Die Zeugen der Sterne

Roman Sokolov

24. Juni 2025

In seinem Projekt Watch the Darkness to See the Light widmet sich der Fotograf der Faszination des Universums.
Die Sternwarte in Pulkowo, in der Nähe von St. Petersburg, wurde 1839 vom deutschen Astronomen Friedrich Georg Wilhelm Struve gegründet. Umgeben vom Geist der Vergangenheit begibt sich der Fotograf auf die Suche nach der heutigen Bedeutung des Ortes – und trifft auf leidenschaftliche Wissenschaftler, für die das Weltall mehr ist, als nur ein undurchsichtiger, schwarzer Raum.

LFI: Was fasziniert Sie an der Astronomie?
Roman Sokolov: Seit ich fünf oder sechs Jahre alt war, habe ich mich für Astronomie interessiert. Ich bat meine Eltern um eine Astronomie-Enzyklopädie. Es gab eine neue, aber sie war teuer, also versuchte mein Vater, mich umzustimmen, indem er mir stattdessen ein ferngesteuertes Auto anbot. Ich sagte ihm, dass ich damit vielleicht eine Woche oder einen Monat lang spielen würde, aber das Buch würde mich viel länger begleiten. Auf diese Weise habe ich mich selbst weitergebildet. Das Gefühl für größere Zusammenhänge lebte in mir weiter. Durch das Fotoprojekt lernte ich Menschen kennen, die sich dafür entschieden haben, ihr Leben lang den Kosmos zu erforschen. Ich glaube, dass die Arbeit mit dem Sternenhimmel in der Natur einem Menschen die Fähigkeit zum Meditieren und Nachdenken gibt. Mir verschafft die Beschäftigung mit dem Kosmos ein inneres Gefühl von Freiheit und die Freude, Teil von etwas Großartigem zu sein. Astronomen sagen, dass der Weltraum Zusammengehörigkeit lehrt.

Was genau war der Auslöser für dieses Projekt?
Seit fast vier Jahren denke ich über ein Projekt zum Pulkowo-Observatorium nach, dessen Schutzzone zu einem Gebiet für kommerzielle Wohnbebauung erklärt wurde, was zu einer radikalen Zunahme der Lichtverschmutzung am Nachthimmel führt und Teleskope blind macht. Ich wollte die Öffentlichkeit auf die Situation aufmerksam machen, aber ich hatte das Gefühl, dass das Thema komplexer war. Es ist schwer zu beschreiben, aber Astronomen leben mit der Möglichkeit, den Planeten als lebendes Objekt im Flug, den Mond, die Sonne und den reichen Weltraum um uns herum auf eine viel intensivere Weise zu erleben als viele von uns. Wir sind die erste Generation, die ohne Verbindung zur Milchstraße und ohne die Möglichkeit, in einer klaren Nacht den Weltraum zu beobachten, aufgewachsen ist. Immer mehr junge Leute auf der ganzen Welt haben noch nie einen Himmel gesehen, der völlig frei von elektrischem Licht ist. Wie kann man denen, die diese Erfahrung noch nie gemacht haben, die tiefe Begeisterung dafür erklären? Wie kann ich dieses Licht denen beschreiben, die es noch nie gesehen haben? Ich hoffe nur, dass ich einen oder mehrere Menschen dazu inspirieren kann, diese Erfahrung zu machen.

Das Observatorium ist ein historischer Ort – was wollten Sie mit Ihren Bildern erzählen?
Das Observatorium in Pulkowo ist ein Ort der Opfer und Tragödien, der Hingabe und Inspiration, des Verlusts und der Hoffnung. Mit meinen Hauptmotiven, die ich auf 6×6-Film aufgenommen habe, wollte ich den spielerischen Geist der Wissenschaft wiederbeleben und gleichzeitig ein Gefühl für den Ort vermitteln.

In meinen Schwarzweißaufnahmen konzentriere ich mich auf das heutige Alltagsleben, das nur noch an eine große Vergangenheit erinnert und die Zerbrechlichkeit der Wissenschaftler in ihrem asketischen Leben offenbart. Viele von ihnen opfern ein einfaches, komfortables Leben, um in der Astronomie zu bleiben, und lehnen einen lukrativeren Weg in der Programmierung und angewandten Arbeit ab. Indem ich das Observatorium und das asketische Leben zeige, möchte ich die Betrachter dazu bringen, darüber nachzudenken, wofür die Arbeit von Astronomen steht. Sie beschäftigen sich mit Größenordnungen, die viel grundlegender sind, und es ist schwierig, die Freude auszudrücken, die es bereitet, mit ihnen in einen Dialog zu treten.

Warum haben Sie sich entschieden, diesen Teil Ihrer Serie in Schwarzweiß zu fotografieren?
Ich habe mich für Schwarzweiß entschieden, um eine Vermischung von Film- und Digitalfarben zu vermeiden. Außerdem wollte ich das moderne Alltagsleben mit einer Art zeitloser Distanz einfangen, als wäre es bereits Teil eines größeren Archivs des Observatoriums. Schwarzweiß erwies sich auch als gute Lösung für Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen, ohne dass ich mir Gedanken über die Bildqualität machen musste. Zusätzlich zu meiner Leica M10 stellte mir der lokale Leica-Händler (Ex-Leica in Moskau) freundlicherweise eine M10 Monochrom zur Verfügung. Sie verfügt über einen ähnlichen Sensor, wie er in der Astronomie weit verbreitet ist. Astronomen verwenden Schwarzweißsensoren, die es ermöglichen, mehr Licht durch das Teleskop aufzunehmen, ohne es durch Farbfilter zu reflektieren.

Wie war die Arbeit mit der Kamera?
Die leichte digitale Leica ermöglichte mir, in allen möglichen unerwarteten Situationen unterwegs zu fotografieren, einschließlich der Suche nach neuen Blickwinkeln oder beim Herumlaufen. Viele Momente kommen vielleicht nie wieder, und man muss bereit sein. Neben Überlegungen zur Aufnahme ist es wichtig, Raum für Experimente und Spontaneität zu schaffen. Mit der M10 Monochrom fühlt man sich in der Lage, unter allen Lichtverhältnissen zu fotografieren. Die Nächte im Observatorium können eine Herausforderung sein. Ich habe dort etwa 30 oder 40 Nächte verbracht, manchmal bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad und manchmal bis zum Sonnenaufgang. Die Leica-Kameras haben zuverlässig funktioniert.
Katja Hübner
ALLE BILDER AUF DIESER SEITE: © Roman Sokolov
EQUIPMENT: Leica M10, M10 Monochrom, Summarit-M 1:2.5/75, Summicron-M 1:2/35 Asph, Zeiss Planar 1:2/50 ZM, Jupiter-12 1:2.8/35, Jupiter-8 1:2/50

LFI 4.2025+-

Roman Sokolovs Fotoreportage über Christiania, The Stolen Place, finden Sie im LFI Magazin 4.2025. Mehr

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© Elizabeth Kovrizhnykh, 2021

1989 in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, geboren, begann er bereits mit 13 Jahren ein Studium der bildenden Künste. In seinem ersten Jahr an der Fakultät für Fotojournalismus wurde er Fotograf für das Magazin Time Out St. Petersburg, seitdem arbeitete er unter anderem an mehreren Projekten wie über die Freistadt Christiana in Kopenhagen (LFI 4.2025) und in Istanbul für die französischen Medien Libération und Arte. 2023 schloss er ein Studium an der Dänischen Medien- und Journalistenschule ab; während des Studiums nahm er mit Unterstützung von Leica Camera Berlin an der Skaftfell Art Residency in Island teil. Mehr

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