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PORTFOLIO

26.02.2018

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Immer wieder hat Helen Levitt (1913-2009) in den Straßen von New York City fotografiert. Ihr Werk gilt heute als eines der wichtigsten Kapitel der Street Photography. Der Bildband „One, Two, Three, More“ widmet sich nun insbesondere dem Frühwerk Levitts. Wir sprachen mit Marvin Hoshino, ihrem langjährigen Assistenten und Designer des Buchs.

Herr Hoshino, bitte erläutern Sie uns Ihre Idee zu One. Two, Three, More und erklären Sie uns vor allem den Titel des Buchs!
Die Idee war es, mehr und Unbekanntes aus dem Werk von Helen Levitt zu präsentieren: Aufnahmen, die sie zu Lebzeiten nicht gezeigt hat. Ich habe nur mit Abzügen gearbeitet, nicht mit Negativen. Einige der Prints waren signiert und einige waren wirklich nur Probedrucke, die sie selbst am Ende wahrscheinlich abgelehnt hätte. Ich wollte auch zeigen, wie New York damals aussah. Hätte Helen irgendwo anders gelebt, so hätten die Menschen weltweit vielleicht nicht diese Meinung über den Ort, den sie fotografiert hat. New York hat sich in den acht Jahrzehnten enorm verändert. Helen zog in den 1950er Jahren an den nördlichen Rand von Greenwich Village und ihre späteren Farbaufnahmen wurden hauptsächlich im Garment District und auf der Lower East Side gemacht, beide Viertel lagen in der Nähe ihrer Wohnung. Sie sagte immer, sie suche nach dem Leben auf der Straße und ging daher dorthin, wo etwas los war.
Meine Idee war es, die Bilder nach der Anzahl der auf dem Bild abgebildeten Personen zu ordnen. Da es so viele Fotografien gab, begann ich den Ordnungsprozess, indem ich die Bilder nach ein, zwei, drei oder mehr Personen aufteilte. Ich dachte, ich würde dann einen Weg finden, die einzelnen Bilder zu vermischen. Aber dann sah ich, dass die einzelnen Gruppen für sich allein sehr interessant waren – als Variationen über das Thema, wie Helen nur eine Person fotografierte oder wie sie ein Paar fotografierte. Die separaten Ordner mit Scans auf meinem Computer, die mit "1" und "2" sowie "3" und "Mehr" gekennzeichnet waren, wurden schließlich zum Titel des Buchs.


Sie waren Helen Levitt viele Jahre sehr verbunden, als Assistent, aber auch als Freund. Wie haben Sie sich kennengelernt?
Sie unterrichtete damals am Pratt Institute in Brooklyn. Dort habe ich sie kennengelernt und angefangen, ihr bei technischen Angelegenheiten zu helfen. Sie arbeitete sehr hart in diesen Jahren, obwohl sie bereits über 60 Jahre alt war. Als ich sie traf, hatte Helen keine Dunkelkammer mehr, also bot ich ihr an, ihr einen Vergrößerer zu kaufen. Sie sagte ja, aber sie würde nur einen Leitz Valoy nehmen. Ich hatte das Glück, einen gebrauchten Valoy II zu finden. Viele Jahre lang printete sie in ihrem Badezimmer und wässerte die Drucke in der Badewanne, bis ihr Rücken sie zwang, die Negative in ein Labor zu schicken. Sie war, denke ich, die beste Printerin ihrer Arbeit.

Wissen Sie mehr über die Leica-Kameras, die Helen Levitt nutzte?
Als ich Helen in den 1970ern kennenlernte, war ihre erste Leica gestohlen worden. Aber sie benutzte eine Leica für alle Fotografien. Es war wahrscheinlich eine Leica IIIa oder b. Die genaue Chronologie ihrer Leicas kenne ich nicht, aber sie kaufte ihre erste Leica um 1938. Ich glaube, es war immer ein Modell mit Entfernungsmesser, obwohl sie hauptsächlich auf den Fokus ausgerichtet war. Und sie benutzte ein Vorkriegsobjektiv, ein Elmar 1:3.5/50 mm, da bin ich mir fast sicher. Ich weiß, Linsenreflektionen waren ein Problem. In den 1970er-Jahren hatte sie dann ein beschichtetes Objektiv, wieder ein Elmar, kein Summicron, aber immer noch eine Streulichtblende. Sie fotografierte immer mit einem 50-mm-Objektiv, sowohl an einer Leica mit Schraubgewinde als auch an der M3.
Helen hat damals einen Winkelsucher benutzt, aber ich denke, dass heute daraus mehr gemacht wird, als wirklich wahr ist. Die meiste Zeit hat sie konventionell fotografiert. Was man heute oft vergisst, ist, dass die meisten Leute aus der Nachbarschaft in den 1940er-Jahren nicht erkannt haben, dass das, was sie in Händen hielt, eine Kleinbildkamera war und sich der Nähe der Kamera nicht bewusst waren (das kam erst in den 1960ern). Oder aber sie dachten, sie sei eine Amateurin und ignorierten sie.

Was sind Ihre stärksten Erinnerungen an Helen Levitt? Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Meine stärksten Erinnerungen sind, wie viel Spaß man mit Helen hatte und wie verlässlich sie als Freundin für mich war. Ich habe einmal gegenüber ihrer Jugendfreundin Clara Shapiro geäußert, dass Helen offenbar in ihrer Jugend sehr ernst war, jedenfalls ausgehend von den wenigen Fotografien die es von ihr aus dieser Zeit gibt. Clara lachte und sagte: „Aber, nein. Helen war unbeschwert und sorglos. Sie liebte es, auf Partys zu tanzen und mit den Jungs zu flirten.“ Als ich Helen kennenlernte, liebte sie noch immer Partys.
Heute ist es zu einem Mythos geworden, dass Helen zurückgezogen lebte und auf ihre Privatsphäre achtete. Aber dieser Mythos entstand, als sie in ihren 80ern war und ihre Kraft bewahren musste. Mit mir, und ich bin mir sicher, auch mit ihren anderen Freunden, hat sie sich über fast alles unterhalten, wenn man sie fragte.
„Helen hatte eine besondere Mischung aus Zähigkeit, Sicherheit, Neugier und Freude“, schrieb die Schriftstellerin Francine Prose einmal auf der Website der New York Public Library. „Du musst einfach fleißig sein“, war Helens typisch knappes und aussagekräftiges Urteil darüber, was es braucht, um ein guter Street Photographer zu sein. Was hat mich an ihr am meisten beeindruckt? Helen hat hart gearbeitet, sie war extrem fleißig.

(Interview: Ulrich Rüter)

Ein Portfolio aus One, Two, Three, More finden Sie in der LFI 2/2018.
Helen Levitt © Film Documents LLC
Helen Levitt © Film Documents LLC
Helen Levitt © Film Documents LLC
Helen Levitt © Film Documents LLC
Helen Levitt © Film Documents LLC
Helen Levitt © Film Documents LLC
Helen Levitt © Film Documents LLC

Marvin Hoshino

Marvin Hoshino, langjähriger Professor und ehemaliger Vorsitzender der Kunstabteilung des Queens College der University of New York City, ist ausgebildeter Grafiker. In den letzten 30 Jahren war für die Zeitschrift Ballet Review tätig, zuletzt als Redakteur und Designer. Als enger Freund und bester Kenner von Helen Levitts Werk zeichnete er in den letzten Jahren für zahlreiche Bücher verantwortlich.
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