Buchtipp: The Stillness of Life
Buchtipp: The Stillness of Life
24. November 2025
Ein wunderschöner Tauweiher in meinem Dorf mit einem seltsamen Himmel, Somerset
Die ebenfalls in The Stillness of Life gezeigten Landschaften stammen aus McCullins gesamter Karriere – von frühen Fotografien des industriellen Nordens Großbritanniens über Indien und Afrika bis hin zu neueren Bildern, die näher an seiner Heimat aufgenommen wurden. Die Aufnahmen, die ein metallisch-gleißendes Licht, tief hängende Wolken und kahle Bäume betonen, vermitteln ein Gefühl von Dunkelheit und Trostlosigkeit – so, als ob der Fotograf die Folgen einer Schlacht betrachten würde. Alle Personen im Bild erscheinen zufällig und tragen lediglich zur Komposition bei – und stehen damit im größten Gegensatz zu den dokumentarischen Porträts, dramatischen Szenen und Menschenbildern, für die McCullin in seiner langen Karriere vor allem bekannt wurde.
Sir Don McCullin wurde am 9. Oktober 1935 in London geboren. Nach seinem Militärdienst begann er, als Fotograf zu arbeiten und wurde in den folgenden Jahrzehnten zu einem der bekanntesten britischen Bildjournalisten. Er war für die großen britischen Zeitungen und internationale Magazine tätig, berichtete über einige der gewalttätigsten Konflikte des 20. Jahrhunderts, darunter aus Vietnam, Biafra, Bangladesch, dem Libanon, Nordirland und in jüngerer Zeit aus dem Irak und Syrien. Er wurde vielfach ausgezeichnet. 1993 wurde er zum Commander of the Order of the British Empire ernannt und in den Adelsstand erhoben; 2017 erfolgte die Ernennung zum Knight Bachelor für seine Verdienste um die Fotografie.
In beiden Genres des neuen Bildbands, den Stillleben und den Landschaften, zeigt sich ein meisterlicher Umgang mit dem Licht. McCullins schwarzweiße Motive leben von ihrer sensiblen Gestaltung – ob Zartheiten der Textur der Oberflächen bei den Objekten oder den Flächenkontrasten bei den Landschaften. Immer geht es ihm in den präzisen Objektarrangements und den Landschaften um die Schönheit des Alltäglichen, um die Zeitlosigkeit seiner ästhetischen Vision. Doch diese Bilder zeigen noch mehr: Sie geben Einblicke in die eher private Fotografie McCullins. Denn diese Aufnahmen waren und wurden von ihm als eine Art Therapiemöglichkeit gesehen. Sie spendeten ihm Trost und bildeten einen Rückzugsraum, um die von ihm dokumentierten Schrecken, Kriege, Hungerkatastrophen und die erlebten Traumata zu verarbeiten. Es sind Reflexionen über die schmerzhaften Erfahrungen und die ihn verfolgenden Erinnerungen – überführt in eine Vision der Stille, in eine deutlich harmonischere Sphäre als die der Realität. Eine Gabe für sich selbst zum 90. Geburtstag und ein großes Geschenk für die Welt.
The Stillness of Life+-
112 Seiten, 58 Schwarzweißabbildungen
28 × 36 cm, Englisch
Gost Books
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