Nachruf: Lisl Steiner
Nachruf: Lisl Steiner
4. Juli 2023
Selbstporträt Lisl Steiner, ohne Jahr
Sie wurde am 19. November 1927 in Wien geboren. Aufgrund antisemitischer Verfolgung emigrierten die Eltern 1938 mit der Tochter nach Buenos Aires, Argentinien. Nach dem Kunststudium arbeitete sie in der Filmindustrie und war an der Produktion von Dokumentarfilmen beteiligt. Schließlich entdeckte sie die Fotografie. Das Life-Magazin druckte ihre Aufnahmen des argentinischen Präsidenten Pedro Eugenio Aramburu ab – der Beginn ihrer Karriere. 1960 zog sie nach New York. Als Freelancerin arbeitete sie unter anderem für Time, Newsweek, The New York Times, Life und Associated Press. Anfang der 1970er-Jahre zog sie mit ihrem Mann, dem Psychiater Michael Meyer Monchek, nach Pound Ridge, New York, wo sie bis zu ihrem Tod lebte und mit ihren Freundinnen Ingrid Rockefeller und Vivian Winther an einem Dokumentarfilm über ihr Leben arbeitete. Zu ihrer Geburtsstadt Wien pflegte sie enge Verbindungen, so sind ihre Geburtstagsfeiern in der Blauen Bar des Hotels Sacher legendär. Einen Teil ihres künstlerischen und fotografischen Werks hat Steiner der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien übergeben.
Ein Portfolio aus Anlass ihres 90. Geburtstages zeigt die LFI-Ausgabe 8/2017. Die Fotografie stand für Lisl Steiner im Mittelpunkt ihres Lebens, mit ihrer Leica und ihrem Charme hat sie es immer wieder verstanden, spontane ebenso wie sensible Porträts von den Berühmten, manchmal auch von der Berüchtigten der Welt- und Politikgeschichte zu fotografieren. Doch sie nur als erfahrene und weit gereiste Bildjournalistin zu bezeichnen, verstellt den Blick auf die umwerfende, unvergleichliche Persönlichkeit. Als Sammlerin, Zeichnerin, Dichterin, Muse, später YouTube- und Facebook-Star hat sie viele Spuren hinterlassen – umso mehr fehlt sie nun.
Selbstporträt Lisl Steiner, ohne Jahr
Doppelbelichtung mit Fidel Castro, Buenos Aires 1959
Richard Nixon und seine Frau Pat im Waldorf Astoria Hotel, New York 1960
Oscar Niemeyer, Einweihung der neuen brasilianischen Hauptstadt, Brasilia 1960
B. B. King in einem Motelzimmer, Pennsylvania 1967
Martin Luther King auf dem Parteitag der Demokraten, Miami Beach 1968