Overfishing in Southeast Asia – an Ecological and Human Drama
Overfishing in Southeast Asia – an Ecological and Human Drama
Nicole Tung
9. September 2025
Eine burmesische Hafenarbeiterub sortiert verschiedene Fischarten, nachdem ein Fang von einem thailändischen Schiff an einer Anlegestelle in Ranong, Thailand, am Donnerstag, den 23. Januar 2025, entladen worden war
LFI: Die Probleme, mit denen Meeresökosysteme konfrontiert sind, sind bekannt, aber sehr undurchsichtig. Wie ist es Ihnen gelungen, hinter die Fassade zu blicken?
Nicole Tung: Ich habe das Gefühl, dass ich nur an der Oberfläche des Problems der Überfischung in Südostasien gekratzt habe. Illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei ist ein weltweites Problem, und Interessenverbände haben ihren Teil dazu beigetragen, die verschiedenen Parteien zu besseren Vorschriften zu bewegen … Aber das Problem ist die Durchsetzung. Die schlimmsten Verstöße gegenüber der Umwelt und denjenigen, die auf Fangschiffen arbeiten, finden auf See statt, und ich habe nur einen kleinen Einblick bekommen, indem ich mit vielen Leuten an Land gesprochen habe, um ihre Erfahrungen zu verstehen. Der Zugang zum Meer war besonders schwierig und sehr zeitaufwendig. Oft stößt man auf Hindernisse, weil es illegale Aktivitäten gibt, die Kapitäne und Bootsbesitzer nicht zeigen wollen.
Einerseits gibt es das Problem der Überfischung, andererseits leben die Fischer selbst am Existenzminimum – was wollten Sie mit Ihren Bildern erzählen?
Mit den Bildern wollte ich zeigen, dass nicht die Fischer, insbesondere diejenigen auf kommerziellen Booten, die Schuld tragen. Wir sind es, weil uns gleichgültig ist, woher unsere Fische und Meeresfrüchte kommen, wie sie gefangen werden und welche Folgen es hat, wenn wir weiterhin so konsumieren. Es stimmt, dass ein Großteil unseres Fisches mittlerweile aus Zuchtbetrieben stammt – und diese Betriebe werfen ebenfalls schwerwiegende Probleme auf. Aber die Fischerei auf See hat sehr reale Kosten. Bis zu 40 Prozent der weltweiten Gesamtfangmenge gelten als Beifang, und zu viele kommerzielle Fangschiffe wenden weiterhin unglaublich schädliche Methoden wie zum Beispiel Grundschleppnetzfischerei an, um mit der Nachfrage Schritt zu halten. Ich hoffe, dass die Bilder dazu beitragen, lokale und handwerkliche Fischer zu unterstützen und das Bewusstsein zu schärfen.
Was bedeutet der Carmignac Photojournalism Award für Sie?
Der Carmignac Photojournalism Award ist eine große Ehre für mich, da ich damit in die Fußstapfen vieler talentierter Fotografen vor mir trete. Mein Interesse für das Thema Überfischung wurde vor einigen Jahren geweckt, als ich Ian Urbinas The Outlaw Ocean las. Als die Carmignac Foundation zu diesem Thema, das sich stark von meinen üblichen Sujets unterscheidet, zur Einreichung von Vorschlägen aufrief, wollte ich die Komplexität dieser sehr undurchsichtigen Branche untersuchen und herausfinden, wie ihre unsichtbaren Aspekte die anhaltende Nachfrage der Verbraucher antreiben.
Inwieweit kann die Auszeichnung Ihrer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit auf das Problem lenken – und vor allem zu dessen Lösung beitragen?
Ich hoffe, dass die Menschen, die die Bilder sehen, das Ausmaß des Problems verstehen. Es geht nicht einfach darum, weniger Fisch zu essen, sondern bewusster auszuwählen. Was Lösungen angeht, so dauern diese oft sehr lange, da jedes Land unterschiedliche Gesetze zur Überfischung hat. Thailand hat beispielsweise den Aspekt der Seesklaverei bis zu einem gewissen Grad beseitigt, nachdem mehrere Berichte im Jahr 2014 die Missstände an Bord und auf See ans Licht gebracht hatten. Allerdings erwägt die thailändische Regierung nun unter dem Druck von Unternehmen mit großem Interesse an der Fischereiindustrie, einige dieser Vorschriften wieder zurückzunehmen. Ich hoffe, dass die Bilder den Menschen bewusst machen, dass wir nicht immer wissen oder sehen können, welchen Weg die Lebensmittel auf unseren Tellern zurückgelegt haben.
Nicole Tung+-
Die freiberufliche Fotojournalistin arbeitet für internationale Publikationen und NGOs, vor allem im Nahen Osten und in Asien. So berichtete sie etwa über die Konflikte in Libyen und Syrien, über ehemalige Kindersoldaten in der Demokratischen Republik Kongo oder die Flüchtlingskrise in Europa. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von den International Photography Awards, der Society of Professional Journalists und mit dem James Foley Award for Conflict Reporting der Online News Association. Ihre Werke wurden im Annenberg Space for Photography, bei Visa pour l’image und im Foreign Correspondents’ Club in Hongkong ausgestellt. Mehr
Eine burmesische Hafenarbeiterub sortiert verschiedene Fischarten, nachdem ein Fang von einem thailändischen Schiff an einer Anlegestelle in Ranong, Thailand, am Donnerstag, den 23. Januar 2025, entladen worden war
Philippinische Fischer entladen nach rund einem Monat auf See ihre Fänge von Gelbflossen-Thunfisch, Großaugen-Thunfisch und Blauem Marlin im Fischereihafen von General Santos, Philippinen, am Mittwoch, den 21. Mai 2025. General Santos gilt als die Thunfisch-Hauptstadt der Philippinen sowie als Zentrum des Thunfischfangs und -exports. Die Stadt beherbergt zahlreiche Verarbeitungsbetriebe, in denen die Fische, vor allem Thunfisch, für den Verkauf auf dem philippinischen Markt sowie für den weltweiten Export verpackt oder in Dosen abgefüllt werden
Burmesische Wanderarbeiter bereiten sich darauf vor, Hunderte von Stachelrochen zu entladen, um sie in Kühlhäuser einzulagern, in einer Anlage im Besitz einer Fischerfamilie in Samut Sakhon, Thailand, am Mittwoch, den 15. Januar 2025. Nach Angaben von einem der Besitzer stammen die hier zu sehenden importierten Tiefkühlfische und -rochen aus Indonesien und werden hauptsächlich für den Inlandsmarkt in Thailand verkauft. Ein Großteil der in Thailand konsumierten Meeresfrüchte wird inzwischen importiert, da die thailändischen Gewässer durch jahrzehntelange Überfischung einen erheblichen Rückgang der Bestände verzeichnet haben
Oranee Jongkolpath, 30, Tierärztin am Forschungs- und Entwicklungszentrum für marine und küstennahe Ressourcen in der thailändischen Provinz Rayong, bereitet sich darauf vor, eine Karettschildkröte mit beidseitiger Amputation in Prasae, Thailand, am Samstag, den 18. Januar 2025, zu reinigen. Die verletzte Schildkröte war von Fischern in einem Müllstrudel entdeckt worden. Sie hatte sich vermutlich in sogenannten Geisternetzen – verlorenen oder weggeworfenen Fangnetzen – verfangen, die schwere Schäden an ihren beiden Vorderflossen verursachten
Familienangehörige philippinischer Fischer bestückten in Quezon, Palawan, Philippinen, am Samstag, den 24. Mai 2025, Angelhaken mit Ködern für den bevorstehenden Einsatz
Verschiedene Haiarten – einige davon gefährdet, andere als bedroht eingestuft – werden am Montag, den 9. Juni 2025, in den frühen Morgenstunden von Berufsfischern im Hafen von Tanjung Luar in Ost-Lombok, Indonesien, angelandet. Tanjung Luar ist einer der größten Haifischmärkte Indonesiens und Südostasiens. Von hier werden Haifischflossen vor allem nach Hongkong und China exportiert; die Knochen werden zur Herstellung von Kosmetikprodukten verwendet, die ebenfalls nach China verkauft werden. Haifleisch und -haut dienen vor Ort als wichtige Eiweißquelle. Angesichts scharfer Kritik an der unregulierten Haifischfangindustrie hat die indonesische Regierung in den vergangenen Jahren versucht, strengere Kontrollen über den kommerziellen Fang einzuführen – ein Balanceakt zwischen den Bedürfnissen der Fischer und dem Schutz schwindender Haibestände
Eine Drohnenaufnahme zeigt den größten kommerziellen Fischereihafen Indonesiens, Muara Angke, in dem Hunderte von Fischereifahrzeugen vertäut sind, in Jakarta, Indonesien, am Sonntag, den 15. Juni 2025.