwinden, um ein neues Leben zu beginnen. Tatsächlich verschwindet keiner dieser Menschen physisch; diese „Verflüchtigung“ ist eher auf die Identität bezogen. Es handelt sich um Menschen jeden Alters, sowohl Männer als auch Frauen, die sich spurlos und heimlich von der Gesellschaft verabschieden, nie gefunden werden und Geheimnisse und besorgte Familien hinterlassen.
Johatsu-Fälle scheinen in den späten 1960er Jahren entstanden zu sein, begünstigt durch den japanischen Film A Man Vanishes von 1967, in dem ein Mann abrupt verschwindet und seinen Job und seine Verlobte zurücklässt. Dieser Prozess ist nicht so kompliziert, wie es vielleicht scheint: Im Untergrund von Tokio gibt es eine Schattengesellschaft und -wirtschaft, die darauf wartet, diesen verlorenen Seelen zu helfen und ihr Verschwinden zu organisieren - vom Bewegen ihrer Sachen in der Dunkelheit der Nacht bis hin zur Löschung aller Beweise für ihre Existenz.“
Bild: © Federico Borella
Equipment: Leica Q
Federico Borella+-
Nach dem Abschluss in Literatur und Mesoamerikanischer Archäologie an der Universität Bologna absolvierte Borella einen Master in Fotojournalismus an der John Kaverdash Academy in Mailand. Er konzentriert sich auf soziale und ökologische Themen und veröffentlichte u. a. in der New York Times, National Geographic und dem Time Magazine. 2024 wurde seine Reportage über Menschen und Elefanten in Sri Lanka mit dem „Picture of the Year“ ausgezeichnet. Mehr