Von 99 zu 88: das zweite Buch des Fotografen

Vasco Trancoso

17. März 2026

Spontane Alltagsbegegnungen mit subtilen Rätseln und einer Prise Humor: sein Rezept für ein charmantes neues Kapitel der Street Photography. Der Bildband 88 
Menschen am Strand: vereinzelt und in Gruppen, in verschiedenen merkwürdigen Posen, ein bis zur Hüfte im Sand eingegrabenes Kind – und darüber ein großer schwebender Blauwal. Es gibt viel zu entdecken auf dem surreal anmutenden Bild des portugiesischen Fotografen. Aktuell wird es in der Leica Galerie Wien ausgestellt – im Rahmen des 15. Leica Street Photo Contests, der ab dem 20. März zu sehen ist. Ausgewählt aus mehr als 13.000 Einsendungen aus aller Welt, hat das Motiv nun die Chance, von einem Finalisten zum Gewinner des diesjährigen Jahrgangs zu werden.

Wer noch mehr Bilder von Vasco Trancoso entdecken möchte, der sollte rasch eines der letzten Exemplare seines neuen Bildbandes bestellen. 88 Bilder fügen sich hier zu einem bunten Reigen lebendiger Street Photography. Nach seiner ersten Veröffentlichung mit dem Titel 99, die vor sechs Jahren erschien, hat er nun mit 88 gründlich nachgelegt. Wieder strahlen intensive Farben im Licht seines Heimatlandes, zeigen sich präzise gestaltete grafische Kompositionen und finden sich weiterhin Motive mit stark kontrastierenden Silhouetten und Schattenzonen. Gleich auf dem allerersten Bild im neuen Buch begegnen wir dem Fotografen selbst: Doch nicht im klassischen Porträt zeigt er sich, sondern sein fragmentierter Schattenriss spielt mit den Flächen und Formen der Architektur, auf die sein Schatten fällt. Der Fotograf ist also gleichzeitig hinter und vor der Kamera und wird so Teil der Bilderzählung. Dieses Prinzip hat Trancoso wiederholt in der Bildabfolge des neuen Buchs aufgegriffen. Seine Präsenz ist unverkennbar, denn immer scheint er einen Hut zu tragen.

Entstanden sind die Fotografien in seiner Heimatregion, vor allem in Caldas da Rainha – dort lebt der Fotograf seit mehr als 40 Jahren – und ebenso in Foz do Arelho, Lissabon und Óbidos. Immer wieder ist er auf den vertrauten Straßen, den Plätzen, den Märkten und natürlich am Strand unterwegs. Mit dieser Ortskenntnis hat er ein fotografisches Monopol geschaffen, und so ist „diese Arbeit ist einzigartig, da diese Orte von anderen Street Photographers bisher weitgehend unerforscht sind“, sagt Trancoso. Er fotografiert mit einer Leica Q und einer Leica Q3, bevorzugt enge Ausschnitte und eine kleine Blende, um eine möglichst hohe Schärfentiefe zu erzielen. Daher gibt es immer noch mehr zu entdecken – selbst im hintersten Winkel einer Fotografie. Nur manchmal spielt auch der spontane Moment eine Rolle, wie bei der letzten Aufnahme unserer Auswahl, als ein Junge vor die Linse des Fotografen sprang. Doch genau mit dieser Spontaneität gewinnt die perfekte Aufnahme an Präsenz und zieht die Betrachtenden mitten hinein ins Leben. Und wer spiegelt sich in der Sonnenbrille des Jungen? Natürlich der Fotograf!
Ulrich Rüter
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Vasco Trancoso

Vasco Trancoso: 88+-

Bildschirmfoto 2026-03-11 um 08.05.13

184 Seiten, 88 Farbabbildungen
33 × 22,5 cm, Portugiesisch/Englisch
Selbstverlag
Mit einem Text von Paul Russell

Vasco Trancoso+-

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© Vasco Trancoso

1944 in Lissabon geboren und lebt seit 1983 in Caldas da Rainha, Portugal. Schon als junger Mann war er von der Fotografie begeistert, entschied sich aber für eine medizinische Laufbahn. Als pensionierter Gastroenterologe widmete er sich seit 2009 wieder ganz der Fotografie und entdeckte vor allem die Street Photography für sich: „Auf den Straßen kann ich mich glücklich schätzen, alltägliche Wunder zu entdecken, die sich als Fragmente einer parallelen Dimension erweisen, in der das Banale außergewöhnlich sein kann.“ 2019 wurde sein erstes Buch 99 (mit 99 Fotografien) veröffentlicht, 88 (mit 88 Fotografien) erschien 2025. Mehr

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