Von Synthese und Dekonstruktion

29. Oktober 2025

Vom 29. Oktober 2025 bis zum 11. Januar 2026 präsentiert die Fondation Henri Cartier-Bresson die Ausstellungen Radio Ballast von François-Xavier Gbré und The Monument von Sibylle Bergemann.
Radio Ballast: Radio bezieht sich auf das Gerät, das Informationen überträgt, während Ballast das Bett aus Schotter ist, auf dem die Schienen liegen. Im Eisenbahnjargon bezieht sich der Begriff auch auf Gerüchte ungewisser Herkunft: vage, unbegründete Nachrichten, eine Mischung aus Vermutungen und Klatsch, verwobene und oft widersprüchliche Erzählungen. Die Geschichte ähnelt oft einem solchen Gerücht. Sie ist nie einfach, sondern vielfältig, verworren oder gebrochen. Es ist Aufgabe des Künstlers, Formen der Synthese vorzuschlagen. Genau das versucht François-Xavier Gbré, Jahrgang 1978, in seiner Serie zu zeigen. Der französisch-ivorische Fotograf ist der Gewinner der ersten Ausgabe des Programms „Latitudes“ der Fondation Hermès.

The Monument: Von 1975 bis 1986 dokumentierte die deutsche Fotografin Sibylle Bergemann (1941–2010) die Entstehung des Marx-Engels-Denkmals in Ostberlin. Das Projekt, das nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ins Leben gerufen wurde, wurde schließlich 1973 dem Bildhauer Ludwig Engelhardt anvertraut, der sich mit mehreren anderen Künstlern zusammenschloss. Bergemann begann zunächst informell zu fotografieren, bevor sie 1977 einen offiziellen Auftrag vom Kulturministerium erhielt. Im Laufe von elf Jahren hielt sie den Entstehungsprozess fest, von den ersten Modellen bis zur Einweihung des Denkmals am 4. April 1986. Aus mehr als 400 entwickelten Filmrollen wählte Bergemann zwölf Fotografien aus, die sie unter dem Titel Das Denkmal zusammenfasste. Diese Bilder offenbaren eine Bildsprache, die weit von der offiziellen Ästhetik entfernt ist. Im postkommunistischen Lichte betrachtet, wirken ihre Dekonstruktion heroischer Figuren und die ihnen zugrunde liegende Ironie bemerkenswert vorausschauend. Mit rigoroser Objektivität gelang es Bergemann, der Zensur zu entgehen und gleichzeitig ein schonungsloses und lakonisches Bild der Überholtheit einer Ideologie zu zeichnen.
Katrin Ullmann
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