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08.11.2015

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Über 3200 Kilometer Stein und Stacheldraht: Indien beschloss 1986 den Bau einer Grenzanlage. Sie soll die illegale Einwanderung aus Bangladesch stoppen. Viele machen sich trotzdem auf die gefährliche Reise. Gaël Turine dokumentiert die befestigte Grenzanlage zwischen Indien und Bangladesch. Lesen Sie den kompletten Artikel in der LFI 8/2015.


Wie sind Sie auf die Idee zu dieser Reportage gekommen?

Ich wollte schon lange eine Reportage über Grenzen und Grenzbefestigungen machen. Bestenfalls natürlich über eine Region, die bislang völlig unbeachtet geblieben ist. Die indische Regierung hat eine lange Liste mit Gründen für den Bau der Mauer an der Grenze zu Bangladesch: Schmuggel, illegale Migration, religiöse Identität, Nationalismus und Terrorismus. Mir fiel auf, wie wenig über diese Mauer und die Gewalttaten an der Grenze bekannt ist, und ich entschied mich dazu, die Reportage zu machen. Ich reiste fünfmal in die Region und sammelte über einen Zeitraum von zwei Jahren auf beiden Seiten der Mauer Berichte und Fotos. Die Unterstützung von Menschenrechtsaktivisten und lokalen Journalisten hat meine Arbeit überhaupt erst ermöglicht.


Gibt es einen Moment oder eine Begegnung, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Ich sah mich nie zuvor mit solchen Schwierigkeiten beim Fotografieren konfrontiert. Allein der Zugang zur Grenze ist verboten und es gibt Hunderttausende Soldaten zur Grenzsicherung. Sich als Europäer mit einer Kamera um den Hals in der Nähe der Grenze aufzuhalten und zu versuchen, sich ihr zu nähern, sind die denkbar schlechtesten Vorraussetzungen zum Fotografieren. Ich musste mich auf meine Erfahrung und mein Glück verlassen – und die Abwesenheit des Internets in den abgeschiedenen Landesteile:. Mein Fixer und ich wurden mehrmals verhaftet, aber mir konnte nie nachgewiesen werden, dass ich ein Journalist bin. Ich trug Sandalen, Shorts, eine Sonnenbrille und hatte nur eine M9 mit ein paar Objektiven bei mir. Keine große Fototasche, keine Akkus, kein Mobiltelefon. Ich erzählte jedem wie sehr ich von dem Land Bangladesch und seiner Geschichte fasziniert sei und deswegen gerne an der Grenze entlang gehen würde. Eines Tages waren wir gerade am Fuße der Mauer auf der indischen Seite, als ein Soldat auftauchte. Zu unserem Glück rief er weder seine Kollegen, noch fragte er uns nach Geld. Er erzählte uns nur, dass er kein Soldat sein wollte, aber die Arbeitslosigkeit ihn dazu zwang, für die Border Security Forces (BSF) zu arbeiten. Er fügte noch hinzu, dass er es verstehen könne, wenn Menschen schmuggeln und unerlaubt die Grenze übertreten: „Sie wollen auch nur leben.“ Mein Fixer fing an, nervös zu werden, da wir uns in einer brenzligen Situation befanden. Ich konnte es kaum glauben, dass der Soldat uns diese Dinge erzählte, anstatt uns zu verhaften. Dann wandte er sich ab und sah durch ein Loch in der Mauer. Ich machte noch schnell ein Bild von ihm – ich weiß nicht, ob es bemerkte – und er ging. Wir verließen den Ort so schnell wir konnten.


Gibt es noch andere Grenzregionen, die Sie gerne fotografieren würden?

Ja, ich plane die Arbeit an weiteren Grenzanlagen, solange diese weitgehend unbekannt sind, ist es schwer, an sichere Informationen zu kommen und Kontakte und Fixer zu finden. Ich möchte nicht einfach irgendeine Reportage über eine Grenze machen, die schon zigmal fotografiert wurde. Es werden zwar gerade zahlreiche neue Grenzanlagen innerhalb Europas gebaut, aber diese erfahren bereits eine große mediale Aufmerksamkeit. Die Fortsetzung bedarf noch einiger Planung.
Foto: Soumya Sankar Bose

Gaël Turine

Geb. 1972 in Nieuport in Belgien. Studium der Fotografie in Brüssel, danach Arbeit als freier Fotograf. 2006 gewann er den Golden Clover Award und konnte mit dem Preisgeld seine Arbeit über Vodoo-Kult fertigstellen. 2014 war die hier gezeigte Reportage beim Festival Visa pour l’Image ausgestellt. Sie ist bei Photopoche als Buch erschienen. Turine ist Mitglied der Agentur VU’.

www.gaelturine.com
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