UNSERE WEBSITES
Deutsch
Warenkorb
Artikel hinzugefügt
Zur Kasse

ONE PHOTO – ONE STORY

12.01.2017

|
Share:
„Es ist das Jahr 1999 im Sommercamp von Artek, dem ehemals größten und auch beliebtesten Ferienlager der Sowjetunion. Das 1925 gegründete Pionierlager liegt an der Schwarzmeerküste, in dem kleinen Städtchen Gurzuf auf der Halbinsel Krim. Hier durften Mädchen und Jungen, die sich der Sowjetunion gegenüber verdienstvoll erwiesen hatten, ihre Sommerferien verbringen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wollte ich herausfinden, was von dem Lager übrig geblieben ist. 2000 Kinder und Teenager leben dort drei Wochen lang und widmen sich allen möglichen Freizeitaktivitäten: vom Schwimmen übers Tanzen und Rudern bis hin zum Theaterspielen.

Während ich diese Aktivitäten dokumentierte, stellte ich fest, dass mich tatsächlich die leeren Momente am meisten interessierten: wenn die Jugendlichen Pause machten, einfach Zeit miteinander verbrachten, wenn sie in den Schlafsälen einander von ihren Hoffnungen und Träumen erzählten, wenn sie sich nach dem Erwachsenwerden sehnten (und vielleicht auch davor fürchteten). Was mich faszinierte, war diese besondere Langsamkeit, die die Jugendlichen dann erfasste. Als ob nicht nur ihre äußerliche, körperliche Verwandlung, sondern auch ihr Innenleben, ihre ganze Persönlichkeitsentwicklung, sämtliche vorhandene Energie beanspruchte.

Diese vier Mädchen, wie sie entspannt in ihrem Zimmer des Camp Kiparisni sitzen, veranschaulichen genau diesen Zustand: Sie waren da, ganz nah, aber tatsächlich ganz weit weg von der Außenwelt. Als wären sie in eine Hülle eingewickelt, die für jeden, der sich außerhalb ihrer Welt befindet, unzugänglich ist. Für sie war ich kaum sichtbar.

Im Calvert Journal schreibt Guilia Manzone sehr treffend über die Artek-Serie: ‚Die Bilder fangen diesen zerbrechlichen Augenblick ein. Ein Hauch von Nostalgie ist im Raum; sie gilt einer Zeit, von der die Jugendlichen glauben, dass sie niemals vorübergehen würde.’ Die Erkundung der langsam vergehenden Teenagerzeit in jenem Ferienlager hat zu meinem Buch ‚Artek’ geführt, aber auch zu anderen Projekten und Büchern zum Thema (Sasha, l’Homme nouveau ...).“
© P. Charton

Claudine Doury

Claudine Doury widmet sich vornehmlich Langzeitprojekten. Doury, in Blois, nahe Orleáns geboren, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1999 mit dem Leica Oscar Barnack Award für die Arbeit Peuples de Sibérie und im Jahr 2000 mit dem World Press Photo. 2004 erhielt sie den Preis Yann Arthus Bertrand sowie den Prix Niépce – Letzteren für ihr fotografisches Gesamtwerk. Ihre Fotografien sind weltweit in Gruppen- und Einzelausstellungen sowie in bedeutenden Sammlungen zu sehen.

www.claudinedoury.com
Link teilen:
via E-Mail Mail
BLEIBEN SIE AUF DEM LAUFENDEN MIT DEN LFI NEWS CHANELS: LFI APP ZUM DOWNLOAD:
lfi
auf facebook
lfi
newsletter
lfi
app
Schließen