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BUCHTIPP

26.11.2019

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Grobkörnig, unscharf, traumverloren: die Bildsprache des Fotografen ist vieldeutig und lässt sich oft nur assoziativ deuten. Die ganz am Ende des Buchs angefügten Bildlegenden geben etwas mehr über die porträtierten Personen und Orte preis, doch das Buch ist bewusst als große Fuge über den Abschied angelegt, die ohne Text auskommt.

Mit seinen Bildern schafft er symbolbeladene Motive, die dem Verlust geliebter Menschen, Tod und Krankheit eine poetische Kraft des Durchhaltens und Lebenswillens mit den Erinnerungen an fröhliche, oft intime Momente entgegensetzen. Die Bildserie ist nicht nur eine Auseinandersetzung mit dem Tod seiner Tante, seiner Großmutter und seiner Mutter, die innerhalb eines Jahres starben, sondern darüber hinaus auch eine Verarbeitung der Trennung von seiner Freundin. Mit seinen analogen, rohen und oft tiefschwarzen Motiven greift der Fotograf Stimmungen auf, die ihn in der schwierigen Zeit der Verluste begleiteten. Krankheit und Trennungsangst begleiten ihn allerdings schon sehr viel länger, fünf Jahre kämpfte die Mutter gegen ihren Krebs, beim Vater war erstmals ein Krebs vor fast zwanzig Jahren festgestellt worden, der nun bereits zum dritten Mal zurückkehrte. Und als ob diese Schicksalsschläge nicht schon schwer genug zu ertragen wären, traf auch den Fotografen selbst eine Krebsdiagnose. Eine traumatische Zeitspanne hat Broertjes überlebt, die Fotografie wurde für ihn zum probaten Mittel der Selbstvergewisserung. Immer wieder finden sich Selbstporträts des Fotografen zwischen den Familienbildern, Landschaften und Stillleben.

Sein begleitender schonungsloser Text gibt Einblick in seine Gefühlswelt, umso mehr wirken die Bilder bei längerer Betrachtung als „Umarmung des Schmerzes“, um zurück ins Leben zu finden: „Ich denke mehr darüber nach, was Krankheit und Tod mir bringen können und weniger darüber, was sie mir wegnehmen können. Dieser Gedanke hat in mir Gefühle der Ruhe und Kraft hervorgerufen, die ich noch nie zuvor gespürt habe.“ Das Buch erscheint als Ballade über innere Stärke und Akzeptanz, eine Reflexion darüber, wie die Dinge im Leben sind - nicht immer perfekt, aber definitiv intensiv und ermächtigend. (Ulrich Rüter)

Geert Broertjes – One Year
85 Seiten, 55 Schwarzweiß-Abb., 17,0 x 24,0 cm
Schilt Publishing


Die Ausstellung läuft in der Schilt Gallery (Peter Martensstraat 121, 1087 NA Amsterdam) noch bis zum 1. Dezember.

Geert Broertjes

Geert Broertjes wurde 1987 in Amstelveen geboren, studierte zunächst Medien- und Informationsmanagement und danach von 2011 bis 2013 an der Fotoakademie Amsterdam. 2014 Workshop mit Antoine D'Agata im Institut für Fotografie in Tokio, 2017 Nominiert für die Joop Swart Masterclass. Broertjes lebt und arbeitet in Amsterdam. Der Bildband „One Year“ wurde erstmals auf der diesjährigen UNSEEN in Amsterdam präsentiert.

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