BEHIND THE SCENES

14.09.2014

|
Share:
„Grönland ist die größte Insel der Welt. Rund 80 Prozent der Landesfläche sind mit einem dicken Eispanzer bedeckt. Die Ortschaften sind sehr abgelegen und nur aus der Luft oder mit Booten erreichbar – nur wenige Menschen leben hier. Ich habe viele Geschichten gehört über alte Traditionen, soziale Probleme und eine extrem hohe Selbstmordrate. Die meisten Grönländer leben jedoch ein modernes Leben und ich frage mich, wie das aussieht in einem Land, dessen Infrastruktur aufgrund geografischer und klimatischer Bedingungen so schwierig ist. Gleichzeitig hat sich das Leben der Grönländer aufgrund der Modernisierung sehr schnell verändert und in jüngster Zeit zeichnet sich ein großer Rohstoffboom ab. Darum geht es in meinem neuen Projekt „Greenland’s Future Generation“. Darum war ich in Grönland.

Aufgrund der Abgeschiedenheit sind Lebensmittel in Grönland sehr teuer. Deshalb gehen viele grönländische Familien in ihrer Freizeit auf die Jagd. Ich war also mit Karl-Jørgen, einem Grönländer aus Sisimiut, und seiner Familie jagen. Auf dem Weg zum Itilleq Fjord haben wir vom Boot aus nach Robben und Schweinswalen Ausschau gehalten, doch das Meer war zu stürmisch. In Eqalungaarsuit haben wir unser Lager aufgeschlagen – ein traditionelles Torfzelt. Von hier aus sind wir die nächsten Tage auf Rentierjagd gegangen und haben im Fjord Kabeljau und Lachs gefischt. Fleisch und Fisch werden dann zur Aufbewahrung getrocknet. Die Tage waren sehr warm und die Rentiere ziehen dann nach Osten Richtung Inlandeis. Das bedeutete längere Wege für uns. Nach unserer ersten Tour über etwa zehn Stunden in Regen und Sturm kehrten wir völlig erschöpft und mit leeren Händen zurück. Wir hatten schon aufgegeben, als Karl-Jørgen das Geweih eines Rentieres hinter einer Felskante erblickte. Wir duckten uns und eilten an einer steilen Felswand entlang, um uns dem Bullen gegen den Wind zu nähern. Aus etwa 20 Metern Entfernung schoss er dem Rentier in den Hals, näherte sich und schoss noch einmal. Etwa eine Stunde dauerte es, das Tier zu zerlegen. Wir hatten Glück, dass wir das Fleisch nicht so weit tragen mussten. Es ging einen steilen und rutschigen Abhang herunter und das Fleisch war verdammt schwer. Ich trug die Hinterbeine und selbst das war heftig. Normalerweise trägt Karl-Jørgen das ganze Tier, etwa 100 Kilo, alleine.“
Auf dem Weg zum Jagdgebiet halten die Männer Ausschau nach Robben und Schweinswalen
Fernab vom Lager sucht Karl-Jørgen auf seinen Touren nach Rentieren
Karl-Jørgen mit seiner Beute
Sven Zellner

Sven Zellner

Geb. 1977 in Eckernförde. Studium Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der HFF München. 2012 kam sein erster Film "Der Preis des Goldes" ins Kino. Auch darin beschäftigt er sich mit der Situation der heutigen Mongolei. Neben seinem filmischen Engagement widmet sich Zellner zunehmend der Fotografie.

www.sven-zellner.de
Link teilen:
BLEIBEN SIE AUF DEM LAUFENDEN MIT DEN LFI NEWS CHANELS: LFI APP ZUM DOWNLOAD:
lfi
auf facebook
lfi
newsletter
lfi
app
Schließen