Nachruf: René Groebli

5. Mai 2026

Mit 98 Jahren ist der große Schweizer Fotograf am 5. Mai in Zürich verstorben. Sein reiches Werk vereint verschiedenste Bereiche des Mediums: angewandt und künstlerisch, schwarzweiß und in Farbe, direkt und poetisch.
René Groebli hatte sich vorgenommen, 100 Jahre alt zu werden. Die Einladungskarten zur Feier wurden bereits an die Freunde verschickt. Stichtag: 9. Oktober 2027. Vermerkt ist im Kartentext: „Der Künstler ist vielleicht anwesend.“ So ist es in der Würdigung von Daniele Muscionico nachzulesen, die heute mit den Nachrufen aus der Bildhalle Zürich verschickt wurde. Dort hatte er noch im Februar seine Ausstellung Movement eröffnet. Körperlich schon geschwächt, zeigte er spannende Facetten seines vielschichtigen Werkes. Der Ausstellungstitel ist präzise gewählt, war der Fotograf mit seinem Werk doch stetig in Bewegung geblieben, während er in den unterschiedlichsten Genres legendäre Bilder und Serien geschaffen und sich beständig mit neuen Aspekten der Fotografie beschäftigt hat, wobei er seiner Zeit oft weit voraus war. „Immer wieder hat er Neuland betreten, ohne sich dort auf Dauer einzurichten. Zeitlebens blieb René Groebli ein Tüftler und Finder, ein Fragender und Suchender, dessen bevorzugtes Revier das Studio, das Labor, die Dunkelkammer war“, schreibt Hans-Michael Koetzle in seinem Nachruf. Oder wie Groebli es selbst ausdrückte: „In meinem Wesen romantisch veranlagt, trachte ich nicht primär nach sachlicher Bilddokumentation. Ich versuche (immer wieder), Stimmungen und empfundene Emotionen in meinen Fotos einzufangen und zu vermitteln; und zur Verstärkung einer Stimmung, wenn nötig, auch durch handwerkliches Eingreifen in der Dunkelkammer.“
 
Geboren am 9. Oktober 1927 in Zürich, begann Groebli nach seinem Studium an der Kunstgewerbeschule Zürich und einer Ausbildung zum Dokumentarkameramann, sich ganz der Fotografie zu widmen. Als Bildjournalist reiste er – auch mit einer Leica – durch die Welt und veröffentlichte in internationalen Magazinen. Bereits 1949 erschien seine erste freie Arbeit als Buch: Magie der Schiene; 1954 folgte eine sehr persönliche Liebeserklärung an seine Frau Rita mit dem heute ikonischen Bildband Das Auge der Liebe. „Wäre ich Dichter gewesen, hätte ich mich wohl ins nächstgelegene Café gesetzt, um für Rita Liebesgedichte zu schreiben … aber so verwandelten sich meine emotionalen Eindrücke fast ungewollt zu einem fotografischen Liebesgedicht“, erinnerte sich der Fotograf.
 
Ab Mitte der 1950er-Jahre entschied sich Groebli für eine Karriere in der Werbung. Und auch auf dem Gebiet der damals noch jungen Farbfotografie war er innovativ, wobei er seine Dunkelkammerexperimente immer auch für künstlerische Verwertungen nutzte. Zeitlebens oszillierte René Groebli zwischen angewandt und frei, Werbung und Kunst, Auftrag und Selbstauftrag. 1981 zog sich der „Master of Color“, wie ihn eine amerikanische Fachzeitschrift einmal nannte, aus dem Berufsleben zurück, ohne die Fotografie ganz aufzugeben. Bis zuletzt hat René Groebli auch international Ausstellungen bestritten, kreativ in den Bereichen Akt, Landschaft und Porträt fotografiert und Fotobücher publiziert.

Groebli war ein wichtiger Künstler, ein entschiedener Visionär, ein Brückenbauer zwischen Kunst und Handwerk. Sein Werk wird bleiben – und so wird er auch auf seinem schon geplanten Fest zum 100. Geburtstag sehr präsent sein: mit Aufnahmen, einzigartig, unvergesslich.
Ulrich Rüter

LFI 7.2017+-

Hinweis: Im LFI-Magazin 7.2017 wurde René Groebli als Leica-Klassiker vorgestellt. Mehr

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