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02.03.2021

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„Der Blick eines Malers, die Gedanken eines Komponisten, die Seele eines Mystikers“ – diese drei Dinge seien für die eindrücklichen Arbeiten des Fotografen verantwortlich – so war es jedenfalls 1985 in Leica Fotografie zu lesen. Diese Einschätzung ergänzte Ernst Haas dort selbst: „Ich wäre wohl Kunstmaler geworden, hätte es nicht den Krieg gegeben. Aber auch Komponist hätte mich gereizt. In Wien, wo ich aufwuchs, gab es immer und überall Musik. So bin ich sicher, dass auch meine Bilder viel Musik enthalten – manchmal mehr Musik als Sachgegenständliches.“

Zum Zeitpunkt des Magazinbeitrags war Haas 64 Jahre alt, als Bildjournalist, Werbefotograf und kreativer Foto-Essayist sowie mit Bildbänden und Ausstellungen höchst erfolgreich. Insbesondere seine künstlerischen Farbfotografien waren längst legendär und sehr populär. Und er war renommiertes Mitglied der Agentur Magnum Photos: Bereits 1949 war er als damals jüngstes Mitglied in die Gruppe aufgenommen worden. Ausschlaggebend war seine Reportage über heimkehrende Soldaten aus der Kriegsgefangenschaft, die der 26-Jährige am Wiener Südbahnhof fotografiert hatte. Die emotional bewegende Serie der Männer und ihrer wartenden Familien erschien zunächst in der Illustrierten Heute, wenig später in Life.

1951 zog Haas nach New York. Freie Bildessays lösten zunehmend die Reportage-Arbeit ab. Seit 1949 besaß Haas eine Leica und begann mit Kodachrome-Material die Farbfotografie für sich zu entdecken. Seine Magic Images of New York, ein 24-seitiger Foto-Essay in Farbe, der 1951 in Life erschien, war sowohl sein als auch das erste umfangreiche Farbfeature des Magazins. Sein innovativer Ansatz war vor allem in den langen Verschlusszeiten begründet, die den Bildern die Illusion von Bewegung gaben. Über Monate war er mit seiner Leica durch New York gestreift, hatte die Lichter der Straßen, Details von Wänden oder abstrakte Kompositionen sonst übersehener Details fotografiert. Bereits 1962 hatte er eine Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York.

Auch wenn er weiterhin ausgewählt für Reportagen in Schwarzweiß arbeitete, blieb die Farbe sein bestimmendes Thema. Sein erfolgreichster Bildband sollte Die Schöpfung werden, das in Buchform gefasste Ergebnis einer Kooperation zum amerikanisch-italienischen Monumentalfilm Die Bibel von Regisseur John Houston aus dem Jahr 1966, bei dem Haas die anfängliche Schöpfungssequenz bebilderte. Auch in den Folgejahren experimentierte er mit der Erweiterung seiner Aufnahmen durch audiovisuelle Elemente. Er empfahl, seine Aufnahmen als musikalisch zu verstehen, denn „sie teilen sich unmittelbar mit, brauchen keine Interpretation.“ Seinen professionellen Blick und das genaue Verständnis für die Suggestivkräfte der Fotografie nutzte er auch für internationale Werbekampagnen. Auch wenn er hier ein Massenpublikum ansprach, verstand er sich weiterhin eher als Künstler oder fotografierenden Poeten.

Am 12. September 1986 starb Ernst Haas überraschend an den Folgen eines Schlaganfalls in New York. Sein Geburtstag jährt sich am 2. März zum 100. Mal. (Ulrich Rüter)

Bild: © Todd Weinstein
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