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11.11.2020

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„Fotografie ist die einzige Sprache, die auf der ganzen Welt verstanden wird“, lautet ein Leitspruch Barbeys, der in seiner viele Jahrzehnte umspannenden Karriere auf allen fünf Kontinenten unterwegs war und dabei Zeuge zahlloser Krisen und Konflikte wurde. Er fotografierte in Nigeria, Vietnam, dem Nahen Osten, Bangladesch, Kambodscha, Nordirland, dem Irak und Kuwait, doch als „Kriegsfotograf“ hat er sich nie verstanden. Sein humanistischer Blick galt immer den Menschen, die unter schwierigsten Bedingungen und als Opfer der politischen und ethnischen Auseinandersetzungen zu überleben versuchten.

Geboren wurde er am 13. Februar 1941 in Berrechid, Marokko. Nach dem Schulbesuch in Paris studierte er Fotografie und Grafik an der École des Arts et Métiers in Vevey in der Schweiz. „Ich begann als 18-Jähriger zu fotografieren, mit dem Wunsch, Menschen zu treffen, zu reisen, mich mit verschiedenen Kulturen auseinanderzusetzen – um meine Sensibilität auszudrücken“, so Barbey.  Er fotografierte in dieser Zeit auch Porträts für die Vogue, „von Menschen, an denen ich interessiert war: Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Filmemacher“. Seine Serien mit der Leica M über Italien und die Italiener, die zwischen 1961 und 1964 entstanden, waren ein erster Achtungserfolg: „Ich fotografierte dort, wann immer ich konnte, über mehrere Jahre hinweg, manchmal im Auftrag, aber meistens frei. Das Ziel war der Versuch, den Spirit der Orte einzufangen. Inspiriert war ich von italienischen neo-realistischen Filmregisseuren wie Fellini, Antonioni, Pasolini und Visconti.“ Nicht zuletzt durch die Italien-Bilder wurde er mit 25 Jahren Mitglied in der Agentur Magnum. Der Bildband Die Italiener sollte allerdings erst viele Jahrzehnte später (2002) veröffentlicht werden.

Ab 1968 war er Vollmitglied der Agentur, war 1978/79 Vizepräsident für Europa und von 1992 bis 1995 Präsident von Magnum international. Die heutige Präsidentin der Agentur Olivia Arthur schreibt über ihn: „Von seinen Kollegen als kultivierter und weltoffener Mann in Erinnerung behalten, war Barbey auch großzügig mit seiner Zeit und machte sich Gedanken über die Situationen, mit denen er sich beschäftigte: Sie reichten von den Kriegen auf der Welt bis zu den Straßen Marokkos, seines Geburtslandes. Seine Bilder sind voller Leben, und sein Vermächtnis wird in ihnen weiterleben. Er wird uns sehr fehlen.“

Neben seinen frühen Schwarzweiß-Aufnahmen zählen auch viele farbigen Serien, nicht zuletzt aus seinem Geburtsland Marokko, zu seinen wichtigsten Arbeiten. Mehrfach kehrte er nach Marokko zurück: „Ich kann nicht wirklich erklären, warum ich mich zu Marokko hingezogen fühle. Ich bin dort geboren, und ich fühle mich dort zu Hause. Obwohl ich Farbe auf abstrakte Weise verwende, geht es mir beim Fotografieren nicht nur um die ästhetische Wahrnehmung. Es sind immer auch die Menschen und die Kultur, die mich faszinieren.“ Seine Marokko-Bilder wurden zuletzt im Frühjahr 2019 in der Leica Galerie Istanbul ausgestellt. Für seine letzten Projekte fotografierte er insbesondere in China.

Barbey erhielt für seine Arbeit zahlreiche Auszeichnungen, darunter den französischen nationalen Verdienstorden. Seine Fotografien wurden weltweit ausgestellt und sind in zahlreichen Museumssammlungen vertreten; er publizierte über 30 Bildbände. Am 13. April 2016 wurde Barbey in die französische Académie des Beaux-Arts aufgenommen.

Am 9. November 2020 ist Bruno Barbey in der nordfranzösischen Stadt Roubaix verstorben.

Alle Motive: © Bruno Barbey/Magnum Photos
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