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ONE PHOTO – ONE STORY

07.08.2020

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Im Ausfallschritt streckt sich der Kamera von Michael Friedel einer der damaligen wichtigsten Akteure der deutschen Fotografie entgegen: L. Fritz Gruber (1908–2005). Er hatte dafür gesorgt, dass in den 1950er-Jahren die Kölner Photokina nicht nur eine Messe der neuesten fototechnischen Entwicklungen und Erfindungen wurde, sondern vor allem sollten auch die von ihm als Rahmenprogramm initiierten und kuratierten „Bilderschauen“ Publikumsmagnet der Messe werden. Seine bis 1980 verantworteten Ausstellungen bedeuteten nichts weniger als den Anschluss an die internationale Fotoszene. Dabei zeigte er nicht nur Klassiker der Fotografie, sondern auch die ganz jungen Talente erhielten sehr früh in dem von Hans Geifes betreuten Wettbewerb Jugend photographiert eine Chance. Gleich bei der ersten Ausschreibung im Jahr 1954 gewann Michael Friedel den ersten Preis. Zwei Jahre später war er wieder unter den Preisträgern des Jugendfotowettbewerbs der Photokina, diesmal erhielt er aber „nur“ den 2. Preis.

Beim Treffen in den noch leeren Hallen der Ausstellung kam es dann zu diesem denkwürdigen Duell: auf beiden Seiten eine Leica M3, wobei die Kamera von L. Fritz Gruber noch mit einem aufgesteckten Belichtungsmesser, dem Leicameter, versehen ist.  Die Perspektive öffnet sich in die Weite des Raums, doch der Blick kehrt immer wieder ins Zentrum des Bildes, Grubers fixierendes linkes Auge, zurück. Ein spannungsvolles Bild. Fast würde man dabei die zweite Figur am rechten Rand des Bildes übersehen. Doch auch dieser Mann war für die Karriere von Michael Friedel sehr früh von Bedeutung: Der legendäre Gestalter Willy Fleckhaus (1925–1983). Er gestaltete nicht nur ab 1956 die quadratischen Kataloge der Photokina, sondern bereits 1954 war er Juror beim Jugendfotowettbewerb. So entstand der Kontakt zu Friedel. Sehr genau achtete Fleckhaus auf die neuen Talente der deutschen Fotografie: Viele der auf der photokina präsentierten jungen Fotografinnen und Fotografen, darunter Horst H. Baumann, Roger Fritz, Thomas Hoepker, Wolfgang Roth und Christa Peters, wurden für die von ihm verantworteten Zeitschriften gebucht. Insbesondere das Magazin twen sollte ab 1959 bundesrepublikanische Mediengeschichte schreiben. Auch dort war Friedel später mit einigen Bildgeschichten vertreten.

Zweifellos hat das vermeintlich flüchtig entstandene Porträt ein Stück Zeitgeschichte eingefangen. Spannend wäre es natürlich noch zu wissen, ob der eher selten selbst fotografierende L. Fritz Gruber auch wirklich abgedrückt hat, ob dieses Bild überliefert ist oder ob es nur bei der eleganten Pose blieb. Dass Michael Friedel von der fotografischen Rencontre profitiert hat, ist hingegen unbestritten. (Ulrich Rüter)

Weitere Motive des „Leica Klassikers“ Michael Friedel sind in der kommenden LFI 6/2020 zu sehen.
Die Ausstellung Michael Friedel: Westdeutsche Augenblicke 1955–1976 läuft in der Leica Galerie Nürnberg noch bis zum 26. September 2020.
Michael Friedel mit Leica in Brasilien, 1958

Michael Friedel

Geboren am 5. Juni 1935 in Berlin. Schon in der Münchner Schulzeit entdeckt er die Fotografie für sich. Nach Laboranten-Praktikum in München und kaufmännischer Lehre bei Agfa ab Mitte der 1950er-Jahre Einstieg in die professionelle Fotografie. Frühe Erfolge als Bildjournalist. Von 1956 bis 1961 freier Mitarbeiter der Illustrierten Quick, danach beim Stern. 1968 Rückkehr nach München. Vor allem als Reisefotograf setzt Friedel mit seinen Farbaufnahmen immer wieder Standards. 1978 Gründung von MM-Photodrucke als Eigenverlag mit seiner Frau Marion, über 20 Publikationen in mehreren Sprachen. Friedel lebt in Dietramszell bei München.

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