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PORTFOLIO

08.05.2015

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Ein Land im Ausnahmezustand: Die Flüchtlingscamps im Irak sind überfüllt, viele Menschen suchen Zuflucht in Ruinen. Fremde Menschen, oftmals, die nun auf engstem Raum zusammenleben, auf nackten Betonfußböden schlafen und sich gemeinsam um die kleine Feuerstelle drängen. Sechs Monate hat Dominic Nahr die Situation der Flüchtlinge im Irak dokumentiert. Mit LFI spricht er über seine Motivation, instinktives Arbeiten und die Schwierigkeit, einen Abschluss zu finden.

Im Rahmen der Triennale der Photographie Hamburg wird Dominic Nahr exklusiv einen LFI Workshop leiten. Weitere Informationen und die Anmeldung finden Sie hier.


Warum haben Sie sich entschieden, im Irak zu arbeiten?

Ich war bereit für etwas Neues. Nachdem ich fünf Jahre lang hauptsächlich in verschiedenen Ländern Afrikas gearbeitet hatte, reiste ich für verschiedene Projekte auch nach Japan, Kanada, in die Niederlande und in die Vereinigten Staaten. Ich bin vorher nie in Erbil gewesen und so ergriff ich diese Möglichkeit, dort für UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, zu arbeiten. Es tat mir gut, über einen längeren Zeitraum eine feste Basis zu haben. Anfangs war ich mir zwar nicht ganz sicher, was das für meine Arbeit bedeuten könnte. Aber ich war begeistert von der Idee, ein derart wichtiges Thema mit der Kamera zu dokumentieren und wirklich Zeit zu haben, um mich mit den Menschen dort auseinanderzusetzen.


Wenn wir an den Irakkrieg denken, haben wir die Bilder der Gräueltaten des Islamischen Staats im Kopf. Welche Bilder sehen wir nicht?

Ich konnte nur diejenigen fotografieren, die diese Flucht überlebt haben. Die vielen anderen, die nicht fliehen konnten – Töchter, Söhne, Eltern und Großeltern – werden wie Vieh zusammengetrieben und letzten Endes vergewaltigt, exekutiert oder versklavt. Am wichtigsten ist das Erinnern. Wir können nicht zulassen, dass diese Menschen in Vergessenheit geraten. Jesiden, Christen und andere Minderheiten fliehen vor der Gewalt des Islamischen Staats.


Wie verändert sich das Arbeiten, wenn man Zeit hat und nicht mehr von Auftrag zu Auftrag hetzt?

Es war eine wunderbare Erfahrung, sechs Monate lang für UNHCR im Irak arbeiten zu können. Ich musste mir während der Zeit keine Gedanken über die Finanzierung oder zukünftige Projekte machen. Es war sehr befreiend und ich konnte meine Art zu fotografieren entschleunigen, sodass ich mich oder die Menschen, die ich traf, nicht hetzen musste. Auch hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, etwas Gutes zu tun und nicht meine Zeit zu vergeuden. Als besonderer Bonus halfen mir die fantastischen UNHCR-Fahrer dabei, viele Menschen und deren Geschichten zu entdecken.


Seine Serie ist ab dem 17. Juni im Rahmen der Phototriennale in Hamburg bei LFI zu sehen – inklusive Artisttalk und Podiumsdiskussion.

Das Interview in voller Länge lesen Sie in der LFI 4/2015, erhältlich ab dem 22. Mai 2015.

Dominic Nahr

Geboren 1983 in der Schweiz, aufgewachsen in Hongkong. Bereits während des Filmstudiums in Toronto Arbeit als freier Fotograf. Gewinner diverser Preise, u. a. des Leica Oskar Barnack Newcomer Award 2009.

www.dominicnahr.com
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