Tagebuch eines Polizisten

5. August 2025

Anlässlich des 100. Geburtstags von Arnold Odermatt präsentiert die Kunststiftung DZ BANK in Frankfurt/ Main bis zum 15. August 2025 eine exklusive Werkschau mit Arbeiten aus dem eigenen Sammlungsbestand. 
Durch Zufälle und glückliche Fügungen wurde Arnold Odermatt, der 1948 im Schweizer Kanton Nidwalden seine Polizeikarriere begann, zu einem Chronisten seines unmittelbaren Lebensumfeldes. Mit seiner Kamera hielt er tagebuchartig Familie, Urlaub, Kolleginnen und Kollegen im Dienst und nach Feierabend sowie die Schweizer Berglandschaft und ihre Bewohnerschaft fest. Auf derselben Film- und Zeitleiste dokumentierte er zugleich Unfallorte; zunächst als Rapport für die Polizeiakte und dann, nachdem sie geräumt und von Verletzten oder Toten befreit worden waren, für sich selbst, immer auf der Lauer nach einem guten, scharf fokussierten und perfekt ausgeleuchteten „Bauchfoto“, wie er seine Bilder nannte.

Vermutlich wären die Bilder von Arnold Odermatt wie so viele andere private Fotoaufnahmen im häuslichen Archiv verschollen. Erst im Zuge seiner Recherchen für ein Filmprojekt durchforstete dessen Sohn, der Regisseur Urs Odermatt, das Konvolut seines Vaters und entdeckte die Qualität der Bilder. Durch thematische Gruppierungen und die Auswahl einzelner Motive und Bildausschnitte machte er 1993 mit dem Buch Meine Welt die Kunstszene auf den schlummernden Schatz seines Vaters aufmerksam.

1998 kuratierte Beate Kemfert die erste Ausstellung Odermatts für die SCHIRN Kunsthalle im ehemaligen Frankfurter Polizeipräsidium gegenüber des heutigen DZ BANK Campus. In dieser Ausstellung wurde Harald Szeemann auf den Künstler aufmerksam und zeigte 2001 eine Auswahl seiner Schwarzweiß-Fotografien auf der 49. Biennale von Venedig. Ebenfalls aus der Ausstellung im Frankfurter Polizeipräsidium wurden Fotografien aus den Serien „Karambolage“ und „Im Dienst“, die heute zu den bekanntesten Werkreihen des Fotografen gehören, für die Sammlung der DZ BANK erworben.
Katrin Ullmann
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