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BUCHTIPP

16.01.2020

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Man muss schon genau hinsehen, denn es sind sehr merkwürdige Situationen, die der chinesische Fotograf festgehalten hat: ein Kind, an dessen Kleidung marionettenartige Fäden haften; ein Kinderpaar, das eine Hose teilt; ein Wellensittich gefangen unter Klarsichtfolie oder ein Stillleben mit aufgeschnittenen Früchten, Schmetterlingen und Küchenutensilien. Die Bilder sind perfekt arrangiert, doch der Sinn bleibt rätselhaft. Geschickt spielt der Fotograf mit Erwartungen, doch bei längerer Betrachtung changieren die Bildarrangements umso mehr ins Unheimliche. Für die Serie nutzte der Fotograf die Kulissen professioneller kommerzieller Foto-Shootings, doch er präsentiert keine Mode oder Produkte, sondern lässt die Settings und ihre Protagonisten selbst zu neuen ungewöhnlichen Erzählungen werden.

Seinen Anfang hatte das Projekt bereits vor vier Jahren, als der in Shanghai ansässige Fotograf den Auftrag erhielt, die Kampagne einer chinesischen Kindermodemarke zu erarbeiten: Am Set fand Xiaopeng Yuan allerdings westlich aussehende Kinder vor, die in Kulissen fotografiert werden sollten, die an eine Vorstadt in den USA erinnerten. Ein nicht unübliches Vorgehen, denn das Schönheitsideal für lokale Bekleidungsmarken orientiert sich in China gern an einem westlich geprägten Geschmack. Dieses Phänomen begann der Fotograf dann in einer eigenen, freien Serie zu hinterfragen. So entstanden merkwürdige, teilweise verstörende Motive: „Die Mischung aus Angstgefühlen und Kindlichkeit ist der Punkt, der mich anzieht“, so der Fotograf. In dem Bildband, eher ein an eine Modebroschüre erinnerndes Heftchen, ist diese Idee auch grafisch und gestalterisch konsequent aufgegriffen worden: Es wird bewusst mit Ungereimtheiten und Merkwürdigkeiten gearbeitet: „Alles in dem Buch scheint normal zu sein, aber irgendetwas stimmt nicht ganz“, so die Gestalterin Sarah Piegay Espenon.

So entstand eine eigenwillige Serie, in der die Sprache der kommerziellen Fotografie ins Extreme gesteigert und somit das grelle Konsumverhalten im modernen China reflektiert wird. Die Bilder thematisieren darüber hinaus die Erwartungshaltung oder die Enttäuschung des Betrachters, indem neue verfremdete Kontexte aufgezeigt werden, die sich einer freien assoziativen Interpretation stellen.

(Ulrich Rüter)

Xiaopeng Yuan – Campaign Child
48 Seiten, 25 Farbabbildungen, 21,3 x 27,5 cm
Englisch
Loose Joints (auch als Special Editon mit Print erhältlich)
© Xiaopeng Yuan 2019 courtesy Loose Joints
© Xiaopeng Yuan 2019 courtesy Loose Joints
© Xiaopeng Yuan 2019 courtesy Loose Joints
© Xiaopeng Yuan 2019 courtesy Loose Joints
© Xiaopeng Yuan 2019 courtesy Loose Joints
© Xiaopeng Yuan 2019 courtesy Loose Joints
© Xiaopeng Yuan 2019 courtesy Loose Joints

Xiaopeng Yuan

Geboren 1988, lebt und arbeitet in Shanghai. Studium an der Jiangxi Normal University of Fine Arts. Er ist Mitbegründer des Studios Same Paper, das auf Fotobücher und Magazine fokussiert ist.

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