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09.10.2014

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In Ihrem Langzeitprojekt zeigen Sie die Welt der Yakuza. Wie haben Sie einen Zugang zu ihrem Leben gefunden?

Wie so oft geht es nicht ohne Geduld. Mein Bruder und ich verhandelten im Vorfeld mit Souichirou, einem ranghohen Yakuzamitglied. Insgesamt habe ich die Yakuza zwei Jahre lang mit meiner Kamera begleitet, aber bis es soweit war, musste ich über zehn Monate lang verhandeln. Während dieser Zeit standen mein Bruder und ich unter Beobachtung, man wollte wissen, ob wir es ernst meinen. Ich denke ausschlaggebend für die Erlaubnis war, dass ich als Fremder mehr über die japanische Kultur und die Subkultur der Yakuza erfahren wollte. Auch kam mir zugute, dass ich ein Dokumentarprojekt realisieren wollte und nicht nur eine schnelle Fotoreportage im Sinn hatte. Ich wollte sie so lange wie möglich begleiten, unvoreingenommen und ohne über sie zu urteilen, um anschließend meine Erfahrungen in einem Buch und in Ausstellungen zu vermitteln.


Gibt es ein Bild in ihrem Kopf, bei dem Sie sich ärgern, dass Sie es nicht gemacht haben?

Es gibt nicht genau DAS eine Bild, das mir durch die Lappen gegangen ist. Aber im Nachhinein fallen mir ein paar Situationen ein, in denen ich mich durchaus energischer für meine Fotos hätte einsetzen können.
Aber man darf nicht vergessen, dass „Yakuza“ mein erstes großes Projekt als Fotograf ist. Ich bin noch dabei, meine Bildsprache und eigene visuelle Ästhetik zu entwickeln. Während der Arbeit an dem Projekt gab es durchaus Momente, in denen es mir nicht gelang, die Szenen so einzufangen, wie ich es gern getan hätte. Es gibt noch viel zu lernen.


„Yubitsume“ ist bei den Yakuza das Ritual der Selbstamputation des kleinen Fingers zur Wiedergutmachung. Für welchen Fauxpas hätten die Yakuza eine Ihrer Fingerkuppen verlangen können und hätten Sie dann weiter fotografiert?

„Yubitsume“ ist sehr eng mit Respekt und Ehrlichkeit verbunden. Von mir hätten sie den kleinen Finger als Abbitte nur verlangen können, wenn ich oder mein Bruder absichtlich respektlos gehandelt hätten, oder unehrlich in unseren Absichten gewesen wären. Ehrliche Fehler werden durchaus verziehen.
Während der Verhandlungen haben wir im Vorfeld vereinbart, dass sie mich niemals davon abhalten würden, zu fotografieren.


Welches Wort muss man auf japanisch kennen, wenn man die Yakuza fotografiert?

Man braucht ein ganzes Wörterbuch. Ich spreche kein japanisch, aber mein Bruder. Zu Beginn mussten wir die zehn-monatigen Verhandlungen in perfektem japanisch führen. Während dem Fotografieren war die Körpersprache viel wichtiger, aber ein extrem höfliches „Dankeschön“ mit einer leichten Verbeugung ist immer gut zu gebrauchen: „Yoroshiku Onegaishimasu”.



Finden Sie Anton Kusters Serie „Odo Yakuza Tokyo“ ebenfalls im M Magazin No. 1.
© Anton Kusters
© Anton Kusters

Anton Kusters

Nach seinem Masterabschluss in Politischer Philosophie studierte Anton Kusters, geboren 1974, Fotografie. Dem Magnum-Fotografen David Allan Harvey half Kusters bei der Etablierung des burn Magazins. Seitdem kuratiert der Belgier die jährliche Verleihung der Emerging Photographer Grants. Als Fotograf konzentriert sich Kusters auf die Umsetzung konzeptueller und dokumentarischer Langzeitprojekte. Als Fotoband 2011 unter dem Titel Odo Yakuza Tokyo veröffentlicht, ist seine Yakuza-Reportage bereits in zweiter Auflage erschienen.

www.antonkusters.com
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