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PORTFOLIO

18.08.2015

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Das große Vorbild des russischen Mode- und Aktfotografen sind die 60er und 70er Jahre. Er will mit kraftvollem, kontraststarken Schwarzweiß einen Kontrapunkt gegen schreiende Farben und überschärfte Digitalbearbeitung setzen. Mehr Bilder finden Sie in der LFI 6/2015.


Sie haben sich als Dichter und Komponist versucht, haben lange Zeit Werbekampagnen produziert: Was hat sie schließlich zur Fotografie geführt?

Ich wollte immer etwas Kreatives machen, aber meine Ausflüge in die Poesie und die Musik waren eher Kinderkram. Meine Arbeit als Werbeproduzent war da schon ernster zu nehmen. Das habe ich mehrere Jahre gemacht – und das war nicht verkehrt. Ich mag Kino sehr und weiß genau, wie ein professioneller Digital Producer arbeitet. Hier war ich in meinem Element, habe mich mit anderen Digital Producern auf dem gleichen Level unterhalten. Leider ist die Ukraine für diese Art der Arbeit nicht der beste Ort, es reicht einfach nicht, gute Ideen zu haben, wenn die Budgets zu klein sind. In diesem Zusammenhang war Fotografie für mich eigentlich die preiswertere Variante, meine kinematografischen Ambitionen doch irgendwie umzusetzen und meine kompositorischen Fähigkeiten, mit Licht umzugehen, zu akzentuieren. Ich meine, ich habe die Fotos zunächst nicht wie Fotos aufgefasst, sondern wie eingefrorene Frames eines Films.


Was ist für Sie das Besondere der Modefotografie der 60er und 70er und was hat sie, was die moderne Modefotografie nicht hat?

Die 60er und die 70er waren fotografisch eine grandiose Zeit. Fotografie war Kunst, nicht nur kommerzielles Verbrauchsmaterial. Ich versuche aber nicht diese Fotografie zu kopieren, vielmehr suche ich dort Inspiration, denn damals war die Modefotografie perfekt. Nein, ernsthaft: Natürlich ist heute nicht alles, was in der Modefotografie gemacht wird, kommerziell oder flach, aber meiner Meinung nach überwiegend. Aber möglicherweise stehen wir hier auch gerade vor einem Umbruch, wenn ich mir zum Beispiel Paolo Rosveri ansehe. Ich dachte alles geht den Bach herunter, aber jetzt sehe ich manchmal helles Licht am Ende des Tunnels.


Sie orientieren sich nicht nur ästhetisch an den 60ern und 70ern, sondern Sie arbeiten auch mit der analogen Leica M6 und versuchen, wenn Sie mit der M9 fotografieren, Aspekte dieser Arbeitsweise ins Digitale zu übertragen.

Wenn ich die M9 verwende, arbeite ich zumeist so, als ob ich mit der M6 fotografiere. Ich mache nicht viele Bilder und nutze das Display kaum. Aber ich muss zugeben: Seit ich nun vermehrt die M9 benutze, verstärkt sich bei mir das Gefühl, dass die digitale Fotografie genauso gut ist wie die analoge. Ich glaube meine Arbeitsweise wird sich anpassen. Gut, noch spüre ich den Drang, Korn hinzufügen – aber das lässt auch allmählich nach. Was für mich aber wichtig ist, ist dass Fotos gedruckt werden, weil es eben nicht reicht, Bilder nur auf dem Monitor anzusehen.


Sie fotografieren mit Messsucherkameras. Das ist in der Modefotografie eher ungewöhnlich. Spielt der Messsucher bei Ihrer Fotografie eine große Rolle oder geht es eher um die Objektive?

Fragen Sie mich nicht warum: Für mich geht nur Messsucher und es ist wichtig für mich, dass eine Kamera perfekt ist, sowohl technisch, als auch in puncto Design. Das habe ich bei meinen Leicas, warum sollte ich etwas anderes verwenden? Weil die anderen Modefotografen andere Kameraformate benutzen? Ich bin zufrieden, es ist meine Wahl, meine Vision, mein Stil.


Akt ist neben Mode Ihr zweites Lieblingssujet. Orientieren Sie sich dort auch an den 60ern und 70ern?

Was ich über Modefotografie gesagt habe, gilt eigentlich auch für Aktfotografie. Auch hier versuche ich, nicht zu kopieren, sondern ich lasse mich inspirieren, um daraus neue Wege abzuleiten. Ich nenne meine Aktfotografie deshalb auch „Fashion Nudes“. Meine Aktfotografie soll nicht provokativ sein. Ich lege viel Wert darauf, meinen persönlichen Look mit der Schönheit einer Frau zu verbinden. Ich würde gern ein Magazin in diesem Stil herausgeben, ich arbeite daran.

Gennadiy Chernomashintsev

Geboren 1968 in Donezk (UdSSR), lebt und arbeitet heute in Kiew (Ukraine) als Art Director und freiberuflicher Modefotograf für das Magazin Domino. Publikationen u. a. in Monovisions, Black & White Photography, ND, Dodho.

www.chernomashintsev.wordpress.com
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