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18.04.2018

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Im Westen der USA fand Ende März bereits zum vierten Mal das Speed Project statt, ein Staffellauf, bei dem Sportler aus der gesamten Welt nonstop von Los Angeles bis Las Vegas rennen. Die Strecke führt über 550 Kilometer über Asphalt und Sand, quer durch die Wüste, von Großstadt zu Großstadt. Olaf Heine, der das Event bereits im letzten Jahr für die LFI 04.2017 dokumentiert hat, war auch in diesem Jahr wieder dabei. Dieses Mal hat er sich jedoch auf die Einzelschicksale und persönlichen Motivationen der Teilnehmer konzentriert. Von diesem faszinierenden Kaleidoskop unterschiedlicher Charaktere stellen wir an dieser Stelle einige vor.

Alle Bilder auf dieser Seite © by Olaf Heine
Lukas Kellner, Berlin, Deutschland, vom Team Kraftrunners am Santa Monica Pier (Kilometer 1), 30. März um 4.00 Uhr
Nach seinem Abitur nahm Lukas (28 Jahre) ein Sportstipendium an und wurde zum professionellen Athleten ausgebildet. Aufgrund des dortigen Konkurrenzdenkens stieg er jedoch kurz vor seiner Olympia-Nominierung wieder aus und entschied sich für eine Ausbildung an der Universität. Durch die Berliner Kraftrunners entdeckte er seine Liebe zum Rennen wieder. Der Tod seiner Großmutter und seines Vaters innerhalb kurzer Zeit motivierte ihn, am Speed Project teilzunehmen. Lukas ist hier mit einem Foto seines verstorbenen Vaters zu sehen, dessen Geburtstag an diesem Tag – dem Starttag des Rennens – gewesen wäre.
Mikkel Nielsen, Kopenhagen, Dänemark, vom Team RunForceOne auf der Soledad Canyon Road (Kilometer 88), 30. März um 10.40 Uhr
Mikkels Geschichte handelt davon, in Kombination mit seinem Lieblingssport, dem Laufen, Brücken zu bauen und Grenzen auszutesten. Alles begann im Jahr 2010, als sich der 32-Jährige bei einem Fußballspiel einen Bänderriss zuzog. Von einem Tag auf den anderen gingen seine Motivation, seine Hingabe und die Freundschaften in der Umkleidekabine und auf dem Platz in die Brüche. Nach einer Operation schaffte er es, sein Knie so zu trainieren, dass er langsam wieder laufen konnte. Obwohl er die Kameradschaft in der Fußballmannschaft vermisste, hielt seine Leidenschaft für das Rennen an. Nachdem er 2014 seinen ersten Marathon in Kopenhagen bestritten hatte, fand er neue Freunde bei den Runners of Copenhagen (!NBRO!). Mit seiner Teilnahme am Speed Project testet er sich nun erstmals an einen Ultra-Staffellauf heran. Er liebt dieses Konzept, weil es die Menschen zusammenschweißt und sie dazu bringt, alles zu managen: Vom Schlafmangel, schmerzenden Körperteilen bis hin zu den emotionalen Achterbahnen.
Dave Proctor, Calgary, Kanada, vom Team TSPYYC, auf dem Palmdale Blvd (Kilometer 145), 30. März um 13.40 Uhr
Dave (37 Jahre) gilt als Eliteläufer und Allrounder. Er hält zahlreiche kanadische Ultramarathon-Rekorde und wird in diesem Sommer versuchen, zu Fuß den Geschwindigkeitsrekord auf dem 7200 Kilometer langen Trans-Canada-Highway zu brechen, der derzeit bei 66 Tagen liegt. Antrieb dafür gibt ihm sein 9-jähriger Sohn Sam, der rezidive Enzephalopathie mit zerebellärer Ataxie hat. Vereinfacht ausgedrückt, hat er mit Einschränkungen bei grundlegenden Bewegungen zu kämpfen. Daves Mission und Leidenschaft ist es, Grenzen zu überschreiten, Unmögliches möglich zu machen und dringend benötigte Forschungsgelder für die Rare Disease Foundation aufzubringen, um Familien, in denen solch seltene Krankheiten auftreten, zu helfen.
Mary Kate Callahan, Chicago, USA, vom Team Strava auf der El Mirage Road (Kilometer 154), 30. März um 15.10 Uhr
Die meisten Leute benutzen ihre Beine, um voranzukommen. Für Mary Kate Callahan (22 Jahre) sind es ihre Arme, die sie vorwärtsbringen. Sie ist Rollstuhlfahrerin und gelähmt, seitdem sie fünf Monate alt ist. Sie findet es erstaunlich, dass es unter Läufern eine so starke Verbindung existiert, durch das, was der Sport für Körper und Geist tut – ganz gleich, auf welche Art und Weise man rennt. Egal, ob sie beim Ironman die Ziellinie als Repräsentant der USA überquert oder Kindern in Usbekistan das Laufen beibringt – dieser Sport trug sie bereits an viele Orte der Welt, hat ihr viel über das Leben beigebracht und die Bekanntschaft mit vielen bemerkenswerten Menschen ermöglicht.
Dr. Alyx Ulbrich, Okinawa, Japan, von Team Fire Power Runners auf der Main Street in Barstow (Kilometer 235), 30. März um 18.50 Uhr
Der Abschluss der Highschool mit 15 öffnete Alyx (30 Jahre) die Türen der Freiheit ein wenig zu weit: Nach einer Abwärtsspirale von vier Jahren, einer Blitzheirat, hohem Alkoholkonsum und einer ganzen Liste falscher Freunde fand sich Alyx im Gefängnis wieder.
In dem kleinen Garten des Gefängnisses lief sie täglich stundenlang in winzigen Kreisen bis zu 80 Meilen. Es benötigte ein tägliches Pensum von 500 Kniebeugen, 300 Klimmzügen und 100 Pull-ups, um den Staat Wyoming davon zu überzeugen, dass Frauen Zugang zum Krafttraining bekamen. Kurz darauf begann sie Gruppen- und Einzeltrainings zu leiten.
Nach ihrer vorzeitigen Haftentlassung wusste sie, dass sie Abstand von den alten „Freunden“ nehmen musste. Sie begann in einem örtlichen Fitnessstudio zu trainieren, radelte, rannte und entschied sich, Triathlon zu machen. In Kalifornien verliebte sie sich in den sonnigen Himmel, die schönen Strände und ihren zukünftigen Ehemann. Er war ein Marinesoldat, der sie anspornte, ihr Training auszuweiten.
Nach der Hochzeit beschlossen beide, an Ultramarathons teilzunehmen. Alyx promovierte, gründete eine Lauf- und Wandergemeinschaft für mehr als 1000 Teilnehmer und veranstaltete fast täglich kostenlose Läufe mit bis zu 50 Teilnehmern. Derzeit wohnt sie in Okinawa, Japan. Ihre freien Tage nutzt sie nun für genau das, wonach sie sich all die Jahre hinter Gittern gesehnt hat: Schweiß auf ihrem Gesicht, Wind in ihren Haaren und die Freiheit, zu rennen wohin sie will.
Victoria Lo, San Francisco, USA, vom Team Deathsquad am Zzyzx Dry Lake Bed (Kilometer 330), 31. März um 12.50 Uhr
Victoria (32 Jahre) wurde als Kind ständig gehänselt, weil sie übergewichtig, schusselig und allgemein einfach keine Sportskanone war. Während der gesamten Schulzeit trug sie Spitznamen wie „Wal“ oder „dicke Kuh“, bis sie als 18-Jährige auf die Universität ging. Um Gewicht zu verlieren, stärker zu werden und es ihren Peinigern zu beweisen, begann sie schließlich zu rennen. Ganz klassisch hat sie sich nach einer schwierigen Trennung für ihren ersten Marathon angemeldet und es gefiel ihr so sehr, dass sie anfing Ultramarathon zu laufen. Für sie ist das Laufen eine Sache des Glaubens – ironischerweise bezeichnet sie ein Rennen, das den ganzen Sonntag dauert, als „Kirche“. Laufen ist für sie eine funktionale Bewegung, die ihr dabei hilft, ihren Geist neu zu starten. Victoria beweist, dass man ein außergewöhnlicher Athlet werden kann, wenn man nur genug Mut und Leidenschaft aufbringt.
Michel Rojkind Halpert, Mexiko-Stadt, vom Team Dromo Libre in der Death Valley Road (Kilometer 426), 31. März um 13.25 Uhr
Für Michel (48 Jahre) fördert das Laufen die Kreativität. In den 1990er Jahren war er Schlagzeuger bei Aleks Syntek y la Gente Normal, einer der populärsten Rockbands Lateinamerikas. Nach acht Jahren in der Band – in denen er auch an der Universidad Iberoamericana Architektur und Städtebau studierte – stieg er 1997 aus, um sich ganz einer Karriere im Designbereich zu widmen. Während seine musikalische Karriere langsam zu Ende ging, räumte in seinem Kopf auf und fand Spiritualität durch das Laufen langer Distanzen. Er eröffnete das Architekturbüro Rojkind Arquitectos im Jahr 2002 und ist heute einer der bekanntesten Namen Mexikos, wenn es um zeitgenössische Architektur geht.
Christopher Harrington, Denver, Colorado, USA, vom Team Citius auf dem Old Spanish Trail (Kilometer 459), 31. März um 14.10 Uhr
Christopher (34 Jahre) fing vor zehn Jahren an zu laufen und testet seit vier Jahren auf Ultramarathons seine Grenzen aus. Er liebt das Abenteuer und die Herausforderung, längere Distanzen zu bewältigen und fühlt sich von seinen Teamkollegen und Freunden inspiriert - trotz der Schmerzen, der Erschöpfung und des ganzen Blutes im Urin, wenn man nicht genug Wasser trinkt. Chris resümiert, dass nicht sein Körper, sondern sein Verstand das größte Hindernis ist, wenn es darum geht, sich weiter und härter voranzutreiben. "Wenn du denkst, dass du am Ende bist, kann dein Körper in Wirklichkeit noch mehr als doppelt so viel leisten. Man kann viel mehr aus sich rausholen, als man denkt - wenn man bereit ist, dafür den Preis zu bezahlen!“
Ansam Sinjab, Beirut, Libanon, vom Team Mankitail an der Nevada State Road 160 (Kilometer 507), 1. April um 10.25 Uhr
Vor 2014 lief Ansam (32 Jahre) nie auch nur einen Kilometer auf der Straße. Zunächst studierte sie in Heidelberg und arbeitete an einem Forschungsprojekt des Deutschen Krebsforschungszentrums. Erstmals zum Rennen kam sie bei einem Wohltätigkeitslauf, den ihr Institut organisiert hat. Als sie 2015 in ihre Heimat, den Libanon, zurückkehrte, war das Laufen eines der positiven Dinge, die sie mitnahm.
Wegen des Kriegs in Syrien ist es nicht einfach, im Libanon zu leben. Ansam fand zunächst keinen Forschungsjob, musste sich im Chaos neu zurechtfinden und brauchte dringend einen Halt. Es war das Laufen. Einen Monat vor ihrem ersten Marathon wurde bei ihrem Vater ein Gehirntumor diagnostiziert. Fortan war jeder Lauf auch eine Geschichte, die sie ihrem Vater während der Chemotherapie erzählte. Ihn brachte es auf andere Gedanken und Ansam half es, der Realität zu entkommen, in der sie lebte.
Jenn Miller, Los Angeles, vom Team LA Rebels am Las Vegas Strip (Kilometer 549), 31. März um 22.05 Uhr
Als sie aufwuchs, war Jenn (29 Jahre) klein und wild. Sie nahm zuerst an Gymnastikkursen teil und trat später Fußballteams teil, bevor sie 2012 ihren Abschluss an der Univerity of California in San Diego machte. Damals wusste sie nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte, bis sie rein zufällig zum Laufen kam. Das tat sie mehrere Jahre, vornehmlich allein. Sie liebt den Rhythmus und den meditativen Fluss des Laufens und die Tatsache, dass Ultramarathons ihre persönlichen Grenzen erweitern.

Gemeinsam mit ihren Teamkollegen möchte sie nun Teil von etwas Größerem werden als sie selbst ist. Sie motiviert es zudem, für Freiheit und den Weltfrieden zu laufen. Das Speed Project, der allgemeine Teamgeist und der gemeinschaftliche Ansatz ließ ihr Team enger zusammenrücken und überwältigte sie so sehr, dass sie und ihre Freunde das gleiche Tattoo auf dem Handgelenk tragen: „IV“ für die vierte Ausgabe des Speed Projects.

Olaf Heine

Erste Aufträge hat der 1968 in Hannover geborene Fotograf und Filmemacher schon vor seiner Ausbildung in Berlin erhalten: Er machte sich zunächst mit Coverfotografie in der deutschen und internationalen Musik-Szene einen Namen, später vor allem auch mit Porträts von Sportlern, Schauspielern, Musikern und anderen Celebritys. Als Fotograf arbeitet Heine bevorzugt in Schwarzweiß.
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