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PORTFOLIO

02.01.2020

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Erik Hinz’ Buchprojekt twenty-one years in one second führte den Fotografen einmal um die ganze Welt. Denkt er an seine fotografische Karriere, fallen ihm Höhen, Tiefen und unzählige Anekdoten ein. In seinem Bericht blickt er zurück und sinniert …

…über seine ersten fotografischen Schritte

„Auf meiner ersten großen Reise Ende der 1980er-Jahre trampte ich mit einem guten Freund für drei Monate 35.000 Kilometer durch die USA. Ich war fotografisch im Zonensystem von Ansel Adams gefangen und machte mit meiner Spiegelreflexkamera einen Haufen schlechter Bilder, hauptsächlich ohne Menschen. Als ich heimkehrte, begann mein Studium in Dortmund an der Hochschule für visuelle Kommunikation. Meine Bewerbungsgeschichte hieß Kinder der Nacht oder: Wo beginnt das Leben? Nur feiernde Menschen in der Nacht. Hart, frontal, direkt und mit Blitz. Die Studienzeit war eine wunderbare Zeit voller Energie im ständigen Austausch über Bilder, Reisen, Reportagen und Analysen. Im Laufe des Studiums lernte ich Fotografen wie Robert Frank, Eugene Smith, Henri Cartier-Bresson oder Werner Bischof, später noch viele weitere Magnum-Fotografen kennen, einigen bin ich auch direkt begegnet. Aber auch Richard Avedon, William Klein oder Garry Winogrand waren in meinem Fokus.“

…über fotografische Herausforderungen

„Eine der größten Herausforderungen war wohl eine Aufgabe im Jahr 1991, die mir Prof. Ulrich Mack im Studium stellte. Das Thema war Liebe, Trauer, Schmerz und Hoffnung. Ich begann eine Reportage mit und über einen guten Freund, bei dem ein Gehirntumor diagnostiziert worden war. Das brachte mich an die Grenzen dessen, was ich verkraften konnte. Ich fotografierte wenig und wir sprachen viel, mit und ohne seine Familie, über das Sein und Nichtsein, das Leben in all seinen Facetten – bis zu seinem Tod im selben Jahr. Ich erinnere mich noch gut an mein letztes Treffen mit Prof. Mack in der Fachhochschule. Seine Aufgabe hatte mich sehr gefordert. Mitten im Gespräch fing ich an zu weinen. Er nahm mich in den Arm und sagte, dass alle guten Fotografen mindestens einmal an diesen Punkt der Verzweiflung kommen. Aber dieser Zustand enthalte ein Ziel, ein Weitermachen, Weiterkommen, ein Reifen an sich selbst.“

…Orientierungen und Erfolge:

„Trotz Macks gut gemeinter Worte konnte ich erst einmal keine Reportagen mehr fotografieren. Mitte der 90er-Jahre begann ich eine Ausbildung zum Studiofotografen und lernte, Bilder mit künstlichen Lichtquellen zu gestalten – also eher die technische Seite der Fotografie. Es ist eine ganz andere, spannende Welt, die mir heute noch oft hilft. Wenn ich frei hatte, reiste ich mit meiner M6 durch die Welt. Ich wurde eine Art Sammler situativer Straßenszenen und lernte intensiver zu sehen, zu gestalten und mich empathisch einzufühlen. 1998 arbeitete ich nach langer Zeit wieder im Auftrag in Südafrika an einer großen Reportage. Ein voller Erfolg, der im Landtag Düsseldorf ausgestellt wurde. Doch die Zeit lief unaufhaltsam weiter. Um Geld zu verdienen, klapperte ich Bildredaktionen und Agenturen ab, machte viele redaktionelle und konventionelle Jobs, zwischendurch die eine oder andere Ausstellung. Da die journalistische Auftragslage immer weiter schrumpfte, buchten mich öfter Agenturen, die mich für deutsche Produktionen einsetzten oder um die Welt schickten. Seit ich mich 2001 selbstständig machte, arbeite ich viel in den Bereichen Image, Porträt, Sozialreportage und Illustration von Geschäftsberichten. Ich liebe meinen Beruf. Er bringt mich mit wunderbaren Menschen zusammen und ich lerne bei jedem Job ein wenig dazu.“

…über sein Buchprojekt twenty-one years in one second:

twenty-one years in one second, das bedeutet: 100 Fotos, belichtet mit einer 1/100 Sekunde. Ergibt rein rechnerisch eine Sekunde in 21 Jahren Fotografie. Diese Vorstellung über erlebte Zeit und wahrgenommenen Raum fand ich faszinierend. Ich dachte nämlich immer, die Zeit nimmt man nur am Altern der Kinder wahr, und eigentlich werden auch immer nur die anderen älter. Wie man sich irren kann … Für dieses Projekts brachte ich fünf Kisten meiner Schwarzweiß-Prints nach Berlin und zeigte sie einer guten Freundin, mit der ich in Dortmund studiert hatte. Fünf Tage wählten wir Bilder aus und reihten sie in immer neuen Kombinationen aneinander. Der rote Faden war zunächst lediglich nur ein gutes Bauchgefühl bei der Reihung. In Europa geht es los und schlängelt sich dann in kleinen Bildgruppen von Ländern oder Kontinenten kreuz und quer um die Welt. Wenn ich mich an die Situationen erinnere, in denen meine Bilder entstanden, fühlt sich alles einfach und leicht an, obwohl so manches Mal meine Halsschlagader kurz vor dem Platzen stand. Die Bilder entstehen einfach beim Laufen durch das Leben. Bei meinem Buch denke ich auch immer an meinen Freund Hannes Wanderer, dem Verleger von Peperoni Books. Er verstarb 2018. Erst mit seiner Hilfe konnte ich dieses Projekt realisieren. Durch ihn habe ich mir neue Sichtweisen, Ansätze und Ideen aneignen können. Ich vermisse ihn sehr und viel mehr noch meine geliebte Mum, die am 17. September 2019 verstarb.“

…über die Bedeutung der Fotografie:

„Wenn ich das Fotografieren in Worte fassen müsste, stünde an erster Stelle das Wort Empathie, gefolgt von Gleichheit ohne jegliche Vorurteile – in allen Lebenswelten. Dann: das Zollen von Respekt – dem Menschen und der Natur gegenüber. Man muss Menschen lieben, um sie zu fotografieren. Dazukommt das Zuhören und Beobachten, das Reden miteinander, Lachen und Teilen. Sich einzulassen. Und vor allem: abwarten können.“

Das Buch kann auf der Webseite bestellt werden.

Alle Bilder auf dieser Seite © Erik Hinz
Equipment: Leica M2, Leica M6, Summicron-M 1:2/50, Elmarit-M 1:2/24, Summicron-M 1:2/90
Monumento Natural, “Los Pinguinos” Chile, 2004
Penguin Graffiti, Ushuaia Argentina, 2004
Stierkampfarena Les Arenes, Amphitheater Arles, Frankreich, 1993
Muschelspucker, Alpen. Schweiz, 1998
1000 brennede Reifen, Kanyamazan, Südafrika, 1998
St. Peters Schule, Nelspruit Südafrika, 1998
Schlafende Punks mit Katze, Cornwall England, 1993
Koreanisches Schiffswrack, Cornwall, England, 1993
Militärischer Unterschlupf, Nikosia Zypern, 2004

Erik Hinz

Der gelernte Drucker, geboren 1967 in Radolfzell, hat in Dortmund visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Fotodesign studiert. Seit 1998 fotografiert er freischaffend für Zeitungen und Magazine wie Spiegel, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung und diverse Wirtschaftsunternehmen. Internationale Projekte führten ihn u. a. nach Australien, Russland, Indonesien, Japan und in die Karibik.

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