U Got the Look

26. September 2025

Die Fotografinnen und Fotografen unserer LFI Gallery haben mit geschärftem Blick Begegnungen voller Nähe und Emotion eingefangen.
Unterwegs kreuzen sich zwei Augenpaare; es ist ein flüchtiger Blick, ein Wimpernschlag, der in Windeseile vorbei ist. Fremde bleiben Fremde – und doch ist für einen Moment alles gesagt. Täglich treffen wir auf Dutzende Augenpaare, mal mehr, mal weniger intim, mal für einige Minuten und mal für wenige Sekunden. Die Fotografinnen und Fotografen unserer LFI Gallery haben mit ihren Kameras Entdeckungen festgehalten, die das Auge nur für einen Moment streift: Pendler am Zugfenster, flüchtige Szenen am Wegesrand oder das Spiel mit der Straßenkatze.

1. Mi Lu
„Dieses Foto entstand auf der Insel Jeju, Südkorea. Als ich eine Brücke passierte, sahen zwei Kinder in die Ferne. Die Landschaft dort war wunderschön, also hatte ich vor, die Szene festhalten. Doch als ich auslösen wollte, drehten sich die beiden Kinder plötzlich um und blickten direkt in meine Richtung. Ihre Mimik war schlicht und unschuldig – für mich sofort ein Porträt voller Emotionen. Ohne zu zögern, drückte ich den Auslöser. Die Schwarzweißtöne bringen die Gesichtsausdrücke noch stärker zur Geltung und verstärken die Wirkung des Bildes.“

2. Kieron Long
„Ich war in Bau, Malaysia, auf einem meiner Fotospaziergänge unterwegs. Auf der Hauptstraße stieß ich auf eine belebte Werkstatt. Auf dem Gehweg vor dem Gebäude reparierten drei Mechaniker Motorräder. Ich fragte sie, ob ich ihre Porträts machen dürfe – sie nickten. Als ich zu dem Mechaniker kam, der auf dem Foto zu sehen ist, fragte er mich: ‚Bist du bereit?‘ – ‚Wofür?‘, entgegnete ich. Dann überraschte er mich mit einer unglaublichen Aktion: Er legte ein Bein hinter seinen Kopf, so beweglich wie ein Yogalehrer. Und während das Bein noch immer hinter seinem Kopf lag, schraubte er unbeeindruckt weiter am Motorrad. Ich war völlig fasziniert von seiner Gelenkigkeit – und froh, diese ungewöhnliche Szene eingefangen zu haben.“

3. Stephen Song
„Dieses Foto entstand in Paris. Was mich dazu brachte, die Kamera zu heben, war die Intensität dieser beiden Figuren. Ihr Auftreten wirkte roh, trotzig, beinahe theatralisch. In der Street Photography suche ich nach genau diesen Begegnungen, in denen die Realität wirkt, als würde sie sich selbst inszenieren. Dieses Motiv weckt in mir zugleich Bewunderung und Melancholie. Bewunderung, weil ihre radikale Selbstinszenierung den Geist von Anders Petersens Café Lehmitz atmet. Melancholie, weil jeder Akt des Aufbegehrens auch Zerbrechlichkeit offenbart – eine leise Suche nach Identität und Zugehörigkeit. Am Ende zeigt das Bild nicht nur zwei junge Menschen. Es erzählt auch von Paris selbst, einer Stadt, die immer schon menschliches Theater inszeniert hat.“

4. Ping Chen
„Dieses Bild entstand in einer Ziegelfabrik am Stadtrand von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch. Als ich ankam, neigte sich der Tag bereits dem Ende zu, und die Arbeiter hatten ihre Schicht beendet. Ihre Unterkünfte liegen direkt auf dem Fabrikgelände, und viele wuschen sich gerade. Eine junge Frau fiel mir besonders auf: Sie trug ein leuchtend orangefarbenes Kleid und ein grünes Tuch. Während sie Wasser schöpfte, positionierte ich mich hinter ihr. In dem Moment, als sie spürte, dass jemand hinter ihr stand, und sich umdrehte, drückte ich ab. Für mich ist es ein authentischer Einblick in das alltägliche Leben der Arbeitenden.“

5. Edita Carolan
„Während ich in einer ruhigen Stadt im Süden Sri Lankas auf den Bus wartete, fiel mir ein Mädchen auf, das neugierig aus dem Fenster eines abfahrenden Reisebusses blickte. Ich machte das Foto in dem Moment, als sich unsere Blicke trafen – eine flüchtige Verbindung, die für mich den Zauber der Street Photography ausmacht.“

6. Mingzu Liu
„Als ich die Szene sah, musste ich sofort an Elliott Erwitts berühmte Motive mit Hunden und menschlichen Beinen denken. Vor dem Geschäft warteten mehrere Katzen erwartungsvoll – eine streckte sich träge, eine andere fixierte direkt meine Kamera. Es war der perfekte Moment, um abzudrücken. Diese Szene weckt Neugier. Zufall, Flüchtigkeit und das Unbekannte sind genau das, was ich in der Street Photography suche. Ich versuche, stets ‚hungrig‘ nach Bildern zu bleiben – so wie die Katzen, die hungrig vor dem Fischladen ausharren.“

7. Jihoon Kim
„Viele Fotografen hatten auf das große Feuerwerksfestival in Busan gewartet. Das bedeutete lange Wartezeiten – und auch Langeweile. Ein Mann verzog sein Gesicht auf ungewöhnliche Weise, indem er sein Philtrum streckte und verengte. Diesen Ausdruck wollte ich nicht verpassen und fotografierte ihn präzise. Mich faszinieren die Gesichtsausdrücke, Gesten und Handlungen von Menschen. Ich bin überzeugt: Jeder Mensch kann zum Fotomotiv werden – wenn man ihn nur in seiner Natürlichkeit einfängt.“

8. James Bridges
„Jameson und ich sind seit über einem Jahr Nachbarn. Er spricht nicht, und dies ist das einzige Mal, dass er in meiner Gegenwart präsent war. Sein Universum muss ein wunderschöner Ort sein, denn er lächelt immer. Ich bin froh, dass wir uns zumindest für einen kurzen Moment durch die Magie der Fotografie verbinden konnten.“

9. Payman Hazheer
„Ich arbeite an einem Langzeitprojekt über Stockholm, bei dem ich verschiedene Subkulturen dokumentiere. Viel Zeit verbringe ich auch im Stadtzentrum, wo sich am Wochenende die Jugendlichen treffen. Dort begegnete ich dieser Gruppe. Ihr Aussehen und die Art, wie sie einfach gemeinsam ihre Zeit verbringen, erinnerten mich stark an die 90er-Jahre. Keine Smartphones, nur gemeinsames Abhängen.“
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