Touchdown!

Tom Stoeven

30. Januar 2026

Auf dem Spielfeld der American-Football-Mannschaft Black Devils geht es um mehr als nur um Sport. Der Fotograf zeigt eine authentische Atmosphäre voller Teamgeist.
Im Jahr 2008 wurde in der Justizvollzugsanstalt Herford die American-Football-Mannschaft Black Devils als Teil eines Resozialisierungsprogramms gegründet. Der Sport gab den jungen Menschen in Haft eine neue Perspektive. Der Zugang zum Training war an verantwortungsvolles Verhalten im Haftalltag geknüpft, da sportliche Angebote innerhalb der JVA als Privileg verstanden wurden. Mittlerweile hat sich das Team etabliert, und verschiedene Trainerinnen und Trainer sind involviert. Die Spieler entwickeln Engagement, Disziplin und strategisches Denken. „Wir gewinnen zusammen, und wir verlieren zusammen – es fühlt sich familiär an“, sagt ein Spieler. Der Fotograf Tom Stoeven hat die Atmosphäre auf dem Spielfeld hinter den Mauern der JVA dokumentiert und zeigt, was Resozialisierung ausmacht.

LFI: Wie würden Sie die Philosophie der Black Devils beschreiben? 
Tom Stoeven: Alles basiert auf Verantwortung, Verbindlichkeit und Zugehörigkeit. American Football ist ein Rahmen, in dem Regeln gelten, Leistung erwartet wird und Verhalten Konsequenzen hat. Wer Teil der Black Devils ist, entscheidet sich bewusst für Teamgeist und Entwicklung. 

Welche Eigenschaften der jungen Männer möchten Sie besonders hervorheben? 
Mir war wichtig, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und nicht die Gründe ihrer Inhaftierung. Eigenschaften wie Loyalität, Ehrgeiz und emotionale Tiefe standen für mich im Vordergrund. Viele der jungen Männer zeigen auf dem Feld Emotionen, die im Haftalltag kaum offen gezeigt werden können: Stolz, Frustration, Freude und Zweifel. Diese Ambivalenz wollte ich sichtbar machen – ohne zu beschönigen und mit Respekt. 

Welche Bedeutung hat Sport für den Prozess der Resozialisierung? 
Sport hält den Menschen einen Spiegel vor, denn er zeigt unmittelbar, wie jemand mit Regeln, Rückschlägen, Autorität und Teamarbeit umgeht. Für die Resozialisierung bedeutet das: Struktur, Kontrolle über Aggression und Zugehörigkeit. Sport ersetzt zwar keine Therapie, aber er schafft Raum für Ausdruck an Stellen, an denen Sprache nicht reicht.

Wie sind Sie fotografisch an das Projekt herangegangen? 
Zuvor habe ich das Gespräch mit den Justizvollzugsbeamten sowie den Sozialarbeiterinnen und -arbeitern gesucht. Mir war wichtig, so viel wie möglich über Abläufe und örtliche Gegebenheiten in Erfahrung zu bringen. Zudem wurden alle Bilder durch die Leitung der Justizvollzugsanstalt gesichtet und freigegeben. Ich wollte eine Geschichte erzählen, mit der die Menschen im Alltag normalerweise nicht konfrontiert werden. In einem Sport wie dem American Football dürfen Aktion und Dynamik nicht fehlen. Ich wollte zeigen, was Football hier bedeutet – nicht nur, wie er aussieht. 

Welche Rolle spielt die schwarzweiße Farbgebung gerade bei diesem Projekt? 
Es gibt keine Ablenkung durch Farben, keine Dienstkleidung, keinen „American-Football-Glamour“, wie man ihn aus Hollywood-Filmen kennt. Die kalten Mauern, der Zaun und der von Gebäuden umgebene Hof wirken ohne Farbe ehrlicher. Schwarzweiß verstärkt die Zeitlosigkeit und Ernsthaftigkeit des Themas und lenkt den Fokus auf die Spieler.
Eliza Trapp
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Tom Stoeven
EQUIPMENT: Leica M (Typ 262), Summilux-M 1:1.4/50, Leica Q (Typ 116) mit Summilux 1:1.7/28 Asph

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© Tom Stoeven

Der Fotograf hat sich auf eine dokumentarische und editorial-orientierte Bildsprache spezialisiert. Seine Arbeit verknüpft ein tiefes gesellschaftliches Interesse mit einem sensiblen, menschlichen Blick besonders in Projekten, die soziale Realität und individuelle Lebensgeschichten sichtbar machen. Teile seiner Arbeiten wurden bereits im SWAN Magazine veröffentlicht. Über seine fotografische Tätigkeit über Sternenkinder – ein Begriff für Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben sind – und sportliche Resozialisierungsprogramme der Justizvollzugsanstalten Sennestadt und Herford hat Stoeven im Rahmen des „Donnerstalks“ und der Leica Erlebnistage 2024 des Leica Stores Nürnberg gesprochen. Mehr

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